Bank- und Finanzrecht / Kapitalmarktrecht

(Stand: 3. März 2017)

Worum geht’s?

Glossar

  • Restrukturierungsbedarf bei Banken hält an – auch nach dem Heta-Rückkaufangebot
  • Verfahren gewinnen in der Bankberatung an Gewicht
  • Fremdkapitalmarkt: Effiziente Berater sorgen für Preisdruck

 

Die Blüte des Vorjahrs ist vorbei. Die weitgehende Annahme des Heta-Rückkaufangebots leitete den Herbst dieser Causa ein. Das gilt jedoch nicht für den Restrukturierungsbedarf bei den Banken. An Gewicht gewonnen haben zudem streitige Verfahren, nicht zuletzt weil die Zinspolitik im Euroraum neue Fragen aufwirft.

Beteiligungen versilbern

Nach der Annahme des Rückkaufangebots im Oktober gehen die Aufräumarbeiten in Sachen Heta weiter: Der Schwerpunkt liegt nun darauf, werthaltige Geschäfte und Beteiligungen zu versilbern. Davon profitieren jene Berater, denen es gelingt, aus der Arbeit für Gläubiger oder Schuldner Mandate in Transaktionen zu entwickeln. Im Vorteil dürften dabei in den kommenden Monaten Kanzleien wie Wolf Theiss sein, die in den Märkten Südosteuropas stark verwurzelt sind.

Damit ist die Bankenwelt jedoch nicht in Ordnung. Der Volksbankensektor verringert weiter die Zahl seiner selbstständigen Institute und gibt einzelne wie die Start-Bausparkasse und die Immo-Bank komplett ab. Dabei spielt als Beraterin Binder Grösswang eine zentrale Rolle. Bei den unverändert zahlreichen Raiffeisenbanken liegt der Fokus derzeit auf der Fusion von RZB und RBI, also der Spitze des Sektors. Dass in dieser strukturell bedeutsamen Verschmelzung neben Schönherr die Kanzlei bpv Hügel mandatiert ist, belegt deren wachsendes Renommee im Bank- und Bankaufsichtsrecht. Bei Unicredit blieb Freshfields Bruckhaus Deringer am Ball und begleitete u.a. die Angliederung des Osteuropageschäfts an den italienischen Mutterkonzern.

Herausgefordert sind die Finanzinstitute zudem durch eine Reihe gerichtlicher Auseinandersetzungen. Im Salzburger Finanzskandal und in verschiedenen Swap-Verfahren stehen sie Gebietskörperschaften gegenüber, in anderen Prozessen privaten Anlegern oder Konsumentenschützern. Mit Dorda verschob eine der im Bank- und Finanzrecht angesehensten Kanzleien intern deutlich Personal in den Bereich, andere wie Fellner Wratzfeld & Partner bauen das streitige Geschäft ebenfalls aus.

Negative Zinsen: Wer zahlt?

Eine Grundsatzfrage zum Kreditvertragsrecht steckt in der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank mit längerfristig negativen Sätzen etwa beim Euribor: Haben Verbraucher und möglicherweise Unternehmen als Kreditnehmer einen Anspruch auf Zahlungen durch Banken? Eine richtungweisende gerichtliche Entscheidung zu diesem Thema steht aus. Als Beraterin der Finanzinstitute ist dabei u.a. Doralt Seist Czoklich tätig.

Durch das Umfeld niedriger Zinsen geraten die angestammten Geschäftsmodelle der Banken zunehmend unter Druck. Dazu tragen auch neue Vertriebswege im Internet oder Crowd-Funding-Plattformen bei. Diese zukunftsweisenden Themen verschaffen Teams mit weithin anerkanntem Know-how wie Brandl & Talos Neugeschäft, kleinen Praxen wie KWR Karasek Wietrzyk bieten sie teilweise einen Schlüssel zum Markt. In ihren Nischen erfolgreich sind derzeit auch Kanzleien wie Schindler, RPCK Rastegar Panchal und BLS Boller Langhammer Schubert. Letztere konnte in den vergangenen beiden Jahren ihr internationales Finanzierungsgeschäft deutlich ausweiten.

Immobiliensektor: Finanzierungsbedarf hoch

Im Bereich des Finanzrechts standen zuletzt Restrukturierungen weit oben auf der Agenda. Liegenschaftsprojekte bildeten einen weiteren Schwerpunkt in den Praxen. Das ist einerseits der Vielzahl an Immobilientransaktionen in den vergangenen Monaten geschuldet. Gleichzeitig schüttelten die Übernahmen von CA Immo durch Immofinanz und von Conwert durch Vonovia die Branche durch und entwickelten ihren eigenen Finanzierungsbedarf. Die Immofinanz beriet CHSH Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati bei der teilweisen Finanzierung ihrer Transaktion über 604 Millionen Euro. Beim Vonovia-Angebot für Conwert belief sich der Finanzierungsbedarf auf 1,28 Milliarden Euro, beteiligt waren auf Bankseite Wolf Theiss und Latham & Watkins (Frankfurt) sowie auf Unternehmensseite Freshfields.

Preisdruck im Fremdkapitalmarkt

Im Kapitalmarktrecht blieb das Geschäft mit Eigenkapitalmaßnahmen äußerst überschaubar. Zu den herausragenden Kapitalerhöhungen in Österreich gehörte Agrana mit einem Gesamterlös von 192 Millionen Euro. Dabei beriet Weber Rechtsanwälte zusammen mit Clifford Chance (Frankfurt) die Banken und untermauerte so ihre starke Stellung als Boutique im ECM-Markt. Ansonsten prägten eher Delistings das Bild, etwa als sich BDI Bioenergy International mithilfe von CMS Reich-Rohrwig Hainz vom Kurszettel der Frankfurter Börse verabschiedete.

Im aktiveren Segment der Fremdkapitalmaßnahmen nahmen Marktteilnehmer einen erheblichen Preisdruck wahr, den in ihren Augen zwei Kanzleien forcierten: Wolf Theiss und CMS. Allerdings legen Beobachter diese Tendenz ganz unterschiedlich aus: Handelt es sich um schwach ausgelastete Teams, die versuchen, wenigstens ihre die Kosten einzuspielen? Oder um einen Versuch, Marktanteile zu gewinnen? Zumindest dem Marktführer auf diesem Gebiet, Wolf Theiss, scheint es zu gelingen, sehr effizient zu arbeiten. Für Wettbewerber wird es daher voraussichtlich noch schwerer, in diesem Marktsegment zu bestehen.