JUVE Kanzlei des Jahres

Steuerrecht

Interne Ermittlungen treiben Geschäft der Großkanzleien

Das Thema Steuern als zentrales Element guter Unternehmensführung wird Jahr für Jahr wichtiger. Zuletzt dominierten zwei Themen die Beratungsinhalte: interne Untersuchungen und das sog. BEPS-Projekt.

So hat sich die Vertretung bei der Aufarbeitung steuerlich grenzwertiger Sachverhalte bei einigen Kanzleien zum Hauptumsatzbringer entwickelt. Fälle wie die DFB-Affäre um die Vergabe der Fußball-WM 2006, die ADAC-Strukturen, die Aufbereitung der Cum-Ex-Vergangenheit der Maple Bank oder Untersuchungen zur Mitwirkung am Umsatzsteuerbetrug bei der Deutschen Bank sind nur die Spitze des Eisbergs – die meisten Untersuchungen kommen wohl nie an die Öffentlichkeit.

Mandate zu grenzüberschreitendem Steuermissbrauch noch rar

Dagegen sind die Herausforderungen, die die mittlerweile auch in Deutschland und der EU verabschiedeten Maßnahmen zur Bekämpfung grenzüberschreitenden Steuermissbrauchs durch Konzerne (BEPS) mit sich bringen, bislang eher Theorie – große Beratungsprojekte, die zu einem relevanten Honorarvolumen führen, sind noch Mangelware. Doch das wird sich ändern, insbes. des Steuerreportings in Unternehmen. Auch Streitereien zwischen einzelnen Ländern über die korrekte Höhe der Besteuerung international aufgestellter Konzerne werden aufkommen. Folge: Die Kompetenz, internationale Schiedsverfahren zu führen – im Steuerrecht bislang eine kaum relevante Materie –, wird künftig zu einer Schlüsseldisziplin werden.

Ausbau und Umbau allerorten

Entsprechend vorbereitet sind internationale Top-Kanzleien wie Freshfields Bruckhaus Deringer und Linklaters, die auch das Segment der internen Untersuchungen dominieren. Aber auch Marktführerin Flick Gocke Schaumburg scheint mit dem Beitritt zum internationalen Taxand-Netzwerk gerade noch rechtzeitig die richtigen Weichen gestellt zu haben. Allerdings erfordert die Integration in das Netzwerk von der Kanzlei derzeit Managementanstrengungen, die FGS in diesem Ausmaß noch nicht erlebt hat.

Für andere Kanzleien steht dagegen eher der Generationswechsel im Mittelpunkt, den diese erstmals seit dem Aufbau ihrer steuerlichen Präsenz in Deutschland zu bewerkstelligen haben. So bediente sich Allen & Overy 2015 und 2016 jeweils bei der Big-Four-Konkurrenz, um das Ausscheiden Eugen Bogenschütz’ aus der Partnerschaft abzufedern. Baker & McKenzie agierte nach demselben Muster und holte für Christian Brodersens einen jüngeren Partner von KPMG. Die traditionelle Offenheit gegenüber Steuerberatern aus der Big-Four-Welt in beiden Kanzleien stellen sie so erneut unter Beweis – ein Experiment, dessen Erfolg allerdings noch nicht absehbar ist.

In puncto Umsatz unmittelbar unter den Big Four findet sich die auf den international agierenden deutschen Mittelstand fokussierte MDP Rödl & Partner. Doch seit einiger Zeit deutete sich an, dass Rödl ihre traditionellen Grenzen sprengt. Mit der Übernahme der Umsatzsteuerberatung in einigen Dax-Konzernen rückt sie etwas näher an die Big Four heran – auch wenn es Rödl bislang weder vom Renommee mit diesen oder der expandierenden Spezialkanzlei Küffner Maunz Langer Zugmaier aufnehmen kann.


Steuerliche Beratung erfolgt meist an der Schnittstelle zu anderen Fachgebieten. Zu spezieller Expertise siehe daher auch ?Bank- u. Finanzrecht, ?Gesellschaftsrecht, ?M&A, ?Nachfolge/Vermögen/Stiftungen, ?Private Equity, ?Immobilienrecht. Kanzleien mit Schwerpunkt im Steuerstrafrecht werden erwähnt, sind aber auch im anschließenden Unterkapitel ?Steuerstrafrecht gelistet. Eine Übersicht zu Kanzleien, die mit fachübergreifenden Teams bei aktuellen Untersuchungen/internen Ermittlungen beraten und Unternehmen beim strukturellen Aufbau von Compliance begleiten, findet sich unter ?Compliance-Untersuchungen.

 


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