JUVE Kanzlei des Jahres

Nachfolge/Vermögen/Stiftungen

Hickhack um die Erbschaftsteuer hält Sonderkonjunktur aufrecht

Alles hat einmal ein Ende – nur das Ringen um die Erbschaftsteuer nicht. Diesen Eindruck erweckte der Kampf um die vom Bundesverfassungsgericht (BVerfG) geforderte Reform bei Beratern wie Mandanten, bis es dann auch den Karlsruher Richtern zu bunt wurde, und sie schließlich eingriffen und den Fall wieder an sich zogen. Eine Frist bis zum 30. Juni 2016 hatten sie dem Gesetzgeber eingeräumt, um Neuregelungen zu schaffen bei den weitgehend für verfassungswidrig erklärten Steuerbefreiungen beim Vererben von Betrieben. Zwar verabschiedete der Bundestag das geplante Gesetz auf den letzten Drücker, doch der Bundesrat machte einen Strich durch die Rechnung und verwies den Entwurf zu Nachverhandlungen an den Vermittlungsausschuss von Bundestag und -rat.

Schon zuvor hatten sich die Kanzleien und ihre Mandanten eingehend damit befasst, ob in diesem Fall die alten Regelungen weitergelten, verbunden mit starken Einschränkungen zum Nachteil von Firmenerben – oder aber, ob die alten Regelungen nicht mehr anwendbar sind. Und so mutete 2016 für die Berater fast an wie eine Kopie von 2015 – nur angesichts des erwarteten Gesetzes mit mehr Torschlusspanik. Wie im Vorjahr boomten Übertragungen nach der alten Rechtslage. Viele Unternehmer übertrugen auf junge Familienmitglieder oder auf Stiftungen, um die Vorteile der alten Regelung noch voll zu nutzen.

Ähnlich sah es rund um die Novelle des Kulturgutschutzgesetzes (KGSG) aus, an der sich auch viele hitzige Diskussionen entzündeten. Kunstsammler sahen sich durch die Pläne ihrer Werte beraubt, wenn Kunst, die älter als 75 Jahre und mindestens €300.000 wert ist, einer Ausfuhrgenehmigung auch ins europäische Ausland bedarf. Doch seit dem 1. August ist das Gesetz wie geplant in Kraft.

Komplexität der Beratung fordert Kanzleien mehr Strukturen ab

Diese Unsicherheiten um die Gesetzesnovellen und der damit verbundene Nachfrageboom nach Beratung dürften dafür sorgen, dass künftig noch mehr (Groß-)Kanzleien das Feld der Nachfolge-, Vermögens- und Stiftungsberatung systematisch bespielen – umso mehr, weil das Vermögen von High Net Worth Individuals (HNI) und Ultra High Net Worth Individuals (UHNI) weiter wächst und damit rundherum Fragen sowie Möglichkeiten zur Verwaltung und Vermehrung des Geldes.

Zu den Vorreitern einer systematischen Herangehensweise gehörten in den vergangenen Jahren nach den Marktführern Flick Gocke Schaumburg und P+P Pöllath + Partners vor allem CMS Hasche Sigle und Gleiss Lutz, die ihrer Klientel über mehrere Praxisgruppen hinweg maßgeschneiderte Private-Client-Beratung anbieten. Zuletzt zog Rödl & Partner nach, die ihre Kompetenzen stärker bündelte, ebenso rückte Oppenhoff & Partner das Spezialgebiet stärker in den Fokus.

International versierte Kanzleien gefragt 

Dabei wird künftig auch noch mehr der Rat international versierter Kanzleien gefragt sein. Ein Grund dafür ist die wachsende Internationalisierung in der jüngeren Vermögendengeneration. Dabei wird die sogenannte Wegzugsberatung mehr und mehr zur Mobilitätsberatung, die Lösungen erfordert, die über den bisher steuerrechtlich getriebenen Ansatz hinausgehen. Eine Kanzlei, die ihre globalen Kontakte dabei zuletzt besser ausspielen konnte, ist DLA Piper, eine große Stärke ist dies schon seit Langem bei Freshfields Bruckhaus Deringer.


Aus der Nachfolgegestaltung in Familienunternehmen (einschl. Unternehmensverkäufen) entstehen oft substanzielle Privatvermögen, deren Eigner hier als High Net Worth Individuals (HNI) oder Ultra High Net Worth Individuals (UHNI, bei Vermögen ab €100 Mio) bezeichnet werden. Das Vermögen muss strukturiert, reinvestiert, gesichert u. weitergegeben werden, häufig mithilfe von Stiftungslösungen. Immer mehr Kanzleien beraten auch vermögende angestellte Privatpersonen im beruflichen Umfeld (etwa Manager, Sportler), was aber nur als Annexkompetenz Erwähnung findet. Zentral bleibt das ?Steuerrecht (inkl. Steuerforensik, betriebs- u. finanzwirtschaftl. Beratung), dazu kommen ?Gesellschaftsrecht u. Transaktionsarbeit ( ?M&A, ?Private Equity), Erb-, Familien- u. Kunstrecht, Stiftungsrecht u. Testamentsvollstreckung.

 


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