GSK STOCKMANN + KOLLEGEN

Nationaler Überblick Top 50
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Bewertung: GSK feilt nach den Umbrüchen des Vorjahres weiter an ihren Strukturen und erntet allmählich auch erste Früchte ihrer strategischen Bemühungen. Erstmals wagte die Kanzlei den Schritt ins Ausland: Mit 3 erfahrenen, ortsansässigen Anwälten eröffnete sie im Frühjahr in Luxemburg. Der Schritt ist strategisch sinnvoll, erweitert er doch die Möglichkeiten der anerkannten deutschen aufsichtsrechtl. Praxis u. im Fondsbereich.
Während sich Luxemburg erst noch bewähren muss, zahlt sich die stärkere Ausrichtung auf Praxisgruppen, die GSK vor einigen Jahren angestoßen hatte, allmählich aus. Sichtbar wird dies u.a. im Gewinn neuer Mandanten wie Blackstone oder der komplexen gesellschaftsrechtl. Beratung des Kfz-Zulieferers Delphi. Und ganz allmählich gelingt es auch, die Transaktionserfahrung abseits des Immobiliensektors, etwa im Gesundheitswesen, besser zu positionieren. Doch steht diese Entwicklung noch genauso am Anfang wie eine konsequentere Einbindung der erfahrenen Hamburger Litigation-Praxis durch andere Standorte u. Praxen. Die Hamburger, bekannt v.a. für ihre Arbeit im Bereich erneuerbarer Energien, machten z.B. in einem Vergabestreit, den sie für einen russischen Mandanten gewannen, auf sich aufmerksam. Die oft ausländische Mandantschaft der Prozessspezialisten bietet noch viel Potenzial für die anderen Praxen von GSK.
Noch sind viele Entwicklungsschritte zu klein, besonders um für das Frankfurter Büro weitere namhafte Verstärkung anzulocken, die der dortigen Praxis weiteren Schwung verleihen könnte. Doch hinterlässt die Entwicklung an anderer Stelle Spuren: Anfang 2016 ernannte GSK gleich 6 Partner.
Personell blieb die Sozietät von drastischen Umbrüchen wie im Vorjahr verschont. Neben dem Gewinn einiger Quereinsteiger prägte dennoch erneut der Weggang einiger Anwaltsgruppen das Bild. In Hamburg schrumpfte so das Immobilienteam, wobei jedoch die wesentlichen Köpfe blieben. In München wiederum verließ ein Team um den Partner Dr. Christian Waigel die Kanzlei. Wie auch sein Vater war er seit Jahren mit dem Münchner Standort, einst die Keimzelle von GSK, verbunden u. stand auch für regionale Kontakte. Geschäftlich dürften sich die Weggänge jedoch verschmerzen lassen.
Anwälte in Deutschland: 132
Internat. Einbindung: Unabhängige Kanzlei mit eigenem Büro in Luxemburg. Darüber hinaus gemeinsam mit Nabarro (GB), Nunziante Magrone (Italien), Roca Junyent (Spanien) u. Lefèvre Pelletier & Associés (F) das Netzwerk Broadlaw. Gemeinsames Büro mit Nabarro in Brüssel. Über die Partnerkanzleien Verbindungen nach Fernost u. Nordafrika sowie in die Türkei und nach Dubai.
Entwicklung: Ihre Zurückhaltung bei radikalen Entscheidungen sorgt dafür, dass sie nur ganz allmählich vorankommt. Das behutsame Vorgehen entspricht ihrer Kultur, birgt jedoch das Risiko, dass ambitionierte Partner u. Quereinsteiger, die sich von dem stringenteren Management mehr versprochen haben, die Geduld verlieren. Taylor Wessing etwa war es vor ein paar Jahren genauso ergangen.
Fortschritte im Bereich Gesellschaftsrecht u. M&A sollten für das Management Priorität genießen. Das könnte es erleichtern, das Potenzial des internat. Netzwerks besser zu erschließen u. zugleich das Gesellschaftsrecht als Scharnier zwischen den Fachbereichen zu etablieren. Mit ihrer bestehenden Mannschaft hat die Kanzlei im Ergebnis weniger von der aktuellen Marktsituation – geprägt von einer differenzierteren Mandatierung u. steigendem Kostenbewusstsein der Mandanten – profitiert, als zu erwarten gewesen wäre.
So bleibt GSK im Kern vorläufig das, was sie immer war: eine gute Adresse für immobiliennahe Beratung in all ihren Facetten, verbunden mit einer überzeugenden Marktposition im Bankaufsichtsrecht. Doch um die Schlagkraft ihres internat. Netzwerks besser unter Beweis zu stellen, müssen die Marken GSK u. Broadlaw sich in mehr Bereichen beweisen. Dabei erschwert es die jahrelang gepflegte, standortbetonte u. individualistische Prägung, vorhandene u. gute Anknüpfungspunkte etwa in der Compliance-Beratung oder in der Prozesspraxis konsequent weiterzuentwickeln. Um die selbst gesteckten Ziele zu erreichen, wird die Kanzlei das Tempo der Veränderungen vermutlich steigern müssen.