ASHURST

Nationaler Überblick Top 50
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Bewertung: Ashurst ist heute eine globale Kanzlei mit dominanter asiatisch-australischer Praxis u. einem Londoner Hauptstandort, der 2 Jahre nach der internat. Fusion noch seine Rolle finden muss. Schon im letzten Jahr zeichnete sich ab, dass die Kanzlei stärker die weltweit zentralen Mandanten identifizieren u. der Arbeit für diese gegenüber inländischen Mandanten den Vorrang geben will. Ashurst ist keineswegs die erste Kanzlei, die sich einer solchen Maxime verschreibt, deshalb trafen sie auch ähnliche Folgen wie schon andere vor ihr: Denn die Konzentration auf internationale Mandanten kommt nicht allen Partnern gelegen, v.a. jenen nicht, die zwar absolut profitable Praxen haben, aber vornehmlich im Inland aktiv sind. Entsprechende Wechsel in der Partnerriege folgten prompt. Der schwerste Schlag war der Verlust einer Gruppe von Immobilien- u. Finanzrechtlern, die in Frankfurt das erste kontinentaleuropäische Büro für die US-Kanzlei Goodwin Procter eröffnete. Dazu zählten Dr. Stephan Kock, einer von Ashursts führenden Finanzrechtspartnern, der frühere deutsche Managing-Partner Peter Junghänel (Immobilien) sowie 2 angesehene jüngere Partner aus den Bereichen Immobilien u. Corporate. Nach dem Wechsel des anderen bekannten Finanzrechtspartners, Dr. Tom Beckerhoff, zu Noerr, waren die Finanzrechts- sowie die Immobilienpraxis zwar nur noch recht dünn besetzt, konnten den internat. Kernmandantenstamm aber dennoch gut bedienen. Weitere Abgänge in der Steuerrechtspraxis (u.a. ein weiterer Partnerwechsel zu Goodwin) ließen im Markt rasch den Eindruck entstehen, die deutsche Ashurst-Praxis sei massiv angeschlagen, doch der M&A-Trackrecord spricht eine andere Sprache. Grenzüberschreitende Verweismandate spielten zuvor in der deutschen Praxis nie eine nennenswerte Rolle. Doch nun vermittelten die Deutschen nach London sowie nach Fernost (v.a. Singapur) vermehrt Arbeit, zudem traten einige Mandanten der asiatischen Praxis erstmals in Deutschland auf.
Zudem gewann die Kanzlei eine Riege durchweg junger, vielversprechender neuer Partner. Alexander Ballmann wechselte von CMS in die Corporate-Restrukturierungspraxis, die Bereiche Energie u. Private Equity wurden ebenfalls gestärkt. Signifikant war ferner der Wechsel eines angesehenen Bankaufsichtsrechtlers: Dr. Detmar Loff schloss sich, von Allen & Overy kommend, Ashurst als Partner an.
Siehe auch: ?Frankfurt; ?München.
Anwälte in Deutschland: 65
Internat. Einbindung: Standorte in ganz Westeuropa, Asien, Australien, Nahost sowie kleinere Büros in New York u. Washington D.C.
Entwicklung: Mit etwas Glück hat die Kanzlei nun den Tiefpunkt ihrer strategischen Neuausrichtung durchschritten, zumindest in Deutschland. Dass Ashurst mit Dr. Thomas Sacher letztes Jahr einen erfahrenen M&A-Experten für sich gewinnen konnte u. jetzt weitere jüngere Partner holte, die sich für die mit neuem Leben erfüllte internationale Plattform zu interessieren scheinen, ist vielversprechend. Motivierend dürfte für diese jüngeren Partner Ashursts Reform ihres Vergütungssystems sein, da die Kanzlei sich zur Lockerung ihres recht strengen Lockstep-Modells und die Einführung eines Bonuspools entschlossen hat.
Die wichtigsten Fragen können allerdings nicht in Deutschland beantwortet werden. Das Londoner Büro – nach mehrjähriger Talfahrt und in Erwartung des Brexits – ist die größte Herausforderung, der sich die Kanzlei gegenüber sieht. Ashurst verlor dort bereits in ihren früheren Schlüsselbereichen Corporate u. Private Equity an Boden, und die starken Verbindungen nach Asien werden wohl eher den kontinentaleurop. Büros zugutekommen. Ashurst wird zwar häufig als geeigneter Kandidat für eine US-Fusion angesehen, bisher ist aber noch nichts zustande gekommen. Die deutschen Büros brauchen trotz der für sich betrachtet positiven Entwicklung der letzten Jahre eine solide Plattform, von der aus sie weiter wachsen können. Deren Aufbau liegt allerdings außerhalb des Einflussbereichs der deutschen Partner.