FLICK GOCKE SCHAUMBURG

Bewertung: In ihren klassischen Domänen, dem Konzernsteuerrecht u. der steuerrechtl. geprägten Beratung hochvermögender Privatpersonen und mittelständischer Unternehmen, steht FGS weiterhin exzellent dar. Das Niveau der Arbeit illustrieren Mandate wie die steuerstrukturierende Beratung zu den Aufspaltungen der Konzerne E.on u. Metro sowie von Vattenfall zum Verkauf des deutschen Braunkohlegeschäfts – komplexe Transaktionen, bei denen gesellschaftsrechtl. mit Hengeler, Linklaters u. Freshfields die marktführenden Kanzleien berieten. Im Steuerstrafrecht ist die Kanzlei breiter aufgestellt als die meisten Wettbewerber, auch bei den aktuellen Cum-Ex-Sachverhalten spielt sie eine zentrale Rolle an der Seite vieler Unternehmen u. Beteiligter.
Dieses Kerngeschäft muss für FGS nun die stabile Basis für die ambitionierten Pläne zur Weiterentwicklung bieten. Hier steht FGS vor nichts weniger als einem Paradigmenwechsel. Mit dem Beitritt zum internat. Taxand-Steuernetzwerk ging die Kanzlei den strategisch wahrscheinlich wichtigsten, aber auch herausforderndsten Schritt der jüngeren Kanzleigeschichte. Von Konkurrenten oft für ihre internationale Begrenzung kritisiert, hat FGS damit die Chance ergriffen, ihre herausragende Abdeckung im Segment der börsennot. Konzerne u. großen Familienunternehmen endlich auch verstärkt über die Grenzen hinweg auszuspielen. Kanzleichef Prof. Dr. Thomas Rödder u. ein rund 10-köpf. Team, in das bewusst auch jüngere Partner geholt wurden, hat in den ersten Monaten viel Zeit in die Vernetzung mit den anderen Taxand-Mitgliedern gesteckt. Am weitesten ist FGS dabei beim wichtigen Thema Verrechnungspreise. Das langsame Tempo der Veränderungen enttäuschte manche Beobachter, weil greifbare Erfolge im Sinne von schlagzeilenträchtigen gemeinsamen Mandaten bisher ausblieben.
Auch im Gesellschaftsrecht steht FGS vor einem Wendepunkt. Mit dem Wechsel von Prof. Dr. Stefan Simon in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank verliert die Kanzlei ihren zentralen Corporate-Partner. Er hatte der Kanzlei ein gesellschaftsrechtl. Profil verliehen, v.a. in der Corporate-Governance-Beratung. Die Unruhe um eine so prägende Persönlichkeit kommt auch deshalb zur Unzeit, weil er zugleich die treibende Kraft bei der fachl. Verbreiterung u. dem Aufbau auch anderer angrenzender Rechtsgebiete war. Auch hier wird sich die Praxis neu sortieren müssen. Ein Lichtblick in dieser Hinsicht ist aber der engagierte Aufbau in Berlin, wo sich ein junges Team hervorragend in der örtlichen Venture-Capital-Szene vernetzt hat u. mit tragfähigem Geschäft überzeugt.
JUVE Kanzlei des Jahres in: Osten.
Empfohlen für: ?Gesellsch.recht; ?M&A.
Siehe auch: ?Rheinland; ?Berlin.
Anwälte in Deutschland: 158 Rechtsanwälte (insges. über 270 Berufsträger, inkl. StB/WP)
Internat. Einbindung: Unabhängige multidisziplinäre Kanzlei, seit 2016 festes Mitglied der Steuerallianz Taxand sowie weiterhin mit formalisiertem steuerl. Netzwerk in Österreich/Osteuropa mit Leitner + Leitner. Im Gesellschaftsrecht u. anderen Gebieten bleibt es bei einem informellen Netzwerk von Korrespondenzkanzleien.
Entwicklung: Um die enormen Chancen der Zusammenarbeit im Taxand-Netzwerk zu nutzen, wird sich die FGS-Partnerschaft tief greifenden, wenn auch vielleicht schrittweisen Veränderungen stellen müssen. Das Ja zu Taxand beinhaltet auch, das bewährte individuell geprägte Partnermodell in ein stärker kooperatives Miteinander zu verwandeln. Hierbei ist die Kanzlei in ihrer gesamten Breite gefordert: Es gilt, das Geschäft auf höchstem Niveau zu erhalten, während eine Reihe geschäftsstarker Partner die Integration ins Netzwerk vorantreibt – u. daher sicherlich in Mandatsdingen kürzertreten muss. Traditionell lag es bei FGS an jedem Einzelnen, sein Geschäft auszubauen. Das machte die Kanzlei ohne eine strenge Koordination als Ganzes immer besser. Auch der Erfolg der Venture-Capital-Praxis in Berlin ist in gewisser Weise ein Paradebeispiel dafür, wie Partner oder Partnergruppen unter der Dachmarke FGS Geschäft aufbauen können. Jetzt stärker an einem Strang zu ziehen u. Geschäft gemeinsam zu entwickeln – u. zwar im Zusammenspiel mit den anderen Praxen von FGS u. von Taxand –, könnte Partnern unterschiedlicher Generationen u. solcher mit sehr unterschiedlichem Geschäft u. Umsatz schwerer fallen als anfangs vermutet.
Das Kanzleimanagement um Vordenker Prof. Dr. Thomas Rödder hat für die anstehenden Aufgaben mit einer enormen personellen Vergrößerung der Kanzlei gepaart mit einer deutlichen Verbreiterung der Partnerriege in den vergangenen Jahren eine Basis geschaffen, die nun zeigen muss, ob sie zum Sprungbrett taugt.
Anwaltsporträts in dieser Kanzleibesprechung:
Prof. Dr. Stefan SimonSimon GmbH
Zum Porträt