JUVE Kanzlei des Jahres

Wirtschaftsstrafrecht

Für Ermittlungsnachschub ist gesorgt

Deutsche-Bank-Vorstände in München: Freispruch. HSH-Vorstand in Hamburg: Freispruch. Porsche-Vorstände in Stuttgart: Freispruch. Diese Verfahren zeigen, wie schwierig es ist, gesellschaftlich kritisch gesehenem Verhalten im Wirtschaftsleben mit strafrechtlichen Mitteln zu begegnen. Ermittlungsbehörden und Geschädigte, die sich Erkenntnisse für ihren Zivilprozess erhoffen, werden es dennoch weiter versuchen. Seit Monaten mausert sich zudem die Dieselaffäre von Volkswagen zu einem ermittlungstechnischen Moloch, der immer weitere Kreise in der Kfz-Branche und der Politik zieht u. inzw. auch den Vorstand erreicht hat.

Die Skandale um Sportclubs und -verbände und das Antidopinggesetz bringen zudem eine ganz neue Klientel ins Visier von Strafermittlern. Von den Enthüllungen der Panama Papers hingegen erwarten Strafrechtler nur wenig neuen Zündstoff, da viele Banken und Briefkastenfirmenbesitzer längst im Zuge der Schweiz-Verfahren erfasst wurden. Anders sieht es bei der Aufarbeitung der Strukturen von Cum-Ex und Cum-Cum aus. Dafür hat sich inzwischen sogar ein Gesprächskreis von Verteidigern gebildet, um der Materie Herr zu werden.

Vielfältige Beratungsfelder tun sich auf

Eine Renaissance des Umweltstrafrechts, die neue Geldwäscherichtlinie, das neue Gesetz zur Korruption im Gesundheitswesen und ein wieder intensiverer Blick der Fahnder auf Geldanlagen in Luxemburg und Liechtenstein werden zusätzlich ihren Teil dazu beitragen, dass die Strafrechtsexperten in Kanzleien und Justiz gut zu tun haben.

Die übernächste Generation macht sich bereit

Auch wenn die altbekannten Namen der Strafverteidigerszene das Bild bei den medienwirksamen Verfahren nach wie vor beherrschen, wird der Generationswechsel immer deutlicher. Auffällig ist, dass sich hinter den Senioren eine kleine Alterslücke zeigt, weil eine Zeit lang kaum junge Anwälte aufgebaut wurden. Das gibt – forciert durch den hohen Bedarf – aktuell schon der übernächsten Anwaltsgeneration Raum, sich zu beweisen. Und den nutzt sie, wie etwa die Entwicklungen von Rettenmaier & Adick, der jüngeren Generation bei Dr. Schneider & Partner oder aber von Prof. Dr. Gerson Trüg von Bender Harrer Krevet zeigen. Sich nachhaltig zu etablieren, wird Zeit und weitere Einsätze in prominenten Verfahren erfordern, zumal auch weitere breit aufgestellte Kanzleien mit jüngeren Strafrechtlern ins Geschäft drängen, darunter etwa AC Tischendorf, Heuking Kühn Lüer Wojtek, Kapellmann und Partner oder Grub Brugger.

Eine Bedrohung für die Strafrechtsboutiquen sind sie derzeit noch nicht, doch sie verschärfen die ohnehin schwierige Nachwuchssuche: Der Kreis guter Juristen, die sich dem Wirtschaftsstrafrecht widmen wollen, ist überschaubar und die Tatsache, dass nahezu alle Boutiquen und immer mehr Zivilkanzleien Verstärkung suchen, macht den Gewinn eines jungen Anwalts zu einem Sechser im Lotto. Die Konjunktur zeigt sich auch in den Stundensätzen. Der bei der letzten JUVE-Erhebung ermittelte Durchschnittswert von 374 Euro täuscht: Für die führenden Köpfe in den Großstädten sind längst über 500 Euro fällig – Wirtschaftskriminalität wird also gleich in vielfacher Hinsicht teuer.


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die im Wirtschaftsstrafrecht beraten. Bitte beachten Sie auch die Kapitel ?Konfliktlösung, ?Öffentliches Wirtschaftsrecht, ?Steuerrecht sowie ?Steuerstrafrecht. Die tabellarischen Übersichten unterscheiden zwischen Individualverteidigung u. der Beratung beziehungsweise Begleitung von Unternehmen als Geschädigte oder nach dem Ordnungswidrigkeitengesetz Betroffene. Die fachübergreifende ?Compliance-Beratung wird in einem gesonderten Kapitel dargestellt. Die Mandatsbeschreibungen beziehen sich in aller Regel auf die Beratung bei zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses laufenden Verfahren mit entsprechend nicht rechtskräftig festgestellten Vorwürfen.

 


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