JUVE Kanzlei des Jahres

Private Equity und Venture Capital

Schwierigerer Markt für Private-Equity-Investoren, viele reagieren mit mehr Spezialisierung

Die gute Konjunkturlage und volle Kassen bei strategischen Investoren machen den Private-Equity-Häusern das Leben schwer. Geeignete Anlageobjekte erzielen enorme Preise, doch unverändert hohe Renditeerwartungen bei Private-Equity-Gesellschaften führten dazu, dass sie bei Bieterverfahren häufig das Nachsehen hatten. Viele Large-Cap-Häuser investieren darum häufiger auch im mittleren Marktsegment und heizen den Wettbewerb mit den Mid-Cap-Fonds an. Zudem rufen immer mehr große Namen aus der Private-Equity-Branche eigene Infrastruktur- oder Wachstumsfonds ins Leben, wodurch diese Märkte für die dort etablierten Finanzinvestoren schwieriger werden.

Mehr inhaltliche Bandbreite gefragt

Die Konkurrenz um Anlageobjekte lässt Investoren immer mehr nach geeigneten Nischen und Spezialisierungen suchen. Die Konsequenzen daraus treffen auch die Private-Equity-Anwälte. Die Kanzleien, die über starke institutionelle Beziehungen zu den Großen der Branche – KKR, Blackstone, EQT, Permira – verfügen, müssen ihre inhaltliche Bandbreite darum ausbauen. Auch die Sozietäten, die ausschließlich Mid-Cap-Fonds beraten, passten sich an die zunehmende Fokussierung ihrer Mandanten auf z.B. Restrukturierung, Nachfolge oder spezielle Branchen an und bauten schnell weitere Spezialexpertise auf.

Ähnliche Umwälzungen sind im Venture-Capital-Markt nicht auszumachen. Berlin ist weiterhin Dreh- und Angelpunkt der Aktivitäten, die dort beheimateten IT-Start-ups haben den eher in München angesiedelten Technologie- und Biotechsektor inzwischen sogar überholt. Mit zunehmendem Interesse von Investoren aus den USA und anderen Ländern wie etwa Israel erweisen sich für Kanzleien gute Verbindungen zu den dortigen Büros oder Best-Friend-Kanzleien als Vorteil. Außerdem sind immer mehr Unternehmen mit eigenen Venture-Capital-Fonds (sog. Corporate-Venture-Capital) aktiv. Deren Beratung kann für Kanzleien teils als Türöffner für größere Mandate dieser Unternehmen dienen.

US-Kanzleien stocken auf

Die Kräfteverlagerungen im Private-Equity-Markt spiegeln sich auch bei den Beratern. Dabei spielten sich die wichtigsten Partnerwechsel im Umfeld von US-Kanzleien ab: Latham & Watkins verblüffte viele Beobachter, als sie mit Dr. Rainer Traugott einen renommierten Linklaters-Partner verpflichten konnte. Doch zugleich verlor L&W nach einem prominenten Abgang im Vorjahr erneut einen ihrer bekanntesten Transaktionsanwälte, dieses Mal an Gibson Dunn & Crutcher.

Auch bei Freshfields Bruckhaus Deringer ist eine Umgestaltung der Private-Equity-Praxis zu erkennen: Der Verlust des Düsseldorfer Partners Dr. Anselm Raddatz an Clifford Chance führte indirekt zu dem Entschluss, die Private-Equity-Partner standortbezogen stärker zu bündeln und die Spezialisierung zu verstärken. Mit Dr. Ludwig Leyendecker und Dr. Kai Hasselbach wechselten zwei angesehene Partner nach München, wo die Kanzlei nun endlich über eine Private-Equity-Präsenz verfügt, die der von Hengeler Mueller, Milbank Tweed Hadley & McCloy und jetzt auch Kirkland & Ellis gleichkommt.


Private Equity umfasst alle Arten von Aktivitäten im Bereich Venture Capital oder Risikokapital, sei es die Beratung von Private-Equity-Gesellschaften oder Kapitalbeteiligungsgesellschaften zur Beratung bei großvolumigen (Large-Cap-) oder mittelgroßen (Mid-Cap-)Transaktionen. Kanzleien beraten entweder das Private-Equity-Haus, das zu kaufende Unternehmen oder seine Aktionäre und sind M&A-Deals ähnlich. Aufgrund der stärkeren Marktsegmentierung finden sich nun zwei unterschiedliche Rankings jeweils zu Mid- und Large-Cap-Transaktionen.

Als Venture Capital (Venture Capital) bezeichnet man i.d.R. die frühe Investition zu Beginn einer Unternehmensentwicklung (Start-up- oder Seed-Kapital). Private Equity (Private Equity) hingegen bezieht sich auf größere Deals, einschließlich solcher mit einem großen Anteil an Fremdfinanzierung (Leveraged Buy-out oder LBO).

 


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