Anfang Juni seien bereits die Kanzleiräume durchsucht worden. Die Sprecherin der Hamburger Behörde, die Leitende Oberstaatsanwältin Marion Zippel, erklärte, es werde, wie auch gegen Falk, wegen Betrugs und Verstoßes gegen das Aktiengesetz ermittelt. Zur voraussichtlichen Dauer des Verfahrens machte sie keine näheren Angaben. Im Gegensatz zu Falk und anderen Mitbeschuldigten hat sich der Anwalt jedoch zu keinem Zeitpunkt in Haft befunden.
CMS-Managing Partner Cornelius Brandi stellte sich hinter den Partner: „Wir sehen dem weiteren Verlauf des Verfahrens sehr gelassen entgegen. Ein Anhaltspunkt für ein vorwerfbares Verhalten ist überhaupt nicht ersichtlich und auch von den Ermittlungsbehörden bislang in keiner Weise geäußert oder sonst wie erkennbar gemacht worden.“ Hamburger Anwälte anderer Kanzleien sprechen allerdings durchaus von einem Image-Risiko.
In Gang gekommen waren die Ermittlungen im April durch den Schweizer Anwalt Johann-Christoph Rudin. Er ist seit Ende 2002 im Verwaltungsrat der schweizerischen Distefora Holding, eine Falk-Firma und ehemals größter Anteilseigner der seit Sommer 2002 insolventen Ision Internet AG. Beim Verkauf der Ision-Anteile von Distefora an den britischen Energiekonzern Energis plc, bei dem der Partner Ision beraten hat, soll Betrug im Spiel gewesen sein. Der Vorwurf: Falk und die jetzt Mitbeschuldigten sollen durch Manipulation und Scheingeschäfte den Kurs vor dem Verkauf nach oben getrieben haben. Die Rede ist von fingierten Umsätzen in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe, der wahrscheinliche Schaden für die restlichen Ision-Aktionäre soll deutlich darüber liegen.
Der Beschluss zu den Manipulationen soll, so Presseberichte, im Jahr 2000 auf einem Treffen der Beschuldigten, darunter auch Falks Anwalt, gefallen sein. Es soll ein Protokoll dieses Treffens vorliegen. Neben Ision selbst haben inzwischen im Zuge des Verfahrens Distefora und die Bank Hornblower Fischer Insolvenz angemeldet (JUVE Rechtsmarkt 09/03).