JUVE Kanzlei des Jahres

Informationstechnologie

Der Umgang mit Daten ist das beherrschende Thema

„Daten sind das neue Öl.“ So fasste ein IT-Anwalt die Relevanz des Themas zusammen, das sämtliche IT-Praxen im Kern beschäftigt. Denn die Entwicklungen im Datenschutz nehmen sowohl bei Boutiquen als auch bei transaktionsgetriebenen Großkanzleien immer mehr Raum ein. Der wichtigste Schritt zu einer Vereinheitlichung der europäischen Datenschutzgesetze dürfte die Datenschutzgrundverordnung sein, die Ende 2015 nach etlichen Jahren Diskussionen Wirklichkeit werden soll. Aufgrund der darin verankerten hohen Strafen sind Unternehmen zunehmend bereit, in den richtigen Umgang mit ihren Daten zu investieren. Das umfasst aber nicht nur deren Sicherheit, sondern auch die Frage, wie man mit Big Data wiederum Geld verdienen kann.

Um Daten und den transparenten Umgang damit geht es auch beim IT-Sicherheitsgesetz, das das Bundeskabinett Ende 2014 beschlossen hat und das alle Branchen der Grundversorgung betreffen soll. IT-Prozesse nehmen zwar für die meisten Kanzleien im Vergleich zum Datenschutz eine untergeordnete Rolle ein, allerdings gewinnen auch sie an Bedeutung. „Die Streitwerte sind hoch“, begründet ein IT-Anwalt diese Entwicklung. Auf gleichem Niveau wie im Vorjahr verharrte dagegen zuletzt das Geschäft mit Outsourcings.

IT-Praxen erfüllen in den Kanzleien unterschiedliche Funktionen

Der Markt hat sich diversifiziert: Zu den transaktionsgetriebene Großkanzleien, die auf IT-spezifisches Know-how gerade bei technologielastigen Käufen und Verkäufen keinesfalls verzichten können, gehören Freshfields Bruckhaus Deringer, Clifford Chance und Latham & Watkins. Sie berichten von einer Zunahme solcher Transaktionen, positionieren ihre IT-Praxen aber auf unterschiedliche Art im Kanzleigesamtgefüge: Freshfields splittete ihre IT-Praxis schon 2013 in Corporate beziehungsweise Litigation auf, die IT-Praxis von Latham & Watkins steht nach dem Rückzug Dr. Ulrich Wuermelings ohne IT-Partner da, während Clifford weiterhin auf eine eigene IT-Praxis setzt.

Eine zentralere und eigenständigere Rolle nehmen dagegen die IT-Praxen von solchen Kanzleien ein, die vor allem der Technologiebranchenbezug auszeichnet, wie Noerr, Baker & McKenzie, Bird & Bird, Osborne Clarke und Taylor Wessing. Sie profitieren neben ihrer teils jahrelangen Erfahrung im Datenschutz von ihrem branchenspezifischen Know-how bei Themen wie Big Data und E-Commerce. Die IT-Praxen von Taylor Wessing, DLA Piper und allen voran White & Case fielen zuletzt auch deswegen ins Auge, weil sie es besser als in der Vergangenheit geschafft haben, Synergien aus ihren internationalen Netzwerken zu schöpfen.

Boutiquen bieten Großkanzleien in speziellen Fragen die Stirn

Von der steigenden Prozessbereitschaft profitierten indes Einheiten wie Gleiss Lutz, Reed Smith oder auch TCI Rechtsanwälte. Letztere bieten ebenso wie SSW Schneider Schiffer Weihermüller und Vogel & Partner als spezialisierte Boutiquen den großen Einheiten in ihren Nischen erfolgreich die Stirn. Das gelingt mit einem ausgeprägten Know-how an den Schnittstellen. Für sehr spezielle Fragestellungen, die aber keine großen Teams in der Beratung erfordern, sind sie damit prädestiniert.

 


Die folgenden Bewertungen behandeln einerseits Kanzleien, die im klassischen EDV-Recht, bestehend aus Verträgen und Prozessen (Systemimplementierungen, Softwarelizenz- u. -entwicklungsverträge sowie Vertriebs-, Kartell- u. Wettbewerbsrecht) beraten, bei denen aber auch die Themen Datenschutz, IT-Sicherheit und Compliance und IT-Vergabe eine Rolle spielen.

Andererseits bildet das transaktionsgetriebene Geschäft, wozu Outsourcingdeals, die Auslagerung von einzelnen Geschäftsprozessen (sog. Business Process Outsourcing) sowie die Begleitung von Transaktionen zählen, einen zentralen Bereich des Kapitels. Die in klassisches (Verträge und Prozesse) und transaktionsgetriebenes Geschäft (inklusive Outsourcing) unterteilten Rankings verdeutlichen die Positionierung der jeweiligen Kanzleien.

Da im Zusammenhang mit den hier behandelten Themen regelmäßig Fragen des Marken- und Wettbewerbsrechts und Vertriebsrechts auftauchen, sollten auch diese Kapitel konsultiert werden. In Büros mit Schwerpunkt in der Medienbranche gehört die Beratung an der Schnittstelle zu Medien u. Telekommunikation, v.a. im Zshg. mit dem Internet u. dem Zusammenwachsen von Inhalten u. Technologie, zum Tagesgeschäft. Eine Übersicht zu Kanzleien, die mit fachübergreifenden Teams bei aktuellen Untersuchungen/internen Ermittlungen beraten und Unternehmen beim strukturellen Aufbau von Compliance begleiten, findet sich unter Compliance-Untersuchungen.

 

 


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