Dentons

Bewertung: Die inzwischen größte Sozietät der Welt hat auch in Deutschland ihr Wachstum noch einmal beschleunigt. So eröffnete sie in München ihren dritten deutschen Standort. Im Sommer 2016 kam dort ein eingespieltes u. in der Region gut vernetztes Team von Norton Rose Fulbright um den bekannten Corporate-Anwalt Dr. Alexander von Bergwelt. Für Dentons ist das eine geografische ebenso wie fachliche Erweiterung, insbes. im Gesellschafts- u. Steuerrecht sowie im Kartell- u. IT-Recht.
Auch das vor zwei Jahren eröffnete Frankfurter Büro hatte Teil an der Expansion: So holte die Kanzlei u.a. Vergaberechtler Dr. Peter Braun von Orrick, der zeitgleich mit Dr. Wolfram Krohn in Berlin wechselte. Die beiden stärken nicht nur die Achse Berlin-Frankfurt, sondern sollen die bislang kleine Vergaberechtspraxis voranbringen. Bankaufsichtsrechtler Dr. Bernd Geier (von Allen & Overy) soll die Beratung des Bankensektors erweitern. Zudem holte man am Main Verstärkung im Arbeitsrecht sowie für die bisher wenig präsente IT/IP-Praxis. In Berlin kam darüber hinaus Verstärkung im Gesellschaftsrecht von Olswang u. von WilmerHale. Dass die Strategie, mit jungen Quereinsteigern zu wachsen, richtig ist, lässt sich auch an Zahlen ablesen: Schon die Zugänge aus dem Vorjahr hatten das Geschäft ordentlich angekurbelt. So hat sich neben etablierten Säulen wie der Restrukturierungs- u. Steuerberatung u. dem Immobiliengeschäft bspw. die Compliance-Beratung u. die Arbeit zu Regulierungsfragen, insbes. im Kartellrecht, sehr gut entwickelt. Hinzu kommt ein reges internationales Verweisgeschäft, nicht zuletzt bei Chinatransaktionen.
Besondere Stärken: ?Insolvenz/Restrukturierung.
Siehe auch: ?Berlin; ?Frankfurt; ?München.
Anwälte in Deutschland: 103
Internat. Einbindung: Integrierte Kanzlei in der Struktur eines Schweizer Vereins, die nach den jüngsten Fusionen mit McKenna Long & Aldrige u. Dacheng auf über 125 Standorte in über 50 Ländern kommen wird: neben Europa (v.a. stark in Zentraleuropa), den GUS-Staaten, den USA u. Kanada nun v.a. in China. Daneben Afrika, Naher Osten. Zuletzt Zusammenschluss mit der kolumbianischen Kanzlei Cárdenas & Cárdenas und der mexikanischen Kanzlei López Velarde.
Entwicklung: Bei Wettbewerbern löst das rasante Wachstum der Kanzlei auch Stirnrunzeln und die Frage aus, ob Dentons ein Wachstum um des Wachstums willen pflegt. Doch ein Blick auf die Mandate zeichnet ein anderes Bild: Die deutsche Praxis agiert im Markt flexibler als viele internationale Wettbewerber u. strebt eine gesunde Mischung zwischen stabilen Dauermandaten u. höherpreisigem Projektgeschäft an. Das macht sie zu einer der gefährlichsten Wettbewerberinnen sowohl für etablierte Mittelstandskanzleien, gegen die sie mit ihrem internat. Netzwerk antritt, als auch für internationale Großkanzleien, die sie im Preiskampf ausstechen kann. Dass Dentons immer mehr Dax-Unternehmen von sich überzeugt, sollte die Stirn der Wettbewerber viel eher in Falten legen. Doch die Eröffnung des 3. Standorts stellt die Kanzlei auch vor eine bislang nicht gekannte Integrationsaufgabe: Das neue Büro besteht zwar aus einer eingepielten Mannschaft, agiert aber ohne einen bestens in die Sozietät integrierten Ankerpartner. Auch in Frankfurt tat man sich trotz der engen Anbindung an das Mutterhaus in Berlin zu Beginn schwer mit dem Ausbau.