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KINDERREPUBLIK BENPOSTA

Kinderrepublik Benposta, JUVE Verlag

Christin Stender (JUVE Verlag) und Leonie Netter (Freundeskreis Benposta)

 

Eine Gemeinschaft für Straßenkinder und ehemalige Kindersoldaten in Kolumbien

Der bewaffnete Konflikt in Kolumbien verletzt die Menschenrechte von Kindern auf gravierende Weise. Täglich sterben Kinder, es gibt  Folter und sexuelle Gewalt, Hunderte von Minderjährigen verschwinden und werden zwangsrekrutiert. Unter den Konsequenzen leidet die gesamte Gesellschaft. Bei den Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der größten Guerillagruppe FARC in Havanna wurde über die Freilassung von Kindern und Jugendlichen verhandelt, die sich in den Reihen dieser Guerillagruppe befinden.

Im Mai wurde eine Einigung erzielt, dass die in den Lagern der FARC befindlichen Jugendlichen unter 15 Jahren freizulassen sind und ein Plan für ihre Unterbringung auszuarbeiten ist. Das Projekt Benposta wird als vorbildliche Möglichkeit gesehen, um den Rückkehrern Unterstützung zu bieten und sie vor allem in Situationen zu begleiten, in denen sie von anderen Gruppen beeinflusst werden.

Gemeinschaft in Selbstverantwortung

Benposta Nación de Muchachos bietet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, in einer Gemeinschaft zu leben, wenn sie aufgrund besonders schwerer Lebenslagen nicht bei ihren Familien leben können. Benposta organisiert sich als eine Modellgesellschaft, in der Minderjährige unabhängig von Geschlecht, Glauben und Herkunft dieselben Rechte genießen und Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaft eingehen. Die Bewohner der „Kinderrepublik“ erhalten neben der Grundversorgung mit Nahrung, Kleidung, Wohnung und Schulunterricht die Möglichkeit, sich in der Gruppe zu entfalten und ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Jeder Einzelne bringt sich aktiv ein und lernt so, für sich und die Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen.

Die Verantwortung für das Funktionieren von Benposta tragen alle Mitglieder gemeinsam. Dabei ist die direkte und aktive Teilnahme gefordert. Bei Versammlungen, Bürgermeisterwahlen und in Regierungs- und Abgeordnetenräten kann sich jeder Einzelne in ein authentisches pädagogisches Spiel eingliedern, bei dem Dialog und Toleranz das grundlegende Element bilden. Erwachsene, deren Lebensläufe als positives Beispiel dienen können, sind nur am Rande involviert. Ihre Rolle ist begrenzt auf die Repräsentation von Benposta nach außen sowie die Begleitung des Erziehungsprozesses.

Spezielles Schutznetz

Benposta hat in Kolumbien die Strategie eines speziellen Schutznetzes eingeführt. Es bietet Fürsorge und Schutz für Kinder und Heranwachsende, die von Aktionen bewaffneter Gruppen bedroht  werden. Wenn dieser Schutz vor Ort nicht möglich ist, ermöglicht es ihnen, sich in das im Sitz von Benposta in Bogotá weiterentwickelte Fürsorge- und Schutzsystem zu integrieren. Den Jungen und Mädchen werden in Benposta Handlungsalternativen aufgezeigt. Diese Erfahrungen können sie nach einer Rückkehr in die Heimatregion einbringen den Friedensprozess dort positiv zu beeinflussen. Allerdings überschreitet die Nachfrage nach Unterbringung in dem Netz die Kapazität Benpostas.

Die Kosten für die Unterbringung eines Kindes bzw. Jugendlichen in der Kinderrepublik Benposta/Bogotá belaufen sich auf rund 4.500 Euro im Jahr.

 

 

VIF VERANTWORTUNG - INTEGRATION - FREUNDSCHAFT

VIF Verantwortung-Integration-Freundschaft

Eva Flick (JUVE Verlag) und Arne Friedrich (Arne-Friedrich-Stiftung)

 

Integration und Chancengleichheit für benachteiligte Kinder

Im Sommer konnte die Arne-Friedrich-Stiftung (AFS) zusammen mit ihrem Kooperationspartner, der Bürgerstiftung Berlin, an der Grundschule am Birkenhain im Berlin-Spandau das Integrationsprojekt „Vertrauen-Integration-Freundschaft“ (VIF)  vorstellen. Das Projekt baut Brücken zwischen den Kindern der Regel- und Willkommensklassen und gibt ihnen Vertrauen in sich und in die Mitschüler. Im Fußball- und Motivationstraining haben die Kinder vor allem etwas über Gemeinschaft und Teamgeist gelernt. „Vor Kurzem konnten sich die Kinder kaum anschauen und jetzt klatschen sie sich ab und feiern gemeinsame Erfolge beim Elfmeterschießen“, fasste die stellvertretende Schulleiterin Janika Jarling zusammen. „Das ist natürlich nur der Beginn des Projektes und wir freuen uns über viele weitere tolle Erlebnisse.“

Viele Grundschulen, die Flüchtlingskinder in ihren Willkommensklassen aufgenommen haben, beschäftigen sich inzwischen mit dem Thema „Flucht und Vertreibung“. Verständnis für dieses Thema ist eine wichtige Grundlage für eine schnelle Integration der neuen Schüler. Deshalb unterstützt die Arne-Friedrich-Stiftung die Schulen mit passenden Projekten in den Bereichen Sprache, Sport, Technik, Werte/Normen, Kunst und Natur. Immer stehen Sprachförderung, soziales Lernen, Förderung von Teamgeist, Aufklärung zur Flucht und Fluchtursachen sowie Achtsamkeits- und Beziehungslernen im Fokus.

Kontakt und sozialer Austausch

Ziel ist es, Kindern von Geflüchteten und Kindern aus sozial benachteiligten oder bildungsfernen Schichten zu mehr Chancengleichheit zu verhelfen und ihre Integration zu fördern. Sie brauchen die richtigen Fähigkeiten und Kompetenzen, um ihre Bildungschancen zu verbessern. Der soziale Austausch der Kinder untereinander ist den Projektverantwortlichen dabei sehr wichtig.

Die Kinder der Regelklassen profitieren von dem Projekt ebenso wie die Kinder der Willkommensklassen. „Flüchtlinge haben Bock auf Schule“ sagt Natasha Salehi-Shanian, die das Projekt für die Bürgerstiftung leitet. Doch die deutschen Schüler seien teilweise schwerer zu motivieren. „Die Kinder kommen aus einem anregungsarmen Umfeld.“ Pessimismus und Lethargie seien die Folge. Diesen Schülern könne das Projekt auch etwas bieten: „Es lohnt sich, sich anzustrengen, weil es Spaß macht.“

Nachhaltig mit etablierten Projektpartnern

Die AFS möchte das VIF-Programm nachhaltig aufbauen – mit bestehenden Institutionen als Partner.Nicht nur die Flüchtlingskinder sollen integriert werden, auch deutsche Kinder. Das Programm soll deutsche Kinder und ihre Eltern dazu animieren, Verantwortung für Flüchtlingskinder und sozial benachteiligte Kinder zu übernehmen. Zudem sollen deutsche Kinder aufgeklärt werden: Was heißt es, wenn Menschen flüchten müssen und in ein Land kommen, in dem sie nicht von allen Menschen willkommen geheißen werden? Insbesondere die Anschläge auf Asyl- und Flüchtlingsheime in Deutschland zeigen, wie viel Aufklärungsarbeit nötig ist. VIF steht dabei für Augenhöhe: Alle Kinder sollen sich gleich behandelt fühlen, jeder lernt von jedem, um Schwellen- und Berührungsängste abzubauen.

Das VIF-Programm der Arne-Friedrich-Stiftung läuft derzeit an drei Schulen, was ca. 25.000 Euro im Jahr kostet. In dem Maße, wie es gelingt Spenden- und Sponsorengelder dafür aufzutreiben, kann und soll es auf weitere Schulen ausgeweitet werden.