Steuerstrafrecht

Behörden rüsten personell auf

Besser könnte es weiter kaum laufen für die Steuerstrafrechtler. Zwar ist die Selbstanzeigewelle nun vorüber, doch sorgen die Nachwehen, sprich Nacherklärungen oder daraus resultierende Verfahren, teils immer noch für gutes Geschäft. Weit bedeutender und nachhaltiger ist indes die Tatsache, dass die Behörden eine erheblich verschärfte Gangart an den Tag legen und personell aufrüsten. Unternehmen sind damit viel häufiger und früher mit strafrechtlichen Ermittlungen konfrontiert, vor allem Unklarheiten aus Betriebsprüfungen befeuern das Geschäft der Kanzleien. Dabei nehmen Ermittlungen und Verfahren rund um Sozialabgaben ebenso zu wie zollrechtliche Auseinandersetzungen.

Den Kampf angesagt haben die Behörden insbesondere den früheren Cum-Ex-Geschäften, auch beflügelt durch die jüngste Rechtsprechung etwa des Hessischen Finanzgerichts. Die Aufarbeitung der Deals schafft für die Steuerstrafrechtler eine Sonderkonjunktur, die noch etwas länger anhalten dürfte: Die Aufforderung der BaFin an tausende Finanzinstitute, Rechenschaft über etwaige Cum-Ex-Deals abzulegen, bringt auch die Anwälte ins Spiel.

Der enorme Bedarf an steuerstrafrechtlicher Kompetenz zeigt sich daran, dass bei Weitem nicht mehr nur führende Adressen wie Leisner Steckel Engler, die etwa mit der Aufarbeitung der DFB-Sommermärchen-Affäre befasst ist, mandatiert werden. Auch Kanzleien wie Wessing & Partner, Roxin und Tsambikakis & Partner schneiden sich immer größere Stücke vom Kuchen ab. Letztere eröffnet nun sogar in Frankfurt. Im Fokus: die steuerstrafrechtliche Begleitung der Finanzbranche. In Anbetracht solcher Offensiven dürfte der weitere Abgang bei PricewaterhouseCoopers Legal die Kanzlei wenig erfreuen.