Spenden 2015

FLÜCHTLINGSPATEN SYRIEN

Flüchtlingspaten Syrien, JUVE Verlag

Christin Nünemann (JUVE Verlag), Charlotte Dreyer (Flüchtlingspaten Syrien) und Martin Keune (Flüchtlingspaten Syrien)

 

UPDATE (April 2017):
In den vergangenen Wochen und Monaten gab es in der Presse vermehrt Berichte über rechtliche und finanzielle Risiken für Verpflichtungsgeber, die durch ihre Haftung den Nachzug syrische Angehörige nach Deutschland ermöglichen. Diese Problematik betrifft die "Flüchtlingspaten Syrien" oder ähnliche Projekte nicht, da es gerade ihr Zweck ist, diese Risiken auszuschließen und entstehende Kosten durch finanzielle Patenschaften zu tragen. Eine Stellungnahme des Projekts finden Sie hier: fluechtlingspaten-syrien.de/fuenf-jahre-haftung-fuer-uns-kein-problem

 

Flüchtlinge aus Kriegsgebieten erreichen Deutschland oft alleine. Sie meistern ihre oft wochen- oder monatelange Flucht ohne Angehörige, die zum Beispiel aus Altersgründen vorerst zurückbleiben müssen. Eine der größten Sorgen nach der Ankunft hier ist daher oft: Kann ich es schaffen, meine Eltern, Geschwister oder Kinder zu mir zu holen?

So ging es auch dem 22-jährigen Majid, der vor einem Jahr aus Syrien nach Deutschland geflohen ist und seitdem um das Leben seiner Mutter und seiner vier kleinen Geschwister bangen musste. Dass sie inzwischen auf legalem Weg sicher nachkommen konnten, verdankt er der Hilfe der „Flüchtlingspaten Syrien“.

Verpflichtungserklärungen

Die meisten Bundesländer gestatten den Nachzug von syrischen Angehörigen – allerdings nur dann, wenn gut verdienende Verpflichtungsgeber den Staat von allen Aufwendungen entbinden und das komplette finanzielle Risiko für den nachgereisten Flüchtling tragen, ausgenommen Kranken- und Pflegekosten). Die Verpflichtungen sind unwiderruflich und gelten in etlichen Bundesländern, wie etwa auch in Berlin und Brandenburg, ein Leben lang. Entsprechend hoch ist die Hemmschwelle für Privatpersonen, selbst Verpflichtungsgeber zu werden.

Hier setzt das Engagement des „Freundeskreis zur Unterstützung von Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem Nahen Osten e.V.“ („Flüchtlingspaten Syrien“) an.

Angesichts des unendlichen Leids in Syrien hat sich im Frühjahr eine Gruppe von Anwälten, Geschäftsleuten und Beamten zusammengeschlossen, um die Angehörigen syrischer Bekannter zu unterstützen. Der Freundeskreis kümmert sich um Wohnraum, gewährt finanzielle sowie logistische Hilfe und leistet Verpflichtungserklärungen, die die Vereinsmitglieder entweder selbst abgeben oder vermitteln.

Inzwischen wird der Verein von weiteren ehrenamtlichen Helfern unterstützt. So kümmern sich zehn Ärzte bei schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen, die über die medizinische Grundversorgung hinausgehen, um die Flüchtlinge. Außerdem bieten 15 Personen kostenlosen Sprachunterricht an, den sie selbst untereinander organisieren. Im Projektladen in Berlin, den der Verein für 1 Euro im Monat vom Hausbesitzer gestellt bekommt, wurde außerdem eine Kleiderkammer eingerichtet, die von einer weiteren ehrenamtlichen Helferin betreut wird.

Kosten gemeinsam tragen

Der Verein organisiert überall im Land Patenschaften. Ab 10 Euro im Monat kann jeder, der helfen möchte, Pate werden. Die monatlichen Spenden gehen, genau wie die im Rahmen der JUVE Awards 2015 gesammelten Spendengelder, komplett in den Unterstützungspool. Aus diesem unterstützen die Flüchtlingspaten Syrien direkt und ohne jeden Abzug nachgekommene Angehörige syrischer Flüchtlinge z.B. bei der Finanzierung der Flucht nach Deutschland, der Wohnung, des Lebensunterhalts und von Sprach- und Integrationskursen. Der Verein rechnet mit Kosten von 800 Euro im Monat für einen Erwachsenen, 400 Euro für ein Kind.

Durch die Patenschaften werden das Risiko sowie die anfallenden Kosten einer privaten Verpflichtungserklärung gemeinsam geschultert. Darüber hinaus ist der Verein auf Einzelspenden angewiesen um weitere und außerplanmäßige Investitionen tätigen zu können. Je mehr Geld über Spenden und langfristige Patenschaften in den Unterstützungspool gelangt, umso mehr Angehörige von Flüchtlingen können nach Deutschland geholt werden. Durch die finanzielle Absicherung sind immer mehr Menschen bereit, eine Verpflichtungserklärung abzugeben. Die Flüchtlingspaten Syrien gehen momentan davon aus, dass sie bis Ende des Jahres ca. 27-30 Personen aus Syrien nach Deutschland geholt haben werden.

Allgemeine Informationen:

Der Verein wurde im März 2015 gegründet.
Zweck ist die Förderung der Hilfe für Flüchtlinge aus Kriegsgebieten des Nahen Ostens – insbesondere aus syrischen Bürgerkriegsgebieten – denen aufgrund von privaten Verpflichtungserklärungen ein Aufenthaltstitel gewährt wurde und für deren Lebensunterhalt folglich die öffentliche Hand nicht einsteht.
Die Flüchtlingspaten Syrien vermitteln Verpflichtungserklärungen sowie finanzielle Patenschaften für die Angehörigen von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten und bieten praktische Hilfe an.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.fluechtlingspaten-syrien.de

 

FRIENDS INTERNATIONAL

Friends International, JUVE Verlag

Eva Flick (JUVE Verlag) und Wilfried Schneider (Friends International)

Rasmei* ist 19 Jahre alt und stammt aus der kambodschanischen Provinz Battambang. Seine Eltern ließen sich früh scheiden, Rasmei flog von der Schule und zog wenig später zu seinem Onkel nach Poipet. Dort geriet er an die falschen Leute und kam so das erste Mal mit Drogen in Kontakt. Das wenige Geld, das er bei Gelegenheitsjobs auf den Bau verdiente, gab er komplett für die Drogen aus. Als sein Onkel ihn beim Drogenkonsum erwischte, schickte er Rasmei zurück zu seiner Familie. Von dort lief er weg und landete schließlich auf den Straßen der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh, wo er auf Streetworker des Projekts Mith Samlanh (MS) von Friends International traf.

Mith Samlanh ist das älteste Projekt von Friends International und wurde 1994 gestartet. Das Projekt in Phnom Penh möchte Leben retten und Zukunft sichern indem es Straßenkinder auf ihrem Weg zurück in ein normales Leben unterstützt.

Ausbildung im Mith Samlanh Center

Etwa 50 Jugendliche werden jährlich im Ausbildungsprogramm des Mith Samlanh Center aufgenommen. Dort werden Sie innerhalb von sechs bis zwölf Monaten zu Motorradmechanikern ausgebildet. Außerdem finden hier diverse Workshops statt, die die Azubis auf das Berufsleben vorbereiten, es gibt ein Cafeteria, Waschräume sowie eine Übergangsunterkunft. Der zum Center gehörige „Club Friends“ bietet außerdem verschiedene Sport- und Freizeitaktivitäten an.

Da die Auszubildenden nie Teil eines strukturierten Bildungsumfelds waren, ist die Ausbildung sehr flexibel gestaltet. Die Trainees erreichen während ihrer Ausbildungszeit drei Kompetenzlevel und erhalten nach Ende der Ausbildung ein offizielles staatliches Abschlusszeugnis.

Um sozioökonomische Schranken zu durchbrechen, bietet MS umfassende Unterstützung wie medizinische Versorgung, psychologische Betreuung, tägliche Mahlzeiten, den Transport zur Ausbildungsstätte, Nothilfe für die Familien der Trainees, Hilfe bei der Beschaffung von Dokumenten, Training in sozialer Kompetenz sowie Unterricht in Englisch, Mathematik, Khmer-Schrift, Geschichte und Erdkunde an.

Nach der Ausbildung arbeitet MS weiter mit den ehemaligen Azubis zusammen, um sie in die Erwerbstätigkeit oder Selbstständigkeit zu bringen. In Vorbereitung auf das Berufsleben werden Bewerbungstrainings angeboten – etwa zum Schreiben eines Lebenslaufes oder zur Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche. Mith Samlanh verfügt über ein Netzwerk von 270 lokalen Arbeitgebern, um Praktika zu vermitteln und erste Jobs zu garantieren. Mit den Trainees, die ihr eigenes Business starten möchten, erarbeitet MS Businesspläne und Ideen.

Social Business

Die Ausbildung findet durchgehend im Rahmen eines „Social Business“ statt, was bedeutet, dass die Ausbildungsstätte an fünf Tagen der Woche von 8-17 Uhr für Kunden geöffnet ist, die von den fortgeschrittenen Auszubildenden bedient werden. Das Programm generiert somit Einkünfte - aktuell werden 10% des jährlichen Projektbudgets von 60.000 Euro selbst erwirtschaftet. Außerdem verbessert das „Social Business“ die Qualität der Ausbildung, da die Praxisnähe für zukünftige Arbeitgeber sehr wichtig ist.

Auch Rasmei hat seine Ausbildung bei Mith Samlanh inzwischen abgeschlossen, lebt seit einigen Jahren drogenfrei und arbeitet nun in seiner eigenen Motorradwerkstatt. Er ist stolz darauf, seine Familie finanziell unterstützen zu können.

*Name geändert

 

Allgemeine Informationen:

Friends International wurde im Jahr 1994 in Kambodscha gegründet.

Im Mith Samlanh Center in Phnom Penh ist ein festes Team aus Ausbildern, Sozialarbeitern und Ärzten täglich für benachteiligte Straßenkinder da. Die Kosten des Projekts belaufen sich auf ca. 60.000 Euro im Jahr.

Die Organisation ist inzwischen auch in Indonesien, Laos und Thailand tätig und arbeitet weltweit mit 35 Partnerorganisationen zusammen.

Im Fokus der Projekte von Friends International steht immer die Wiedereingliederung von Straßenkindern in die Gesellschaft.

Weitere Informationen finden Sie unter: friends-international.org