Steuerrecht

(Stand: 16.01.2017)

Worum geht’s?

  • Gewinnkürzung und –verlagerung (BEPS) sowie neue Regeln zu Verrechnungspreisen sorgen für Beratungsbedarf
  • Die Zahl der Verfahren steigt weiter, zudem dauern sie häufig länger
  • Die Szene der Steuerkanzleien bleibt dagegen weitgehend stabil

Das weltweite politische und wirtschaftliche Klima macht auch vor dem österreichischen Steuerrecht nicht halt. Doch während BEPS, neue Regelungen zu Verrechnungspreisen, eine aktivere Finanz und deutlich mehr Verfahren für viel Arbeit sorgen, bleibt die Szene der Steueranwälte eigentümlich wenig dynamisch.

„Eine schöne neue Steuerwelt“, fasst ein Wiener Partner halb zynisch, halb freudig zusammen, was sich in den letzten Jahren in dem Bereich getan hat. Sei es der angekündigte Brexit, die Wahl Trumps zum neuen US-Präsidenten oder die Cum-Ex-Problematik in Deutschland – von keinem dieser Themen blieb und bleibt die Alpenrepublik unberührt.

Denn das politische und wirtschaftliche Klima ruft auch die Behörden in Österreich auf den Plan. Übereinstimmend berichten Praktiker, dass die österreichische Finanz ihre Ressourcen zuletzt aufgestockt habe und auch deutlich aggressiver auftrete. So würden Konflikte eher ausgefochten als früher und es gäbe viel mehr Verfahren, die zudem häufig auch länger dauerten. Insbesondere die Einrichtung des Bundesfinanzgerichts sorgte für mehr Arbeit bei Behörden und Anwälten gleichermaßen. Das erst vor wenigen Jahren geschaffene Gericht hat für einen Schub an Verfahren gesorgt.

Neue Regularien am Horizont

Aufgeschreckt durch ‚LuxLeaks‘ oder die vermeintlich beihilferechtswidrigen Steuersparmodelle von Apple in Irland oder Amazon in den Niederlanden wirft zudem das Base Erosion and Profit Shifting-Projekt (BEPS) der OECD seine Schatten voraus: Die Verrechnungspreisdokumentation ist unter Steuerrechtlern derzeit ein großes Thema, ebenso wie Fragen des Automatischen Informationsaustauschs und zu Doppelbesteuerungsabkommen. So gibt es beispielsweise neue (EU-)Regelungen mit der Schweiz, die ein Ende der Quellenbesteuerung vorsehen, allerdings auch neue abweichende Regelungen mit Liechtenstein, die u.a. für Stiftungen in Liechtenstein eine anonyme Abgeltung aufrechterhalten.

Einige Steuerthemen sind allerdings auch hausgemacht: So sorgte die neue Regelung zur Gewinnausschüttung ebenso für viel Arbeit wie die umstrittene Glücksspielabgabe in Österreich. Hier, aber auch zu Themen wie falsch abgeführte Versicherungsteuer ausländischer Versicherer in Österreich, häuften sich zuletzt die Selbstanzeigen, die die Anwälte in Atem hielten.

Starke Netzwerke als Trumpf

Mit Blick darauf, dass steuerrechtliche Themen mittlerweile häufig grenzüberschreitend sind, überrascht es nicht, dass diejenigen Kanzleien, die ein starkes internationales Netzwerk aufweisen können, ihre Marktposition behaupten konnten: Dies gilt insbesondere für Freshfields Bruckhaus Deringer und die international bestens vernetzte Kanzlei Binder Grösswang. Das attraktive Netzwerkgeschäft abzuschöpfen gelingt jedoch nur, wenn – wie bei Freshfields – starke Teams vor Ort tätig sind. Internationale Wettbewerber wie CMS Reich-Rohrwig Hainz, Taylor Wessing enwc oder Baker & McKenzie Diwok Hermann Petsche müssen demgegenüber noch aufholen.

Die wenigen Aufsehen erregenden Wechsel im Markt resultierten daher auch aus genau dieser Überlegung: Baker reagierte auf die personelle Schwäche in Wien mit dem Zugang von Prof. Dr. Christoph Urtz von Binder Grösswang. Taylor Wessing enwc versucht sich am Aufbau einer Steuerabteilung und holte Dr. Michaela Petritz-Klar von Schönherr.

Diese Personalie ist auch deshalb relevant, gilt sie doch vielen Marktteilnehmern als Beweis des erneuten Scheiterns Schönherrs beim Aufbau einer eigenständigen Steuerabteilung gilt. Doch während Wettbewerber daran zweifeln, dass es auf absehbare Zeit eine eigenständige Steuerpraxis geben wird, setzt Schönherr auf den Neuaufbau mit selbst ausgebildeten Talenten – eine langfristig angelegte Strategie, die zunächst die Rolle von KPMG und LeitnerLeitner als zentrale steuerliche Kooperationspartner von Schönherr eher stärken dürfte.

Große Wirtschaftstreuhänder dominieren

Die Dominanz der Big-Four-Wirtschaftstreuhandgesellschaften sowie LeitnerLeitner ist auch im allgemeinen Steuermarkt ungebrochen. Dahinter gut positioniert sind diejenigen Gesellschaften, die einen inhaltlichen Schwerpunkt oder ein starkes Auslandsnetzwerk bieten. Beides hat beispielsweise TPA vorzuweisen: Die mittelständisch orientierte WP- und Steuerberatergesellschaft ist am Markt besonders renommiert für ihre Beratung in der Immobilienbranche und hat jüngst eine enge Bindung nach Deutschland zu Baker Tilly Roelfs und darüber mit dem weltweiten Baker Tilly-Netzwerk festgezurrt. Aber auch BDO und LeitnerLeitner behaupteten ihre Marktpositionen (siehe Kasten Seite XX), wenngleich letztere zuletzt mit Turbulenzen in ihren zentral- und osteuropäischen Büros zu kämpfen hatte.