WEIL GOTSHAL & MANGES

Bewertung: Als eine Kanzlei, die mehr oder weniger ohne Brot-und-Butter-Geschäft auskommt, hat Prof. Dr. Gerhard Schmidt WGM in Deutschland positioniert – eine Kanzlei für hochkomplexe M&A- u. Private-Equity-Deals, gesellschaftsrechtliche Umstrukturierungen u. krisennahe Restrukturierungsmandate. Auch Prozessführung u. Steuerrecht mit Schnittstellen zum Transaktionsgeschäft sind seit Langem Bestandteil dieser Aufstellung. Flankiert wird der transaktionsbetonte Ansatz durch eine Kompromisslosigkeit, die seit Jahren eines der Alleinstellungsmerkmale der Kanzlei ist – sowohl bei den Honoraren als auch in der Interessenvertretung für ihre Mandanten. Mehr als einmal trat WGM auch als die Ablösung von Kanzleien auf, die nach Mandantensicht nicht konsequent genug auftraten.
In einer Zeit, in der viele Kanzleien ihre Positionierung grundlegend überdenken u. strategische Änderungen bei der Vergütung oder dem Zuschnitt von Ressorts machen, ist WGM damit fast schon ein Hort der Beständigkeit. Dass die internationale Partnerschaft einen Gewinn pro Partner von über $2,5 Mio ausweist u. noch höhere Gewinne anstrebt, macht den deutschen Partnern keine Angst – eine Profitabilität in dieser Größenordnung ist auch für Deutschland das erklärte Ziel, das dank der internat. Mandanten u. des gut funktionierenden Netzwerks durchaus realistisch sein dürfte. Zudem erlaubt es eine rigorose Mandatsauswahl der Kanzlei auch, immer wieder sehr große Teams auf die ausgewählten Transaktionen zu setzen – bis zu 20 Anwälte sorgten etwa bei dem Verkauf von Tipico an CVC für eine Rundumbetreuung der Verkäuferseite, die auch steuerrechtliche u. Finanzierungsfragen einschloss. Dass sie sich jedoch trotz der ambitionierten Gewinnerwartungen die nötige Flexibilität noch erhalten hat, zeigen auch immer wieder Mid-Cap-Deals.
Quereinsteiger in Private Equity, M&A u. Restrukturierung kamen sowohl in München (u.a. von Wirsing Hass Zoller) als auch in Frankfurt (u.a. von Ashurst). Der süddeutsche Standort gewinnt damit, trotz des Abgangs von Private-Equity-Partner Dr. Thomas Schmid (zu Orrick), allmählich an Gewicht.
Siehe auch: ?Frankfurt; ?München.
Anwälte in Deutschland: 59
Internat. Einbindung: Internat. Kanzlei mit hohem Integrationsgrad; sehr starke US-Praxis u. etablierte Büros in London, Paris sowie Budapest, Prag u. Warschau.
Entwicklung: Immer wieder zeigt sich, dass auch bei WGM die Praxen wie Prozessführung oder Steuerrecht mehr sein können als notwendige Ergänzung zur dominierenden Transaktionspraxis. Das zeigte zuletzt etwa ein für die Dekabank geführtes Grundsatzverfahren im Kontext der Cum-Ex-Deals. Darauf aufzubauen könnte für WGM gleich in mehrfacher Hinsicht vorteilhaft sein: Zum einen wäre es ein Schritt zu einem stärker austarierten Gleichgewicht in der momentan stark durch die Transaktionsanwälte dominierten Partnerschaft; zum anderen könnte es beim weiteren Wachstum helfen. Zwar kommt WGM durch den Einsatz von Paralegals mittlerweile in die Region von 70 juristischen Mitarbeitern, doch stetiges Personalwachstum sowohl auf Einsteigerniveau – die Festgehälter wurden zuletzt erhöht – als auch mit berufserfahrenen Anwälten ist ganz oben auf der Agenda. Dass die Arbeitsbelastung hoch u. die Partnerriege aufgrund der finanziellen Vorgaben wohl immer eher klein bleiben wird, schreckt wechselwillige Associates laut den Ergebnissen der azur-Bewerberumfrage wenig. Sie hadern, ebenso wie manch potenzielle Quereinsteiger, eher mit dem Ansehen der Kanzlei im deutschen Markt. Wenn der Spagat gelingen würde, die Leistungen der Kanzlei als kraftvolle Transaktionskanzlei mit einem etwas versöhnlicheren Image zu verbinden, könnte WGM anderen internat. Wettbewerbern stärker den Rang ablaufen.