US-Kanzleien: Ihre hohen Gewinne sind die Basis für Investitionen

Wie die Digitalisierung kennt auch die Diskussion um Kosten und hohe Anwaltshonorare keine Ländergrenzen: In den USA wittern Marktbeobachter schon den Niedergang des sogenannten BigLaw US-Style. Tatsächlich zeigen die finanziellen Statistiken aus 2015, dass sich das Wachstum der Top-US-Kanzleien verlangsamt, und zwar so drastisch wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr: Die Zahl der Equity-Partner sinkt, denn nur so gelingt es, den Gewinn pro Partner hoch zu halten.

Aus Sicht europäischer Kanzleien allerdings ist der Gewinn der US-Wettbewerber nach wie vor astronomisch. Vor allem verschafft dieser Gewinn Raum für Investitionen in prominente Quereinsteiger, die das Jahr 2016 in London ebenso wie in Deutschland kennzeichneten. So warben etwa die namhaften US-Kanzleien Kirkland & Ellis und Latham & Watkins gleich mehrere Zugpferde ihrer Wettbewerber ab, um ihr Deutschlandgeschäft auszubauen.

Schon lange gab es nicht mehr eine so opulente Liste hochkarätiger Partnerwechsel wie in diesem Jahr.

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Allerdings: Allein schon aufgrund der aus US-Sicht günstigen Wechselkurse sind die Investitionen der US-Kanzleien auf globaler Ebene längst nicht so immens, wie sie aus europäischer Sicht erscheinen.

Zudem erleichtern ihnen teilweise am individuellen Umsatz orientierte Vergütungsstrukturen die Einkaufstour. Weitere US-Einheiten sondieren bereits den Markt und klopfen bei renommierten Partnern an. Bekannt ist, dass mindestens zwei US-Kanzleien schon länger großes Interesse auch an Deutschland haben.

Die vergleichsweise niedrigen deutschen Stundensätze können die US-Kanzleien durchaus verkraften, vorausgesetzt, sie müssen nicht einen Großteil ihres Umsatzes mit ihnen generieren. Entsprechend eingeschränkt ist ihr Engagement in Deutschland – so etwa bei Skadden Arps Slate Meagher & Flom oder Weil Gotshal & Manges – beziehungsweise konsequent der Umbau, den sie mit den deutschen Teams betreiben.

So hat Latham & Watkins in den vergangenen Jahren etliche Partner ziehen lassen, um sich dann mit Quereinsteigern zu verstärken, die besser zu dem hochpreisigen internationalen Geschäft passen, das die Kanzlei braucht, um weiterhin die umsatzstärkste unter den US-Kanzleien zu sein. Dass der Umbau nicht immer ihrem Plan folgt, gehört wohl dazu: Zwei ihrer angesehensten Corporate-Partner musste sie kürzlich Gibson Dunn & Crutcher überlassen.

Warum die US-Konkurrenz besonders den britischen Kanzleien zusetzt, erfahren Sie hier

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