JUVE Kanzlei des Jahres

Vertriebssysteme

Der Abgasskandal erschüttert die Automobilbranche

Während sich die Automobilbranche im vergangenen Jahr noch euphorisch mit dem Thema „Connected Car“ beschäftigte, wurde sie im Herbst 2015 vom VW-Abgasskandal auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die Untersuchungskommission des Bundeswirtschaftsministeriums und des Kraftfahrtbundesamts stellte sämtliche Hersteller auf den Prüfstand und deckte dabei Unregelmäßigkeiten auf. Rückrufaktionen folgten, Vertriebsrechtler haben alle Hände voll zu tun.

Doch auch Unternehmen anderer Sektoren nehmen das Ereignis zum Anlass, ihr Geschäft sowie ihre Verträge entlang der Lieferkette auf Compliance-Festigkeit zu überprüfen. Dabei überschreiten die Lieferketten nicht selten mehrere Ländergrenzen, sodass viele Unternehmen zugleich eine Vereinheitlichung und Vereinfachung der Vertragssysteme auch international in Angriff nehmen. Das weiterhin schwierige Handelsverhältnis mit Russland beziehungsweise auf der anderen Seite das wachsende Interesse an Handelsbeziehungen mit dem Iran tragen dazu bei, dass zugleich das Außenhandelsrecht an Bedeutung gewinnt.

Rechte des Internethandels im Fokus

Unverändert intensiv wurde zuletzt auch wieder um die Rolle und die Rechte des Internethandels gerungen. Signalwirkung hatte hier die Entscheidung des Bundeskartellamts zum Selektivvertriebssystem von Asics. Denn die Behörde kritisierte deutlich das Plattformverbot des Herstellers – also das Verbot, Asics-Produkte auf Portalen wie Ebay und Amazon zu verkaufen. Mehr Klarheit zum Thema könnte der EuGH liefern, dem nun Fragen zum Selektivvertrieb vorgelegt worden sind.

Kanzleien zwischen Tradition und Revolution

Bei den Vertriebsrechtskanzleien gibt es eine alte und eine neue Welt. Während einige Marktteilnehmer an ihren Traditionen und alten Strukturen festhalten, lassen sich andere auf die neuen Themen des Markts ein. Noerr etwa erschließt im Rahmen des wachsenden Onlinehandels den Bereich Supply Chain Finance neu. Vielfach spielt das Vertriebskartellrecht eine immer größere Rolle. Kein Wunder also, dass Kanzleien wie Gleiss Lutz, die ihren Fokus auf dieses Beratungsfeld legen, im Aufwind sind – sie steht in der nächsten Instanz an der Seite von Asics –, und sich Eversheds zuletzt mit einem Kartellrechtler verstärkte.

Von der allgemeinen Verunsicherung, die der VW-Skandal auslöste, profitieren die Kanzleien, die traditionell stark im Kfz-Bereich aufgestellt sind. Im Umfeld des wachsenden Compliance-Bewusstseins zahlte es sich für Hogan Lovells aus, dass sie schon seit Jahren auf internationales Vertragsmanagement setzt. Auf diesem Feld hat sich nun auch CMS Hasche Sigle positioniert, indem sie für den Linde-Konzern einheitliche Einkaufsverträge für zahlreiche Länder entwickelte.

Bei der allgemein zunehmenden Internationalisierung der Vertriebssysteme sind v. a. die Kanzleien im Aufwind, die über ein starkes Netzwerk verfügen, wie etwa DLA Piper und Baker & McKenzie, und darüber komplexe, grenzüberschreitende Projekte stemmen. Aber auch Boutiquen, die sich auf das internationale Geschäft spezialisiert haben, profitieren, so etwa Tradeo. Kanzleien hingegen, die sich nur über ihr altbewährtes Geschäft definieren, werden mittelfristig den Anschluss verlieren.

 


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