azur Award 2010 Aus- und Fortbildung
Entscheidend für die Wahl ist die dynamische Entwicklung, die der Arbeitgeber im Vergleich zum Vorjahr bei der Förderung der Aus- und Fortbildung von Juristen gemacht hat. In dieser Kategorie hat die Redaktion besonders auf die folgenden Aspekte geschaut:
- Wie bildet der Arbeitgeber junge Juristen fachlich aus?
- Welche Angebote zum Erwerb wirtschaftlicher Expertise und Soft Skills bietet er?
- Beinhaltet sein Angebot auch internationale Aspekte?
Hengeler Mueller
Gerne und unermüdlich betonten Hengeler-Partner bislang, dass ihr Strategie auf einem simplen Prinzip beruht: „Sichere Dir den besten Nachwuchs, der Rest ergibt sich von selbst.“ Aber die Ansprüche der Mandanten haben sich geändert, ebenso die Erwartungen der Associates an einen modernen Arbeitgeber. Ausbildung bedeutet mehr als nur Zusammenarbeit mit sehr erfahrenen Partnern.
Industriespezialisierung, wirtschaftliche und soziale Kompetenz sind heute für Top-Anwälte unverzichtbar.
Dass ausgerechnet Hengeler und nicht eine große internationale Kanzlei eines der umfassendsten Ausbildungsprogramme der letzten Jahre entwickelt hat, um dieser Herausforderung zu begegnen, ist bemerkenswert. Die Bekanntgabe, ab März zusammen mit der Universität St. Gallen ein maßgeschneidertes Fortbildungsprogramm zu starten, hat die Hengeler-Konkurrenz erstaunt.
Zweifellos hat Hengeler mit diesem neuen Programm die Messlatte für die Associate-Ausbildung der Zukunft in Deutschland hoch gelegt. Dafür hat jeder einzelne Hengeler-Partner tiefer in die Tasche greifen müssen. Die Tatsache, dass sie das Programm kurz nach Beginn der Finanzkrise auf den Weg brachten, belegt die Bedeutung, die die Partner dem Thema Associateausbildung zukommen lassen.
Der wichtigste Unterschied zu Fortbildungsinitiativen anderer Kanzleien ist, dass Hengelers Intensivkurs in der Schweiz für alle Associates gedacht ist, ohne Ausnahme. Außerdem haben 40 Prozent der Inhalte nichts mit Recht zu tun, sondern mit wirtschaftlichen Themen und Soft Skills – eine Weichenstellung für die gesamte Kanzlei, denn die jüngeren Partner haben verstanden, dass sie die Ausbildung ihrer Associates breiter anlegen und enger an den Bedürfnissen ihrer Mandanten orientieren müssen. Das Zückerchen für die Associates: Belegen sie jeden der zweiwöchigen Kurse über fünf Jahre, halten sie ein Diplom in den Händen, das die halbe Miete auf dem Weg zum MBA der Universität St. Gallen ist. Wahlweise können sie mit dem Diplom auch einen MBA an anderen Business Schools von ihnen in Europa abschließen.
Der Erfolg des Programms wird davon abhängen, wie bereitwillig die Hengeler-Partner sich engagieren – aber die ersten Signale stimmen positiv. Eine große Zahl stellt sich als Dozenten zur Verfügung. Ihre Wettbewerber witzelten bereits, die Hengeler-Partner seien eben doch verhinderte Professoren. Sie gestehen aber auch ein, dass Hengeler durch den Vorstoß wieder einmal die Wettbewerber zum Handeln zwingt – auch weil das Programm nicht nur eine Ausbildungs-initiative ist, sondern für
Hengeler einer radikalen Strategieänderung gleichkommt: „Sichere Dir den besten Nachwuchs, aber überlass danach nichts mehr dem
Zufall.“