Spenden 2011

SEWA (Self-Employed Women's Association) (2011)

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JUVE-Mitarbeiter Rüdiger Albert trug ein Grußwort von Namrata Bali, Leiterin der SEWA-Academy und Mitglied der SEWA-Geschäftsführung, vor (Foto links). Die Hilfsorganisation freute sich über Scheck in Höhe von 63.450 Euro, der bereits im Vorfeld der Veranstaltung an Waltraud Waidelich und Kerstin
Möller vom Nordelbischen Frauenwerk zur Weiterleitung der Spendengelder an SEWA überreicht worden war (Foto rechts). 


Armutsbekämpfung aus eigener Kraft

Die Self Employed Women’s Association bietet Frauen im informellen Sektor in Indien ein ganzheitliches Angebot von Bildung, Qualifizierungsmaßnahmen, Anschubfinanzierungen und genossenschaftlicher Organisation. Damit befähigt SEWA die Frauen, in selbstverwalteten Strukturen die Marktfähigkeit ihrer Produkte nachhaltig zu verbessern und so wirtschaftliche Stabilität für sich und ihre Familien zu erreichen.

93% der berufstätigen Bevölkerung in Indien arbeiten im informellen Sektor – ohne Absicherung oder Sozialleistungen, meist mit kleinem und oft unregelmäßigem Einkommen und unter schlechten Arbeitsbedingungen. Gleichzeitig erwirtschaften sie 64% des Bruttoinlandsproduktes des Landes. Der Anteil von Frauen, die im informellen Sektor ihr Auskommen finden müssen, ist mit 94% noch höher.

Jede Kooperative ist ein Beitrag zur nachhaltigen Armutsbekämpfung

SEWA hilft diesen Frauen, sich in Kooperativen zu organisieren, um sich besser am Markt zu positionieren, damit ihr Einkommen zu verbessern und ihren Zugang zu sozialer Absicherung zu erleichtern. So wird ihnen ermöglicht, mit ihren eigenen Ressourcen ihre Lebens- und Arbeitssituation zu verbessern. SEWA verteilt keine Almosen, sondern bietet Frauen die Möglichkeit, Anteile an einer Kooperative zu erwerben und die Weiterentwicklung mit den anderen Mitgliedern mitzugestalten.

Ein zentraler Baustein des Angebots ist die SEWA Academy. Alphabetisierungskurse und Hygiene- und Gesundheitsschulungen gehören ebenso dazu wie die Vermittlung grundlegender betriebswirtschaftlicher Kenntnisse, sowie Aufklärung über rechtliche Themen, Finanzierungshilfen und Versicherungen. Zudem bietet die Academy Zugang zu Kommunikationstechniken, wie beispielsweise das von SEWA ins Leben gerufene Radioprogramm, mit dem auch Frauen in ländlichen Gegenden zur Weiterqualifizierung erreicht werden können.

Shakti Bharatkam Mahila Sewa Utpadak Mandli Ltd.

Das ist der Name einer der vielen Kooperativen. Sie befindet sich in dem Ort Sachana, im Nordwesten Indiens. In dieser strukturschwachen Region stellen die Frauen traditionell in Heimarbeit Stickereien her, um so das magere Einkommen ihrer Familien aus Landwirtschaft und Viehzucht aufzubessern. Andere Möglichkeiten haben sie nicht, denn die sozialen Strukturen ermöglichen den Frauen wenig Bildung und soziale Mobilität.

Bisheriger Werdegang

Die Kooperative der Seidenstickerinnen in Sachana wurde nach ihrer Gründung 1991 von SEWA zunächst mit Schulungen unterstützt und bei der Erweiterung des Produktsortiments begleitet. Die Textilien konnten in der ganzen Provinz Gujarat verkauft werden, später, durch den Aufbau neuer Vertriebswege durch SEWA, sogar in anderen Bundesstaaten und Großstädten wie Pune, Kalkutta und Mumbai. Die Genossenschaft wurde profitabel, so dass die Mitglieder monatliche Auszahlungen entnehmen konnten, sowie jährliche Ausschüttungen erhielten, beispielsweise auch in Form von benötigten Haushaltsgeräten. Neben den materiellen Verbesserungen wirkte sich die Genossenschaftsarbeit stabilisierend auf die Gemeinschaft aus: die Frauen entwickelten neues Selbstbewusstsein als Unternehmerinnen, bildeten eine stützende soziale Gemeinschaft und entwickelten die Qualität ihrer Produkte stetig weiter.

Nach mehr als 10 Jahren erfolgreicher Arbeit geriet die Genossenschaft allerdings in eine schwere Krise, da viele der aktiven Mitglieder die Region verließen und damit viel Know-how und die Führung verlorenging. Dadurch hat man auch den Anschluss an den Markt und seine Trends immer mehr verloren, so dass 2008 der Betrieb schließlich ganz eingestellt werden musste.

Ein Neuanfang

Die Mitglieder haben ihre Genossenschaft aber noch nicht aufgegeben. Was ihnen fehlt, sind v.a. Führung und Management und notwendige Kenntnisse, um die Genossenschaft wieder profitabel und marktorientiert auszurichten. Gleichzeitig werden zusätzliche Fertigkeiten wie Computerkenntnisse und Schneiderei benötigt, um die Zukunftsfähigkeit sicherzustellen.

Das geplante SEWA-Projekt zur Wiederbelebung der Genossenschaft beinhaltet daher eine Reihe von Maßnahmen.

  • Grundlagenanalyse der Problemursachen und Bedürfnisse
  • Durchführung einer Reihe von Schulungsmaßnahmen in den Bereichen Organisation, Management, Buchhaltung, Computertechniken und Marketing/Vertrieb.
  • Analysen von Design und Produktinnovation, um den Anschluss an den Markt wieder herzustellen.
  • Alphabetisierung, Gesundheitsschulung und kontinuierliche Weiterqualifizierung der jüngeren Seidenstickerinnen
  • Anschubfinanzierung
  • Recherche und Aufbau von Vertriebsmöglichkeiten
  • Regelmäßiger Austausch mit anderen Kooperativen


SEWA und die SEWA Academy verfügen über jahrzehntelange Erfahrung mit genau dieser Art von Projekten und genießen in Indien gleichzeitig hohes Ansehen. Die Frauen in Sachana sind bereit, sich in Kursen und Trainings neuen Perspektiven zu verschaffen. Es fehlt nur noch das nötige Geld.

Der Kontakt zu der Organisation kam über eine Empfehlung aus der deutschen Botschaft in Delhi zustande. Deutsche Kontaktorganisation für die Weiterleitung der Spendengelder sowie den Aufbau einer langfristigen Beziehung zu SEWA ist das Nordelbische Frauenwerk.

www.sewa.org

STAMMHAUS (2011)

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JUVE-Redakteurin Geertje Oldermann überreichte einen Scheck über 98.250 Euro an Helmut Hering, Vorstandsmitglied von ,Gemeinschaft Unser Platz im Leben', dem Trägerverein des Kölner Stammhauses.


Das Anliegen ist Normalität

Seit 1982 werden im Kölner Stammhaus Ideen für die Integration behinderter Menschen entwickelt und in die Tat umgesetzt. Der Trägerverein „Gemeinschaft Unser Platz im Leben“ hat sich zum Ziel gesetzt, behinderten Menschen neue Konzepte für zeitgemäßes betreutes Wohnen und ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu bieten. Die Aufgabenschwerpunkte sind Wohnen, Arbeiten und Kultur.

Wie alles begann

Am Anfang stand die Idee, Menschen mit Behinderungen eine Perspektive zu schaffen, möglichst unabhängig und selbstbestimmt zu leben und zu arbeiten. Aus dieser Grundidee ist 1982 auf Initiative einiger engagierter Familien das Stammhaus in Köln entstanden, ein integratives Wohn- und Arbeitsprojekt, das momentan 14 behinderten und sechs nicht behinderten Bewohnern ein Zuhause bietet und insgesamt knapp 30 Menschen einen Arbeitsplatz. Auf jeden einzelnen Bewohner und Mitarbeiter individuell eingehen zu können und ein größtmögliches Maß an persönlicher Betreuung zu leisten, war dabei maßgebliches Ziel.

In der Anfangszeit des Projektes waren solche Ideen wenig verbreitet: neben Werkstätten und Heimunterbringung gab es für behinderte Menschen in Deutschland kaum Alternativen zu Arbeitslosigkeit und Unterbringung bei den Eltern.

Ein Konzept mit Modellcharakter

Integration und Normalisierung sind die Leitgedanken des Wohnprojekts. Dafür ist eine heterogene Bewohnerstruktur wichtig, in der leichter behinderte Menschen mit schwerer behinderten zusammenleben. Viele Bewohner des in Eigeninitiative umgebauten ehemaligen Bauernhofs sind schwer körperbehindert und fast alle mehrfachbehindert (durch Sprachbehinderung, Lernbehinderung, geistige Behinderung, psychische Behinderung, Sehbehinderung).

Alle Aufgaben des täglichen Lebens werden nach Möglichkeit von den Bewohnern selbst organisiert und erledigt, mit Hilfe ihrer selbst gewählten Betreuer. Das Prinzip ist Hilfe zur Selbsthilfe und die Selbstständigkeit der Bewohner zu stärken, auch wenn das manchmal der deutlich schwerere Weg ist.

Das Stammhaus und sein Trägerverein „Gemeinschaft Unser Platz im Leben e.V.“ haben in knapp 30 Jahren bereits einen langen Weg zurückgelegt – von einer Idee zu einem anerkannten integrativen Wohn- und Arbeitsprojekt, das über die Stadtgrenzen hinaus als Modellprojekt bekannt ist und bereits 1993 vom LVR (Landschaftsverband Rheinland) als teilstationäre Wohneinrichtung im Rahmen der Eingliederungshilfe anerkannt wurde.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Stammhaus immer wieder an die sich wandelnden Bedingungen und die sich verändernden Bedürfnisse der Bewohner angepasst und wurde konsequent weiterentwickelt. 2011 befindet es sich nun in einer seiner größten Umstrukturierungsphasen.

2011 – Das aktuelle Vorhaben

Ein neues, deutlich erweitertes Wohn- und Dienstleistungsangebot für Menschen mit Behinderung und Senioren soll geschaffen werden. Zum einen will man dem zunehmenden Bedarf an seniorengerechtem Wohnen auch für Menschen mit Behinderungen begegnen. Zum anderen möchten heute immer mehr Menschen, die nur zeitweise Unterstützung brauchen, selbständig in eigenen Wohnungen leben. Doch oft fehlt das geeignete Umfeld. Dies will das Stammhaus ihnen mit einem zeitgemäßen Angebot für betreutes Wohnen bieten.

  • Das bisherige teilstationäre Wohnangebot soll zu einem Verbund aus stationärem und ambulant betreutem Wohnen mit insgesamt 24 Wohnplätzen für Menschen mit unterschiedlichem Behinderungsgrad ausgebaut werden.
  • Zusätzlich soll das freie Wohnangebot für Menschen ohne Behinderung im Sinne eines Mehrgenerationenwohnens um sieben Wohneinheiten ergänzt werden.
  • Gleichzeitig sollen die individuellen Dienstleistungs- und Serviceangebote so angepasst werden, dass sie den jeweiligen Bedürfnissen der unterschiedlichen Wohn- und Lebensformen, bei zunehmendem Hilfebedarf und zunehmendem Alter, entgegen kommen.


Die ersten großen Hürde für die Um- und Neubaumaßnahmen ist bereits genommen: Bereits vor einiger Zeit wurden Nutzungskonzepte und Bauplanungen fertiggestellt. Seit Mitte August liegt auch die Baugenehmigung vor. Nun muss nur noch die Finanzierung endgültig gesichert werden.

Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf 2,8 Mio. Euro. Ein großer Teil der Finanzierung wird durch kommunale Fördermittel, Förderprogramme des Landes NRW sowie Fördermittel von Stiftungen und anderen Förderinstitutionen abgedeckt werden. Wie bei derartigen Förderungen üblich ist die Bedingung für die öffentlichen Gelder allerdings, dass der Verein einen gewissen Anteil aus Eigenmitteln finanziert. Dieser Eigenanteil beläuft sich auf ca. 500.000 €, die über Zuwendungen und Spenden aufgebracht werden müssen.

Hier möchten wir im Rahmen der JUVE Awards helfen und Spendengelder für den Umbau und die Erweiterung des Stammhauses sammeln.

Weitere Informationen zu dem Umbauprojekt finden Sie hier [...]

www.stammhaus.de