JUVE Kanzlei des Jahres

Vergaberecht

Novelle des Vergaberechts erhöht Beratungsbedarf deutlich

Es ist so weit: Das neue Vergaberecht ist in Kraft getreten. Formal ließ die Reform keinen Stein auf dem anderen, inhaltlich änderten sich allerdings vor allem Details. So wurden etwa die Kriterien für die interkommunale Zusammenarbeit, ein Thema, das v.a. im Abfallsektor von großer Relevanz ist, nun klarer geregelt. Eine wichtige Neuerung ist auch die Aufhebung des Vorrangs des offenen vor dem nicht offenen Vergabeverfahren. Dabei sind sich die Experten allerdings uneinig, wie die Änderung angenommen werden wird: Während einige im nicht offenen Verfahren große Chancen sehen, halten es andere für ein Randphänomen, das kaum Beachtung finden wird. Unterdessen ist die schrittweise Umsetzung der elektronischen Vergabe eine der größten Herausforderungen des neuen Vergaberechts, nicht nur in technischer Hinsicht.

Zu den strukturellen Änderungen des Vergaberechts lassen sich die Mandanten von ihren Stammberatern intensiv schulen. Aber auch die Vergaberechtler selbst treffen sich zurzeit häufig in Seminaren – die Mehrheit von ihnen erwirbt den im vergangenen Jahr eingeführten Fachanwaltstitel. Auch wenn manche dessen Einführung als überflüssig kritisieren, sehen ihn viele als eine gute Gelegenheit an, um die Vergaberechtsnovelle aufzuarbeiten und um gleichzeitig den von Auftraggebern bisher vereinzelt bereits sogar geforderten Nachweis zu erwerben.

Vergaberechtler kämpfen um ihren Platz in Großkanzleien

Das personell wichtigste Thema des Jahres war die Abspaltung des kompletten Vergaberechtsteams von Freshfields Bruckhaus Deringer, nachdem der im Markt äußerst renommierte Partner Dr. Hans-Joachim Prieß die Altersgrenze der Sozietät erreicht hatte. Doch trotz des bekannten Konzentrationskurses der Kanzlei auf ihre Kernbereiche kam der Spin-off Blomstein in seiner Konsequenz für viele überraschend. Daran wird jedenfalls deutlich, dass Vergabeteams in Großkanzleien unter hohem Renditedruck stehen und nur durch besondere Persönlichkeiten oder intensive Vernetzung mit anderen Praxisgruppen, wie das Konzept von Linklaters und Hogan Lovells zeigt, eine Chance haben.

Dass der Wind für diese Teams aber auch bei attraktiven Mandaten rauer wird, zeigt die Vergabe des Beratungsauftrags des Bundesverkehrsministeriums zur Lkw-Maut im Frühjahr 2016. Dieses großvolumige und prestigeträchtige Beratungsmandat konnte weder eine Großkanzlei noch eine spezialisierte Boutique für sich gewinnen, stattdessen machte PricewaterhouseCoopers Legal das Rennen. Wettbewerber geben offen zu, dass dies ein gutes Beispiel dafür ist, dass zumindest einer der Rechtsberatungsarme der Big Four nicht mehr v.a. über den Preis in Mandate der öffentlichen Hand drängt, sondern auch ein gehobenes Qualitätsniveau erreicht hat. Kanzleien eines ähnlichen Zuschnitts wie KPMG Law werden versuchen, diesem Beispiel zu folgen.

Bundeswehr verändert Beraterauswahl

Bewegungen in der Mandatierungspraxis der öffentlichen Hand sind zurzeit bei Vergaben der Bundeswehr zu beobachten. Seit an der Spitze des Bundesverteidigungsministeriums ein frischer Wind weht, werden hier auch die Beraterlisten neu gemischt. Aufgrund der großen Volumina der Verteidigungsprojekte ist dieser Auftraggeber für die Kanzleien ein besonders attraktiver Mandant – aber auch ein anspruchsvoller, der von seinen Beratern innovative Konzepte fordert, mit denen er künftig teure Fehlinvestitionen vermeidet.


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die in vergaberechtlichen Fragen für Auftraggeber und/oder Bieter tätig werden. Viele Anwälte kommen aus dem Bausektor, wo traditionell bei Aufträgen für die öffentliche Hand das Vergaberecht eine wichtige Rolle spielt. Andere entwickeln ihre Expertise aus einer Spezialisierung im Öffentlichen Recht oder in bestimmten regulierten Branchen, v.a. dem Wasser-/Abfallsektor. Es empfiehlt sich daher, auch die Kapitel ?Immobilien- und ?Baurecht, ?Umwelt- und Planungsrecht sowie ?Regulierte Industrien zu konsultieren.

 


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