Spenden 2013

ECUMENICAL HUMANITARIAN ORGANIZATION (2013)

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Rüdiger Albert (JUVE Verlag) und Vladislav Iviciak (Ecumenical Humanitarian Organization)

Integration vertriebener Roma in Serbien

Sultan Jusufi hat sechs Jahre in Deutschland gelebt. Seine Eltern wohnen immer noch dort. Mit 18 Jahren, im Jahr 2004, ist er ausgewiesen worden. Heute lebt er in der Romasiedlung „Bangladesch“ zusammen mit seiner 17-jährigen Frau und seiner einjährigen Tochter. Er hat durch die EHO einen Kurs als Elektriker gemacht und hofft, dass er bald Arbeit findet. „Wegen meiner Kinder muss ich bald raus aus Bangladesch, damit die zumindest eine Zukunft haben“, so der junge Familienvater. Im Moment hält er seine Familie über Wasser, indem er mit dem Mofa zwei Mal die Woche Schrott sammelt und verkauft.

Offiziell leben 110.000 Roma in Serbien, Schätzungen gehen von bis zu 800.000 Roma aus. Viele sind Flüchtlinge aus dem Kosovo. Einige suchten erst in westeuropäischen Ländern Schutz und wurden später nach Serbien ausgewiesen. Weitere 80.000 bis 100.000 Rückkehrer werden erwartet. Sie leben oft in slumähnlichen „Settlements“ – die meisten sind illegale Siedlungen. Nur wenige haben Arbeit oder Einkommen. Über 50 Prozent der Roma-Kinder besuchen keine Schule. Die meisten beenden die Schule ohne Abschluss.

Die „Ecumenical Humanitarian Organisation“ hilft seit 1993 die Lebensbedingungen für besonders benachteiligte Roma in Serbien zu verbessern. Ziel jedes Projekts ist die Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Integration in die Gesellschaft.

Dabei setzt die Förderung durch die EHO bereits im Kindesalter an.
Die meisten der nach Serbien ausgewiesenen Kinder können kein serbisch sprechen. Damit sie in die Schule gehen können, bietet die EHO Serbisch-Unterricht an und versorgt die Romakinder außerdem mit Schulzubehör und bei Bedarf mit der notwendigen Kleidung. Außerdem werden für die Kinder der Rückkehrer Schulzeugnisse übersetzt, damit die Dokumente offiziell anerkannt werden können. Bei besonderen Härtefällen, wie zum Beispiel den Opfern von Menschenhandel, werden entsprechende Unterstützungsangebote wie eine persönliche Beratung oder ein Internatsaufenthalt finanziert.

 

Das aktuelle Projekt in der Vojvodina

Die Spendengelder der JUVE Awards 2013 werden in das aktuelle Projekt zur langfristigen Existenzsicherung vertriebener Roma in der Vojvodina/Serbien fließen.
In den kommenden drei Jahren werden jedes Jahr für 30 Personen Fachkurse für Berufe wie Fassadenarbeiter oder Friseur an der Volksuniversität „Božidar Adžija“ oder anderen lokalen Partnerorganisationen angeboten und über das Projekt finanziert. Die vorbereitenden Beratungen und das entsprechende Assessment werden von der EHO durchgeführt. Ein Großteil der Personen, die eine Qualifizierungsmaßnahme absolviert haben, erhält eine Erstausstattung für ihre Arbeit, damit diese ohne weitere Verzögerungen aufgenommen werden kann. Für zwei Jahre sind die Werkzeuge geliehen, danach gehen sie in den Besitz der Nutzer über, wenn diese erfolgreich arbeiten.
Außerdem erhalten pro Jahr 15 Personen finanzielle Starthilfen um ihr eigenes Gewerbe aufzubauen. Diese Personen besuchen eine Schulung über die Erstellung eines Businessplans und erarbeiten anschließend „ihren“ Businessplan. Bisher wurden Starthilfen für Gewerbetätigkeiten wie Gemüseanbau im Glashaus, Teppichsäuberung, Hausputz, Ausarbeitung von Metallkonstruktionen, Holzzerkleinerung und –verarbeitung und Müllverwertung gewährt.
Acht Familien mit mindestens vier Mitgliedern erhalten pro Jahr Unterstützung für die Verbesserung ihres Wohnraums. Die Familien erstellen im Rahmen einer Settlementsanierung ihren individuellen Renovierungsplan. Teilnahmebedingung ist, dass die Familie unter Anleitung eines Bauingenieurs und mit Hilfe einer Bauanleitung eine Sickergrube selber gräbt und mauert. Zweite Maßnahme der Renovierungsarbeiten ist die Erstellung eines funktionstüchtigen Badezimmers mit fließendem Wasser. Danach erfolgen eine Stabilisierung des Gebäudes und die Erneuerung des Daches. Bleibt vom Budget noch etwas übrig, können bauliche Erweiterungen erfolgen. Alle Familien werden im Verlauf der Arbeiten von der EHO betreut und beraten.

 

Hilfe bei rechtlichen Problemen

Ohne Geburtsurkunde keine Staatsbürgerschaft, ohne Staatsbürgerschaft keine Krankenversicherung, ohne Krankenversicherung keine Absicherung …
Viele Dokumente sind notwendig, damit die Roma in Serbien eine Zukunft haben. Die Beratungsstelle der EHO, die von zwei Anwälten unterstützt wird, ist spezialisiert auf Fragen der Dokumentation und Legalisierung des Status der Roma in Serbien. Etwa 500 Verfahren und Antragstellungen zur Beschaffung von verschiedenen Dokumenten werden jährlich gestellt. Davon kann etwa die Hälfte erfolgreich abgeschlossen werden. Neben der tatsächlichen Antragstellung übernimmt EHO in dem Projekt auch die anfallenden Gebühren der Antragstellungen. Beratung und Antragstellungen sind für alle Personen kostenlos. Die Antragsteller sind fast ausnahmslos mittellos und leben in den Slums oder in sehr ärmlichen Verhältnissen.

 

Allgemeine Daten und Fakten

Das 1993 gegründete Hilfswerk wird von den evangelischen Kirchen in der Vojvodina gemeinsam getragen. Mit 18 Voll-, 30 Teilzeitbeschäftigten und 700 Freiwilligen ist die EHO eine der größten Hilfsorganisationen in Serbien. EHO ist in verschiedenen diakonischen Feldern tätig. Die Direktorin der EHO, Anna Bu, hat zusammen mit dem Osteuropareferenten des Diakonischen Werks Württemberg, Johannes Flothow, das Projekt auf den Weg gebracht.

 

Projektkomponenten:

Lernhilfe – Integration von Kindern in das serbische Schulsystem:

  • Übersetzung von Zeugnissen, damit diese offiziell anerkannt werden können
  • Versorgung mit Schulbedarf
  • Deutsch- und Serbischunterricht
  • Unterstützungsangebote für besondere Härtefälle

 

Einkommenssicherung durch Qualifizierungsmaßnahmen:

  • Dreimonatige Fachkurse für 30 Personen pro Jahr für Berufe wie Fassadenarbeiter oder Friseur/in

Werkzeuge/Erstausstattung:

  • Bereitstellung der Erstausstattung für Personen, die eine Qualifizierungsmaßnahme absolviert haben

Starthilfen:

  • Pro Jahr erhalten 15 Personen finanzielle Starthilfen in Höhe von 500 Euro
  • Schulung zur Erstellung eines Businessplans

 

Verbesserung der Wohnverhältnisse:

  • 8 Familien mit mindestens 4 Mitgliedern erhalten pro Jahr Unterstützung für die Verbesserung ihres Wohnraums.
  • Erstellung eines Renovierungsplans im Rahmen einer Settlement-Sanierung
  • Bau einer Sickergrube unter Anleitung eines Bauingenieurs
  • Einrichtung eines funktionstüchtigen Badezimmers mit fließendem Wasser.
  • Stabilisierung des Gebäudes und die Erneuerung des Daches.
  • Alle Familien werden im Verlauf der Arbeiten von der EHO betreut und beraten.

 

Hilfe bei rechtlichen Problemen:

  • Die Beratungsstelle der EHO ist spezialisiert auf Fragen der Dokumentation und Legalisierung des Status der Roma in Serbien.
  • Etwa 500 Verfahren und Antragstellungen zur Beschaffung von verschiedenen Dokumenten jährlich
  • Neben der Beratung und Antragstellung übernimmt die EHO auch die anfallenden Gebühren der Antragstellungen

 

 

FREUNDE ALTER MENSCHEN E.V. (2013)

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Eva Flick (JUVE Verlag) und Klaus Pawletko (Freunde alter Menschen)

Community Care – Altwerden im vertrauten Wohnumfeld

„Jern würde ick noch mal verreisen. Mal raus aus der Bude.“, sagt Käthe Wagner (92) im schönsten Berlinerisch. Mit diesem Wunsch ist sie nicht allein. Doch eine Reise ist für Käthe und die anderen Alten Freunde nicht mehr ohne weiteres möglich. Sie sind nicht mehr mobil und auf fremde Hilfe angewiesen, wenn sie das Haus verlassen möchten. Der Berliner Verein Freunde alter Menschen möchte Käthe und den anderen Alten Freunden ihren Wunsch erfüllen. „An meine letzte Reise, kann ick mir ehrlich jesagt, nicht mehr erinnern.“, erzählt sie weiter und fährt mit flacher Hand verlegen über den Tisch. Gern sei sie früher verreist, das weiß sie noch genau.

Inzwischen ist Käthe Wagner nicht mehr gut auf den Beinen. Allein rausgehen, geschweige denn verreisen, ist nicht mehr möglich und leisten könnte sie sich eine Reise erstrecht nicht. So geht es vielen der Alten Freunde. Aus diesem Grund ermöglicht der Verein Freunde alter Menschen ihnen jedes Jahr eine „kleine Flucht“ aus ihrem tristen Alltag. Es soll für ein langes Wochenende nach Rheinsberg gehen. Die Stadt liegt neunzig Kilometer entfernt von Berlin am Grienricksee. Eine längere An- und Abreise wären zu beschwerlich. Mit dem Fahrdienst werden die Alten Freunde zuhause abgeholt und am Sonntag wieder dorthin gebracht. Ein Team von Freiwilligen begleitet sie auf dieser Reise.

Freunde alter Menschen hat sich zur Aufgabe gemacht, hochbetagte Menschen vor Einsamkeit und Isolation zu bewahren. Im Mittelpunkt des Engagements stehen Besuchspartnerschaften zwischen jung und alt. Oft entwickelt sich daraus eine Freundschaft, die bis zum Lebensende des alten Menschen andauert. Im Treffpunkt in Berlin Kreuzberg finden regelmäßig Veranstaltungen, wie zum Beispiel Erzählcafés oder gemeinsame Koch- und Spielrunden statt. Bei allen Aktivitäten gilt stets das Prinzip eines freundschaftlichen Kontakts auf Augenhöhe. Ziel des Engagements ist es, wieder Hoffnung und Lebensfreude bei den Alten Freunden einziehen zu lassen.

Die Unterstützung bei einem selbstbestimmten Leben durch den Verein Freunde alter Menschen, umfasst noch eine Vielzahl anderer Aspekte. Laut einer Emnid Umfrage aus dem Jahr 2011 bevorzugen zwei Drittel der Befragten ein selbstbestimmtes Wohnen in den eigenen vier Wänden. Durch den Ausbau ambulanter Pflegedienste konnte zwar die Zeit zu Hause erheblich verlängert werden, bei komplexen Problemlagen, z.B. einer demenziellen Erkrankung des alten Menschen, bleibt jedoch oft als scheinbar einzige Möglichkeit die Übersiedlung in ein Pflegeheim. Die Ursachen für diesen vermeintlichen Automatismus liegen auf vielen Ebenen: Wohnungen, die nicht mehr bedarfsgerecht sind, ein ausgedünntes Dienstleistungsangebot und eine zunehmend anonyme Nachbarschaftsstruktur verstärken Tendenzen zur Abhängigkeit von professionellen Hilfesystemen bei gleichzeitigem Verlust eines selbstbestimmten Lebens. In Kooperation mit zwei Berliner Baugenossenschaften wurde 2006 im Berliner Bezirk Mariendorf ein Community-Care-Projekt ins Leben gerufen. Ziel dieses Community Care-Projektes ist es, alten Menschen ein selbstbestimmtes Wohnen in vertrauter Umgebung bis zu ihrem Lebensende zu ermöglichen. Das Projekt wurde mit dem Altenhilfepreis des DRK ausgezeichnet.

Ein weiteres Projekt dieser Art ist im Berliner Bezirk Reinickendorf für Ende 2013 geplant. Mit den im Rahmen der JUVE Awards 2013 gesammelten Spenden, soll dieses neue Community Care-Projekt unterstützt werden.

 

Das aktuelle Projekt

Reinickendorf, ein Randbezirk im Norden Berlins, weist im Vergleich zu anderen Berliner Bezirken einen hohen Altenanteil auf. 27% der Bevölkerung sind 60 Jahre und älter. Der Anteil an Single-Haushalte beträgt 43,5%. Bei einer Verstärkung der Entwicklung drohen Isolation im Alter und eine Zunahme der Übersiedlungen in Pflegeheime.
In Zusammenarbeit mit der Berliner Baugenossenschaft möchte Freunde alter Menschen Nachbarschaftsstrukturen etablieren, ausbauen und stärken, sowie ältere Menschen mit bedarfsgerechten Dienstleistern und Angeboten besser vernetzen.
Daneben stellt Freunde alter Menschen mit Besuchspartnerschaften, nachbarschaftsfördernden Veranstaltungen und einem professionellen Beratungsangebot weitere Bausteine zur Verfügung, die ein lebenslanges Verbleiben im vertrauten Umfeld auch bei eintretender Hilfebedürftigkeit möglich machen. Dadurch soll die Übersiedlung in stationäre Pflegeeinrichtungen verhindert werden.

Der Verein ist auch in anderen Bereichen der Altenhilfe tätig. So hat er 1995 die erste Demenz-Wohngemeinschaft ins Leben gerufen. Ein alternatives Pflegemodell, das deutschlandweit Schule macht. Heute engagiert er sich für die Entwicklung von Qualitätskriterien in Demenz-Wohngemeinschaften. Dieses Engagement mündete in einem vom Bundesfamilienministerium (BMFSJ) beauftragten und finanzierten Bundesmodellprojekt "Qualitätssicherung in ambulant betreuten Wohngemeinschaften".

 

Allgemeine Daten und Fakten

Armand Marquiset gründete 1946 in Paris unter dem Namen „Les petits frères des Pauvres“ den Verein.

Der deutsche Ableger wurde 1991 in Berlin gegründet. Dort hat er derzeit zwei Standorte. Insgesamt sind vier hauptamtliche Mitarbeiter und über 160 Freiwillige aktiv. Sie betreuen aktuell über 200 alte Menschen in ihren eigenen Wohnungen, Pflegeeinrichtungen und Demenz-Wohngemeinschaften.

Neben Frankreich und Deutschland, ist er auch in Spanien, Irland, Polen, Schweiz, den USA und Kanada aktiv. Alle Organisationen sind in einer Internationalen Föderation zusammengeschlossen. Die Mitglieder eint der Kampf gegen Einsamkeit und Isolation im Alter. Oberstes Prinzip dabei ist stets, alte Menschen nicht als Hilfeempfänger zu sehen, sondern ihnen freundschaftlich und auf Augenhöhe zu begegnen.

 

„Community Care“–Konzept:

Die Freunde alter Menschen haben vor mehr als 10 Jahren ein „Community Care“-Konzept entwickelt, das – in Kooperation mit einer Wohnungsbaugenossenschaft – alten Menschen ermöglicht, bis an ihr Lebensende im vertrauten Wohnumfeld zu verbleiben.

 

Die konkreten Projektziele:

  • Ermöglichen eines lebenslangen Wohnens in der eigenen Wohnung
  • Stärkung der Selbstbestimmung älterer Menschen
  • Entgegenwirken von Vereinsamung
  • Belebung des Nachbarschaftsgedankens - Schaffung eines solidarischen und harmonischen Wohnumfelds

 

Projektinhalte:

Ältere Menschen, ihre Nachbarn und Angehörigen bekommen Rat und Hilfe, wenn:

  • sie den Haushalt nicht mehr allein bewältigen können
  • sie medizinische oder pflegerische Hilfe benötigen
  • sie Entlastung bei der Versorgung eines pflegebedürftigen Angehörigen benötigen
  • sie den Eindruck haben, dass Ihr älterer Nachbar Hilfe benötigt
  • sie sich mit Gleichaltrigen treffen möchten
  • sie sich einfach mal aussprechen wollen
  • die Wohnung nicht mehr altersgerecht ist

 

Umsetzung/Rahmenbedingungen:

Voraussetzung für ein Community-Care-Projekt ist eine Anlaufstelle im Quartier der dem Verein von der Wohnungsbaugenossenschaft zur Verfügung gestellt wird. Es ist ein Ort der Kommunikation und erst einmal für alle Belange zuständig. Dieses„niedrigschwellige Angebot“ beinhaltet:

  • Gruppenangebote wie Erzählcafé, Spiele-Nachmittage oder Kochgruppen
  • Besuchspartnerschaften mit Freiwilligen
  • Informationsveranstaltungen zu verschiedenen Themen
  • tägliche Möglichkeit des Besuchs, Gesprächs und persönlicher Beratung
  • alljährliches Angebot Heiligabend in Gesellschaft zu verbringen
  • aufsuchende Beratung zu Fragen der Wohnraumanpassung
  • Telefonkreis („zu Besuch per Telefon“)