JUVE Kanzlei des Jahres

Gesundheitswesen

Durch Digital Health verschwimmen Branchengrenzen

Das neue Antikorruptionsgesetz hat im letzten Jahr für viel Aufregung in der Branche und entsprechend hohen Beratungsbedarf gesorgt: Nach zähem Ringen hat der Bundestag Mitte April das Gesetz zur Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen verabschiedet. Die Bestechung von niedergelassenen Ärzten steht jetzt unter Strafe, und so hat das neue Gesetz zu einer stärkeren Sensibilisierung der Pharmaunternehmen bei der Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten geführt.

Das Schnittstellenthema ,Digital Health‘ ist längst in aller Munde. Gerade bei der Anwendung von Medizinprodukten – aber auch von Arzneimitteln – kommen zunehmend digitale Technologien zum Einsatz: ob Einsatz von elektronischen Mitteln bei klinischen Prüfungen, Fernbehandlung, elektronische Patientenakte, Datentransfer oder Patienten-Apps. Neben der Pharma- und Medizinprodukteindustrie zählen mittlerweile auch Unternehmen aus der Elektronikindustrie oder dem Social-Media-Umfeld zu begehrten Mandanten im Gesundheitsrecht. Die Spielwiese für spezialisierte Anwälte wird größer.

Branche konsolidiert sich

Zudem hielten große Transaktionen die Branche in Atem. Nicht nur bei Krankenhäusern und Pflegeheimen gab es viel Bewegung, sondern auch in der Pharmaindustrie: Boehringer Ingelheim verkaufte seine OTC-Sparte mit nicht rezeptpflichtigen Arzneimitteln an Sanofi und übernahm deren Veterinärsparte Merial. Im Nachgang der Übernahme des Biosimilarherstellers Hospira durch Pfizer gingen die Rechte an Entwicklung und Vertrieb des sogenannten Infliximab-Biosimilars in Europa an Sandoz. Die rege Transaktionstätigkeit von strategischen, aber auch Finanzinvestoren befeuert die Internationalisierung und Konsolidierung der Gesundheitsbranche.

Beraterlandschaft wird vielfältiger

Das immer internationalere und aktuell transaktionsgetriebene Geschäft spielt Praxen aus Großkanzleien in die Hände: So punkten etwa Baker & McKenzie, Clifford Chance und Freshfields Bruckhaus Deringer, aber auch Latham & Watkins bei grenzüberschreitenden Transaktionen oder Projekten mit tiefer Branchenexpertise, gepaart mit M&A-Erfahrung. Aufgrund der Komplexität insbesondere bei Asset-Deals wird die Rolle von Anwälten mit regulatorischem Know-how immer wichtiger. Beim Trendthema Digitales hat sich Hogan Lovells besonders gut positioniert.

Neben Großkanzleien behaupten aber auch spezialisierte Boutiquen ihren Platz im Markt. So machen Dierks + Bohle, Möhrle Happ Luther und Sträter etwa die Beratung zum AMNOG und Preisverhandlungen mit dem G-BA inzwischen nahezu unter sich aus. Sie sind auch für künftig stärkeren Beratungsbedarf durch die sich am Horizont abzeichnende frühe Nutzenbewertung von Medizinprodukten gut aufgestellt. Zudem beweisen junge Praxen wie Meisterernst besonderes Geschick, sich über den hohen Beratungsbedarf zum Antikorruptionsgesetz und zu Compliance-Themen im Markt zu positionieren. Mit Novacos Heil Hübner Natz Oeben Stallberg ist überdies eine neue Boutique entstanden, die mit einer Mischung aus Kernregulierungsexpertise und Corporate-Erfahrung angreifen will.


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die im deutschen Gesundheitswesen beraten. Durch die massive Veränderung dieses Gebiets stellt sich eine Herausforderung an alle Akteure dieser Branche: In die Beratungstätigkeit spielen immer mehr Rechtsgebiete hinein. Die Rechtsberatung von Arzneimittel- und Medizinprodukteherstellern – und damit regulatorische sowie sozial- und wettbewerbsrechtliche Fragen – stehen allerdings nach wie vor im Fokus und bilden üblicherweise einen wichtigen Teil des Renommees der in diesem Segment tätigen Kanzleien. Auch die Expertise im ?Patent-, ?Kartell- und ?Vergaberecht spielt immer wieder eine entscheidende Rolle. Daneben lohnt sich ein Blick in die Kapitel ?Informationstechnologie, ?Konfliktlösung (Produkthaftung), ?Vertriebs-, ?Marken- und Wettbewerbs- sowie ?Lebensmittelrecht. Einen tieferen Einblick in die Beratungsvielfalt bieten das transaktionsbezogene Kanzleiranking und eine Auswahl an weiteren Beratern mit Spezialisierung in Gebieten wie dem Krankenhaus- oder Apothekenrecht am Ende des Kapitels ( ?Gesundheitswesen Branchenberater).

 


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