JUVE Kanzlei des Jahres

Versicherungsvertragsrecht: Prozessvertretung und Beratung

Risiko als Geschäftsmodell

Deutschland gilt derzeit als sehr lukrativer Versicherungsmarkt. „Im Ausland sieht man es so, dass es aufgrund der guten Wirtschaftslage auch viel zu versichern gibt“, sagt ein Branchenspezialist. Ein Produkt, das zuletzt starke Zuwächse erlebte, ist etwa die Warranty & Indemnity-Versicherung (W&I), mit der Risiken im Zusammenhang mit Transaktionen abgemildert werden. Als Blaupause gilt ein Fall, bei dem sich der japanische Käufer des Armaturenherstellers Grohe und der W&I-Versicherer gegenüberstehen. In zahlreichen Fällen kommen im Zuge der Aufklärung der Managerverantwortung bei Kartellverstößen, Korruption oder Compliance-Sachverhalten nach Klärung der Haftungsfragen die verbreiteten D&O-Policen bei den Deckungsfragen ins Spiel.

Ein Urteil, das die Branche in dieser Hinsicht beschäftigte, sprach der Bundesgerichtshof Anfang 2016: Unternehmen dürfen sich Ansprüche aus einer Versicherung von Managern abtreten lassen und auf diese Weise dann unmittelbar aus einer D&O-Police gegen den Versicherer vorgehen. Abseits der Fragen um aktuelle Produkte schrauben die Versicherer weiter intensiv an den Kosten für das Handling von Schadensfällen, gerade bei den Massenprodukten. Hier sind ebenso wie im Versicherungsvertrieb IT- und Onlinethemen für viele eine dauernde Herausforderung.

Clyde, Ince und Fiedler – neue Akteure treten auf den Markt

Gleich zwei internationale Spezialkanzleien kamen im Herbst 2016 in den deutschen Versicherungsmarkt: Clyde & Co sowie Ince & Co. Letztere steigt damit neben ihrem Hamburger Seerechtsstandort in Köln ins Versicherungssegment ein. Beide starteten mit Teams von angesehenen Wettbewerbern wie Noerr, BLD Bach Langheid Dallmayr und CMS Hasche Sigle. Dies gab der gerade im D&O-Bereich aktuellen Diskussion neue Nahrung, inwieweit sich ein Auftreten für Versicherer mit der Beratung von Unternehmen verträgt.

Für die strategische Aufstellung geht es darum, ob die Versicherungsteams in Full-Service-Kanzleien zusehends unter Druck geraten, nämlich dann, wenn im Rahmen des streitgeprägten Klimas die unterschiedlichen Positionen der Akteure – Organmitglieder, Unternehmen oder eben der Versicherer – mögliche Interessenkonflikte verschärfen. Im Gesellschaftsrechtsmarkt hat dies bereits dazu geführt, dass kleinere Kanzleien vermehrt gebraucht werden. Die beiden neuen internationalen Akteure ebenso wie die neue Einheit, die sich als Fiedler Cryns-Moll Jüngel von Friedrich Graf von Westphalen & Partner abspaltete, könnten ebenfalls in diese Richtung deuten.

Mehr Konkurrenzdruck bei lukrativen Prozessen

Von einigen etablierten Versicherungspraxen wird die Ankunft der neuen Akteure unter einem anderen Aspekt argwöhnisch gesehen, denn für so manche Kanzlei beruht das Geschäftsmodell auf dem richtigen Mix aus der Bearbeitung von regional oder nach Sparten definierten Prozesskontingenten auf der einen und komplexeren und höherpreisigen Prozessen auf der anderen Seite. Die Sorge besteht, dass mit Ankunft der neuen Akteure Letztere noch härter umkämpft werden.


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die über Expertise im Versicherungsvertragsrecht verfügen. Einige Großkanzleien haben Litigation-Praxen eingerichtet, die in Haftungs- u. Regressfällen beziehungsweise Schiedsverfahren auch für Versicherer tätig werden. Besprechungen solcher Kanzleien finden Sie teils auch im Kapitel ?Handel und Haftung.

 


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