ABSCHLUSSRECHNUNG: FRESHFIELDS-BERICHT KOSTET DFB MEHR ALS FüNF MILLIONEN EURO

Gut 5,1 Millionen Euro netto kostet den Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Untersuchung von Freshfields Bruckhaus Deringer rund um die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Die Kanzlei stellte dem Verband nun die Abschlussrechnung. Dies teilte der DFB heute mit.

Mitte Oktober 2015 hatte das DFB-Präsidium die Sozietät beauftragt, zu klären, ob die Austragung der Fußball-WM 2006 möglicherweise erkauft wurde und was es mit einer Zahlung von 6,7 Millionen Euro auf sich hat, die 2005 an den Weltfußballverband FIFA geleistet wurde. Mehr als vier Monate lang untersuchten bis zu 42 Freshfields-Anwälte unter Führung des Frankfurter Partners Prof. Dr. Christian Duve 740 Aktenordner und 128.000 Emails und führten 26 Interviews. Anfang März präsentierte die Kanzlei dann ihren 360 Seiten starken Bericht.

Das Ergebnis: Es gibt keine eindeutigen Beweise dafür, dass Stimmen gekauft wurden, um die WM nach Deutschland zu holen – andererseits kann dies weiter nicht ausgeschlossen werden. Fakt ist, dass der DFB eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro jahrelang bewusst verschleierte. Wofür das Geld tatsächlich verwendet wurde, ist weiter unklar. Bewiesen ist nach den Freshfields-Untersuchungen lediglich, dass im Jahr 2002 – und damit zwei Jahre nach der WM-Vergabe – 6,7 Millionen Euro über Umwege nach Katar an Mohamed Bin Hammam flossen, einem einst einflussreichen Strippenzieher im Weltfußballverband Fifa, der aber inzwischen lebenslang gesperrt ist.

Schadensersatzansprüche möglich

Die Arbeit für Freshfields ist mit der jetzigen Abschlussrechnung für die Untersuchung noch nicht beendet. Gegenwärtig prüft sie für den DFB, ob sich aus den Vorgängen möglicherweise Schadensersatzansprüche ergeben könnten. Für den DFB selbst geht es jetzt darum, „die Schlüsse aus der Untersuchung zu ziehen und beispielsweise ein effektives Compliance-System zu etablieren”, so der Verband in seiner heutigen Pressemitteilung.

Im Vorfeld und auch während der Aufklärung der Vorwürfe zu der möglicherweise erkauften WM hatten die internen Kontrollmechanismen des DFB völlig versagt, darüber stolperten am Ende mehrere hochrangige Funktionäre, unter anderem im November der damalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Gegen ihn sowie seinen Vorgänger Dr. Theo Zwanziger und den früheren Generalsekretär Horst Schmidt ermittelt weiterhin die Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen möglicher Steuerhinterziehung. Dem DFB selbst droht unterdessen weiter eine nachträgliche Aberkennung der Gemeinnützigkeit, was den Verband bis zu 25 Millionen Euro kosten könnte. (René Bender)

Die Schweizer Schokoladenproduzentin Barry Callebaut hat eine Anleihe über 450 Millionen Euro begeben. Mit einem Teil der Erlöse sollen Darlehen refinanziert werden, der andere Teil soll in die weitere Unternehmensentwicklung des weltweit größten Schokoladenherstellers fließen. Als Emissionsbanken begleiteten die Credit Suisse, ING, die niederländische Rabobank sowie die französische Société Générale die  Emission.

Marco Carbonare

Marco Carbonare

Die über eine belgische Tochter emittierte und besicherte Anleihe hat eine Laufzeit von acht Jahren und ist mit einem Zinssatz von rund 2,4 Prozent versehen. Barry Callebaut beschäftigt 9.000 Mitarbeiter, mit denen sie an rund 50 Standorten weltweit vom Kakao bis zur hin zur Edelschokolade alles selbst herstellt. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte der Konzern einen Umsatz von rund 5,6 Milliarden Euro.

Berater Barry Callebaut
Linklaters (Frankfurt):  Dr. Marco Carbonare (Federführung), Michal Hlásek, Ben Dulieu (London; alle Kapitalmarktrecht), David Ballegeer (Brüssel); Cyril Abtan (beide Bankrecht), Cyril Boussion (Steuerrecht; beide Paris); Associates: William Cresswell (Federführung; Kapitalmarktrecht), Maxime Le Bivic (Bankrecht; Paris), Charles Eypper, David Santoro, Ariel Berkower (alle Kapitalmarktrecht), Francis Wijnakker, Pietjan Gythiel (beide Brüssel), Kevin Boyero (Paris; alle Bankrecht), Evita Bassot (Corporate), Wouter Verhoeye (Steuerrecht; beide Brüssel)
Bär & Karrer (Zürich): Dr. Till Spillmann (Kapitalmarktrecht), Daniel Lehmann (Steuerrecht); Associates:  Ivo von Büren, Annina Dillier (beide Finanzierungen), Michael Abegg (Steuerrecht)
Inhouse (Zürich): Roland Maurhofer (General Counsel & Corporate Secretary)

Berater Banken:
Latham & Watkins (London): Tracy Edmonson, Lene Malthasan (beide Finanzierungen)

Hintergrund: Zum engsten Beraterkreis des mehrheitlich zum Jacobs-Konzern gehörenden Schokoladenkonzerns Barry Callebaut gehörte hierzulande in der Vergangenheit vor allem Dr. Christian Jacobs, Sohn der Bremer Kaffedynastie. Der Corporate-Experte war viele Jahre für White & Case tätig und ist seit 2013 wieder Partner bei der Hamburger Sozietät Huth Dietrich Hahn.

Aber auch der auf Kapitalmarktrecht spezialisierte Frankfurter Linklaters-Partner Marco Carbonare hat schon länger gute Kontakte zu Barry Callebaut. So beriet er bereits 2013 bei der Emission einer Hochzinsanleihe im Wert von 400 Millionen US-Dollar sowie bei einer Kapitalerhöhung in Schweizer Franken. Auch da kooperierte er mit Bär & Karrer-Partner Till Spillmann, der mit seinem Team wieder die Fragen zum Schweizer Recht abdeckte. Die involvierten Banken setzten wie bei den vergangenen Malen erneut auf Latham & Watkins.

In der Federführung war dieses Mal auch William Cresswell, Managing Associate bei Linklaters. Carbonare und Cresswell koordinierten Anfang Mai auch das Bankenkonsortium aus Goldman Sachs, J.P. Morgan und Citigroup, das den Börsengang der tschechischen Moneta Money Bank begleitete. GE Capital, bisher alleinige Bankeigentümerin, hatte bei dem Prager IPO rund 830 Millionen US-Dollar eingenommen. 

Chefjurist Maurhofer, der seit 2007 bei dem Schokoladenkonzern Barry Cellebaut tätig ist, übernahm – soweit bekannt – im vergangenen November noch zusätzlich die Rolle des Chief Legal Officers bei dem Airline-Caterer Gategroup. Dieser wird gerade in einem öffentlichen Übernahmeprozess für 1,4 Milliarden Schweizer Franken von der chinesischen Privatfirma HNA Aviation übernommen. Ein Team von Bär & Karrer unterstützt HNA bei dieser Transaktion, während die Wettbewerberin Homburger für Gategroup tätig ist. (Sonja Behrens)

 

Wie viele abrechenbare Arbeitsstunden Wirtschaftskanzleien von ihren deutschen Associates verlangen, ist unterschiedlicher denn je. Im ersten Berufsjahr reicht die Bandbreite von 250 bis 1.900 sogenannten Billable Hours pro Jahr. Pro regulärem Arbeitstag bedeutet dies 1,25 bis 8,5 Stunden.

In einer azur-Erhebung bei rund 200 Wirtschaftskanzleien in Deutschland benannte ein Teil der befragten Arbeitgeber die internen Billable-Hours-Vorgaben 2016. Je nach Kanzlei gelten diese Zahlen als verpflichtendes Minimum oder als unverbindliche Richtgröße.

Weil darunter nur die Arbeitsstunden fallen, die die Kanzlei ihren Mandanten in Rechnung stellen kann, liegt das tatsächliche Pensum der Anwälte allerdings durchweg höher. Laut der letzten azur-Associateumfrage verbringen Associates in Kanzleien durchschnittlich knapp elf Stunden täglich am Schreibtisch.

Höchstes Pensum in internationalen Großkanzleien

Die meisten Honorarstunden müssen Associates in internationalen Großkanzleien bringen. Am höchsten sind die Anforderungen, soweit bekannt, bei Latham & Watkins und WilmerHale, dicht gefolgt von Paul Hastings und Watson Farley & Williams. In diesen Kanzleien sollen schon Berufseinsteiger zwischen 1.800 und 1.900 Honorarstunden im Jahr abrechnen.

Das andere Ende des Spektrums besetzen deutsche Regional- und Spezialkanzleien, etwa die Dresdner Rundumberaterin Battke Grünberg oder die Bau- und Vergaberechtskanzlei Leinemann & Partner. Hier werden im ersten Berufsjahr nur 250 bis 600 Billable Hours fällig. Zwar steigt das Pensum dort mit den Jahren an, liegt aber auch im fünften Berufsjahr noch bei moderaten 1.100 und 1.200 Honorarstunden.

Welpenschutz für Berufsanfänger

Wie Battke Grünberg und Leinemann erhöhen auch einige andere Sozietäten die Vorgaben je nach Berufserfahrung allmählich. Die britische Kanzlei Eversheds verlangt erst ab dem fünften Jahr überhaupt eine feste Zahl von Billable Hours. Viele andere Kanzleien geben ihren neuen Mitarbeitern zumindest ein bis zwei Jahre Schonfrist, in denen nur eine reduzierte Zahl von abrechenbaren Stunden angesetzt sind.

Soweit bekannt, geben noch zahlreiche weitere Kanzleien ihren Associates feste Honorarstundenzahlen vor. Über deren Höhe liegen azur derzeit jedoch keine ausreichenden Informationen vor. (Norbert Parzinger)

Zum Juli wird Dr. Gabriele Haas (44) Chief Compliance Officer bei der neuen E.on-Tochter Uniper. In Uniper will Deutschlands größter Energiekonzern künftig seine Kohle- und Gaskraftwerke bündeln, auf der E.on-Hauptversammlung Anfang Juni soll die Abspaltung besiegelt werden.

Die kommende Uniper-Compliance-Chefin Haas verantwortet seit gut zwei Jahren Recht, Revision und Compliance bei der ostdeutschen RWE-Energieversorgungstochter enviaM in Chemnitz. In der Energiebranche ist sie schon seit etlichen Jahren tätig, war unter anderem beim Mineralölkonzern Exxon und seit 2008 in verschiedenen Funktionen bei RWE. Die Leitung des knapp 40 Mitarbeiter zählenden enviaM-Teams übernimmt nach ihrem Ausscheiden Marit Müller, die schon zuvor bei dem Unternehmen tätig war.

Haas bringt nicht nur reichlich Branchenerfahrung zu Uniper mit, sondern auch Erfahrung im Kartellrecht und mit Regulierungsfragen. Ihr neues Team besteht aus vier Mitarbeitern, mit denen sie die Compliance-Aktivitäten des etwa 14.000 Mitarbeiter zählenden neuen Unternehmens unter ihren Fittichen haben wird.

Uniper ist das Ergebnis des Konzernumbaus von E.on. Dort finden sich die bisherigen Kohle- und Gaskraftwerke und der Energiehandel des Düsseldorfer Konzerns wieder. Pro forma machten diese Aktivitäten 2015 einen Umsatz von 92 Milliarden Euro. Geführt wird Uniper von dem früheren E.on-Finanzchef Klaus Schäfer. Stimmt die Hauptversammlung zu, wird Uniper von E.on abgespalten und soll mehrheitlich auf die E.on-Aktionäre übertragen und an der Börse gehandelt werden. (Astrid Jatzkowski)

Die Deutsche Bahn benachteiligt Wettbewerber beim Vertrieb von Fahrkarten und muss deshalb umfangreiche Änderungen an ihrer bisherigen Praxis vornehmen. Dazu verpflichtete sie sich gegenüber dem Bundeskartellamt, das darauf in dieser Woche ein Verfahren gegen den Konzern einstellte.

Für private Bahnbetreiber, die das Verfahren maßgeblich vorangetrieben hatten, ist das Ergebnis ein großer Erfolg. Anfang 2014 hatte die Behörde das Verfahren nach mehreren Beschwerden eingeleitet. Der Verdacht: Die Bahn missbraucht eine marktbeherrschende Stellung beim Vertrieb von Bahntickets. Die Wettbewerbshüter sahen dies ähnlich, nach Angaben von Kartellamtspräsident Andreas Mundt sprach nun gar von “Behinderungspraktiken der Deutschen Bahn gerade beim Vertrieb ihrer Wettbewerber“, die es durch das Verfahren zu beenden galt.

Jetzt, nach knapp zweieinhalb Jahren, versprach die Bahn Abhilfe zu schaffen – eine Voraussetzung für die Einstellung des Verfahrens.

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Thomas Kapp

Die wichtigsten Änderungen: Bahn-Wettbewerber im Nahverkehr dürfen künftig auch Fernverkehrstickets der Bahn über eigene Automaten verkaufen. Bisher können Reisende an Bahnhöfen, wo die Deutsche Bahn selbst keinen Halt mehr hat, keine Fernverkehrsfahrkarten mehr kaufen. Auch der Zugang der Bahn-Wettbewerber zum Ticket-Verkauf in Bahnhofsläden wird vereinfacht. Bisher verhinderten Klauseln in den Mietverträgen, dass Fahrkarten von Dritten verkauft werden konnten. Generell erhalten die Bahn-Wettbewerber nun mehr Freiheiten, den Vertrieb ihrer Fahrkarten selbst zu gestalten.

Außerdem werden Provisionen für den wechselseitigen Fahrkartenverkauf zwischen Bahn und ihren Konkurrenten vereinheitlicht. Die Bahn hatte Wettbewerbern bisher mehr Provision für Vertriebsleistungen abverlangt als sie umgekehrt bezahlte, wenn andere für sie Vertriebsleistungen erbrachten.

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Thomas Stockmann

Vertreter Deutsche Bahn
Inhouse Recht (Berlin): Dr. Thilo Reimers (Senior Counsel Kartellrecht)

Vertreter BAG SPNV (Beigeladene)
Schumann (Berlin): Dr. Thomas Stockmann; Associate: Sarah Burmeister

Vertreter Transdev (Beigeladene)
Inhouse Recht (Berlin): René Reimers 

Vertreter TBNE (Beigeladene)
Luther (Stuttgart): Dr. Thomas Kapp (Kartellrecht)

Bundeskartellamt, 9. Beschlussabteilung
Carolin Blau (Berichterstatterin), Silke Hossenfelder, Hans-Helmut Schneider – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: In der Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonennahverkehr (BAG SPNV) sind alle Landesbehörden und Zweckverbände organisiert, die bei Bahnunternehmen Verkehrsleistungen bestellen. Es geht um jährlich etwa acht Milliarden Euro, deshalb hat die BAG SPNV ebenso wie private Konkurrenten der Bahn ein Interesse daran, dass nicht durch Wettbewerbsverzerrungen das Preisniveau künstlich erhöht wird.

Stockmann gilt als Experte für den Schienenverkehr, seine Kanzlei Schuhmann ist regelmäßig für SPNV-Aufgabenträger tätig, vor allem bei der Vergabe von Leistungen und bei Vertriebsfragen. Über diese Verbindung kam Stockmann auch ins Mandat. Sein Gutachten über Vertriebsbeschränkungen von Wettbewerbern durch die Deutsche Bahn gehörte zu den Beschwerden, die schließlich das Amt veranlassten, das Missbrauchsverfahren zu eröffnen. Bis Ende 2015 begleitete Stockmann das Verfahren an der Seite der Arbeitsgemeinschaft. In der Schlussphase, in der es vor allem auf die Einlassungen der Fachabteilungen ankam, vertrat sich die BAG SPNV auch aus Budgetgründen selbst.

Auch Hamburg-Köln-Express beschwerte sich über die Bahn

Eine weitere Beschwerde, die das Kartellverfahren maßgeblich mit angestoßen haben dürfte, kam von der privaten Bahn-Konkurrentin HKX. Diese hatte 2012 als erste Privatbahn in direkter Konkurrenz zur Deutschen Bahn den Zuschlag für die Fernverkehrsstrecke Hamburg-Köln bekommen. Dabei stellten sich zahlreiche kartell- und regulierungsrechtliche Fragen, etwa zu Netzzugang, Bahnstrom – und eben Vertriebskooperationen.

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Eckhard Bremer

Die HKX-Beschwerde gegen das Geschäftsgebaren der früheren Monopolistin verfasste Dr. Eckhard Bremer, der als einer der anerkanntesten Experten für die Marktöffnung im Schienenverkerhr und die damit verbundenen Probleme gilt. Damals war Bremer Partner bei Hogan Lovells. Im vergangenen Sommer wechselte er dann in die Kanzlei Wegner Ullrich Müller-Helle & Partner. Seine Mandantin HKX war an dem Missbrauchsverfahren des Kartellamts, das sie mit ausgelöst hatte, formal aber nicht beteiligt.

Luther-Kartellrechtspartner Kapp kam für den Tarifverband der Bundeseigenen und Nichtbundeseigenen Eisenbahnen (TBNE) über bestehende Kontakte ins Mandat. Luther berät zahlreiche TBNE-Mitgliedsunternehmen, unter anderem in Vergabeverfahren.

Die Deutsche Bahn führte das Verfahren maßgeblich mit Inhouse-Juristen. Das Unternehmen verfügt über eine große kartellrechtliche Abteilung, die üblicherweise in den vergangenen Jahren eher als Klägerin gegen Kartellverstöße anderer Unternehmen für Schlagzeilen sorgte, nun aber als Verteidigerin in eigener Sache tätig war. Reimers’ Abteilung ‘Kartellrechtliche Beratung und Compliance’ wurde kürzlich im Zuge einer Umstrukturierung der Bahn-Rechtsabteilung geschaffen und wird von Nina Simone geleitet. (Marc Chmielewski)

Streitwert: 120 Millionen Euro. So viel will die Deutsche Bank von dem ehemaligen Sal. Oppenheim-Banker Matthias Graf von Krockow. Das kündigte Deutsche Bank-Chef John Cryan vergangene Woche auf der Hauptversammlung in Frankfurt an. “Mit den weiteren Beteiligten laufen Gespräche über eine einvernehmliche Erledigung möglicher Ansprüche des Bankhauses.” Doch ob es zu einer gütlichen Einigung kommen kann, ist fraglich. Denn Krockow setzt nun auf neue Berater – und wählt damit eine Verteidigungsstrategie, die auch die anderen Ex-Sal. Oppenheim-Gesellschafter vor Gericht zwingen könnte.

Rupert Bellinghausen

Rupert Bellinghausen

Wegen des  Zusammenbruchs von Arcandor und eines Großkredits, den Sal. Oppenheim der damaligen Großaktionärin Madeleine Schickedanz gewährt hatte, war das Bankhaus 2009 so ins Schlingern geraten, dass es von der Deutschen Bank aufgefangen werden musste. Nun will der Aufsichtsrat von Sal. Oppenheim den damals persönlich haftenden Gesellschafter und Sprecher von Sal. Oppenheim, von Krockow, für die damaligen Geschäfte in Regress nehmen.

Weil von Krockow sowie seine damaligen Mitstreiter Christopher von Oppenheim, Dieter Pfundt und Friedrich Carl Janssen im vergangenen Jahr bereits wegen schwerer Untreue verurteilt worden sind, ist der Aufsichtsrat dazu verpflichtet. Allerdings haben alle Beschuldigten auch Berufung gegen das strafrechtliche Urteil eingelegt.

Gegen von Krockow hat Sal. Oppenheim vor dem Landgericht Köln bereits eine Klage eingereicht. Dabei wird sie von Dr. Rupert Bellinghausen und Staffan Illert von Linklaters beraten. Sollte die Bank ihre Forderungen durchsetzen, droht von Krockow die Privatinsolvenz.

Doch auch der Graf hat sich mit prominenten Anwälten gerüstet: Er wird nicht mehr länger von CMS Hasche Sigle beraten, wo bislang Joachim Kühne und Dr. Christoph Schücking für ihn tätig waren. Nun setzt der ehemalige Sal. Oppenheim-Gesellschafter ausgerechnet auf die Kanzlei, die der Deutsche Bank jahrelang Angst und Schrecken einjagte: Bub Gauweiler & Partner. Die Münchner hatten die Deutsche Bank im Auftrag von Leo Kirch und später seiner Erben jahrelang bekriegt und schließlich einen milliardenschweren Vergleich durchgesetzt. Nun soll der dortige Partner Franz Enderle für Krockow mit der Bank streiten.

Neben der Frage der Organhaftung geht es auch um einen Kredit, den von Krockow von Sal. Oppenheim bekam, später aber kündigte und nicht mehr bediente. Ein Gericht hat bereits entschieden, dass Krockow den 64-Millionen-Euro-Kredit zurückzahlen muss. Nun soll es auch in diesem Streit in der zweiten Instanz mit Bub Gauweiler weitergehen.

Die Kanzlei erhöht auch gleich den Druck auf die Deutsche Bank. Enderle kündigte an, in der Organhaftungsklage den anderen ehemaligen Sal. Oppenheim-Gesellschaftern den Streit  zu verkünden. Das würde die Vergleichspläne der Deutschen Bank eventuell torpedieren, auf jeden Fall würde der Rechtsstreit deutlich komplizierter und in die Länge gezogen. Deutsche Bank-Chef John Cryan dürfte das nicht freuen. Der sah sich auf der Hauptversammlung in puncto Rechtsstreitigkeiten, für die die Bank 5,4 Milliarden Euro zurückgestellt hat, eigentlich “allmählich auf der Zielgeraden”. (Ulrike Barth)

Daniela Trötscher (43), zuletzt Partnerin der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, steigt, ebenfalls als Partnerin, in die Steuerpraxis von Allen & Overy ein. Dort wird sie sich im Frankfurter Büro ab Juni vor allem auf steuerbezogene Compliance-Arbeit und Fragen zu Risikomanagement konzentrieren. 

Trötscher_Daniela

Daniela Trötscher

Auf dem Beratungsfeld bringt die Steuerberaterin und Diplom-Kauffrau einige Erfahrung mit, ebenso wie mit steuerorientierten Prozessen bei M&A-Projekten und in deren Nachgang. Bei Ernst & Young war Trötscher seit 2010 tätig, seit 2012 als Partnerin im gut 14 Partner zählenden Banking-Team. Begonnen hatte sie ihre Karriere in der Steuerabteilung der Deutschen Bank, wo sie zwölf Jahre lang arbeitete.

„Mit Daniela Trötschers langjähriger Erfahrung bei der Beratung zu Tax-Compliance-Fragen und den damit verbundenen technischen Lösungswegen ergänzen und vertiefen wir unser Beratungsangebot vor allem auch für Finanzinstitute“, sagte der Münchner Partner Dr. Gottfried Breuninger, weltweiter Steuerchef von Allen & Overy. Unter seiner Führung hat in der Kanzlei über die transaktionsgetriebene steuerrechtliche Arbeit hinaus zuletzt vor allem die compliancenahe und streitige steuerrechtliche Begleitung massiv an Bedeutung gewonnen.

Insbesondere in der rechtlichen Aufarbeitung von Steuerprodukten und -strukturen zählt sie zu den gefragtesten Adressen. Die größte Aufmerksamkeit bringt ihr dabei aktuell die Aufarbeitung der umstrittenen Cum-Ex-Transaktionen ein, bei der Allen & Overy eine Reihe Banken begleitet, unter anderem die HVB und die National Bank of Canada als eine der Hauptgesellschafterinnen der wegen Rückforderungen im Nachgang von Cum-Ex-Deals in die Pleite gerutschten Maple Bank.

Mit Trötschers Einstieg wächst das Steuerteam von Allen & Overy auf rund 20 Köpfe und stellt damit knapp jeden zehnten Berufsträger hierzulande. Zuletzt war im April 2015 der langjährige Richter am Bundesfinanzhof Joachim Moritz als of Counsel eingestiegen. Nur wenige Monate zuvor hatte sich das Steuerteam mit Marcus Helios als Partner verstärkt. Er kam von KPMG. Sein Wechsel sorgte damals für einige Aufmerksamkeit, weil Wechsel auf Partnerebene von einer der großen Wirtschaftsprüfungsfirmen in eine Großkanzlei lange Zeit kaum vorkamen.

Durch Helios baut die Sozietät seither auch in Düsseldorf eine Steuerpraxis auf. Die Personalie markierte zudem wie nun auch Trötschers Einstieg neben der inhaltlichen Ergänzung einen wichtigen Zwischenschritt im Generationswechsel der künftig fünf Partner zählenden Steuerpraxis. Deren langjähriger Chef Eugen Bogenschütz war im vergangenen Jahr als of Counsel in die zweite Reihe getreten. (René Bender)

Die Commerzbank hat ihr Bankpalais in Düsseldorf verkauft und anschließend voll angemietet. BNP Paribas Real Estate Investment Management (REIM) erwarb das Objekt in zentraler Lage für einen Investor aus dem Mittleren Osten. Der Kaufpreis soll knapp unter 100 Millionen Euro liegen.

Gerold Jaeger

Gerold Jaeger

Die neoklassizistische Immobilie, deren drei Baukörper in den Jahren 1912 sowie 1924 errichtet wurden, wird von einem Luxemburger Vehikel gehalten und umfasst über 19.000 Quadratmeter Mietfläche. Auch nach dem Verkauf wird die Commerzbank das Objekt im Bankenviertel langfristig nutzen.

Berater BNP Paribas REIM
Clifford Chance (Frankfurt): Dr. Gerold Jaeger (Immobilienrecht; Federführung), Dr. Uwe Schimmelschmidt, Francois-Xavier Dujardin (Luxemburg; beide Steuern), Tobias Schulten, Marc Mehlen (beide Bank- und Kapitalmarktrecht), Christian Kremer (Corporate; beide Luxemburg), Dr. Dominik Thomer (Düsseldorf), Maxime Budzin (Luxemburg; beide Steuern), Dunja Damjanovic-Pralong (Corporate), Stefanie Ferring (Bank- und Finanzrecht; beide Luxemburg); Associates: Philipp Schott, Alexander Shemyakin (Düsseldorf; beide Immobilienrecht), Tanja Gropp, Melissa Staunton, Matthias Kammermann (Bank- und Kapitalmarktrecht), Stéphanie Guers (Corporate), Josselin Badoc (Steuern; beide Luxemburg).

Berater Commerzbank
HauckSchuchardt (Frankfurt): Hans-Christian Hauck (Immobilienrecht), Henning Schuchardt (Steuern); Associates: Dr. Jens Luckas, Dr. Stefanie Krieger (beide Immobilienrecht), Daniel Cehovin (Steuern)
Inhouse Recht (Frankfurt): Markus Vetter

Hintergrund: Mit Clifford Chance setzte BNP Paribas auf eine vertraute Beraterin. Die Kanzlei begleitet die Kapitalverwaltungsgesellschaft bereits seit vielen Jahren, vor allem Partner Jaeger und Counsel Thomer pflegen eine enge Beziehung zu der Mandantin. So begleiteten beide BNP Paribas zuletzt auch beim Kauf des Media Towers im Düsseldorfer Medienhafen.

Die Mandatsbeziehung zwischen der Commerzbank und HauckSchuchardt ist ebenfalls gefestigt. So beriet die Kanzlei die Mandantin etwa auch beim Verkauf des Projektareal Kasernenstraße 39-49 in Düsseldorf und beim Verkauf der Frankfurter Neckarvillen.

Nach JUVE-Informationen wurde die Sale-and-lease-back-Transaktion von dem Notar Dr. Gerrit Wenz aus der Düsseldorfer Kanzlei Dr. Burkhard Pünder & Dr. Gerrit Wenz beurkundet. (Christin Nünemann)

Die Beteiligungsgesellschaft Solvesta hat Phoenix Print in Würzburg übernommen. Der Druckdienstleister wird unter dem ursprünglichen Namen Stürtz weitergeführt, nachdem er ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung absolviert hat.

Thomas Lotz

Thomas Lotz

Das Traditionsunternehmen, das vor allem mit hochwertigem Buchdruck 2015 rund 52 Millionen Euro umsetzte, war nach der Insolvenz des verbundenen Unternehmens Phoenix Print Augsburg im vergangenen Spätsommer ebenfalls ins Straucheln geraten. Nach Sanierungsmaßnahmen, zu denen unter anderem ein Stellenabbau von 240 auf 200 Mitarbeiter gehörte, stimmte der Gläubigerausschuss dem Verkauf zu. Phoenix war erst im April 2015 aus einer Fusion der Druckereien Himmer und Stürtz hervorgegangen. Die späteren Insolvenzanträge waren von heftigen Vorwürfen zwischen den Fusionspartnern begleitet. Mittlerweile ist Himmer in Augsburg ebenfalls wieder unter eigenem Namen am Markt.

Die noch junge Münchner Beteiligungsgesellschaft Solvesta ist auf mittelständische Unternehmen fokussiert, die sie direkt aus der Insolvenz kauft. Solvesta selbst ist an der Düsseldorfer Börse notiert, dort wechselte sie im letzten Herbst vom Freiverkehr in den Primärmarkt.

Berater Solvesta
TRACC Legal (München): Dr. Thomas Lotz (M&A)

Berater Phoenix Print Würzburg
Schultze & Braun (Stuttgart): Andreas Elsässer, Holger Leichtle, Jan Metzner (alle Insolvenzrecht/Eigenverwaltung), Nils Andersson-Lindström (Bremen), Karsten Kiesel, Jan Heinzmann, Angelyn Haase (alle M&A), Daniela Gunreben (Arbeitsrecht; Nürnberg)
Gleiss Lutz (Stuttgart): Dr. Matthias Tresselt (Haftungsfragen)

Sachwaltung
HWR Herrmann Wollner Reinel (Würzburg): Matthias Reinel (Sachwalter)

Berater Banken
CMS Hasche Sigle (Köln): Jan Friese, Christian Lange (beide Corporate) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: TRACC Legal ist eine Transaktionsboutique, die sich auf Distressed M&A spezialisiert hat. Einer ihrer regelmäßigen Mandanten ist der Finanzinvestor Adcuram, der etwa Ende 2015 die Bauelementesparte der Haas Group erwarb. Auch Solvesta setzt häufiger auf die Münchner: Im vergangenen Herbst erwarb die Beteiligungsgesellschaft die Fensterbaugruppe Helima von Insolvenzverwalter Dr. Jörg Bornheimer, der bei Görg tätig ist. Auch beim Kauf des Fanartikelherstellers Fan & More war TRACC Legal-Partner Lotz für Solvesta tätig.

Schultze & Braun ist als große Insolvenzkanzlei bekannt und sowohl in der Verwaltung als auch in der Sanierungsberatung tätig. Den hier federführenden Standort Stuttgart hatte die Kanzlei 2013 und 2014 in zwei Schritten erfolgreich ausgebaut, als die Verwaltereinheit Viniol & Partner beziehungsweise die Sanierungsberater um Andreas Elsässer hinzukamen. Zu dem aktuellen Team gehörte auch der Steuerberater Simon Reichle. Matthias Tresselt, der für haftungsrechtliche Fragen hinzugezogen wurde, ist seit Anfang 2015 Partner im Restrukturierungsteam von Gleiss Lutz.

Die Sozietät des Sachwalters Reinel ging aus der Kanzlei BFP des bekannten Verwalters Bruno Fraas hervor. Sie gehört nach wie vor zu den am meisten bestellten Verwalterkanzleien in Würzburg und Schweinfurt. Für die Insolvenz des Augsburger Teils von Phoenix Print war im August 2015 Christian Plail von Schneider Geiwitz & Partner als Insolvenzverwalter bestellt worden. (Markus Lembeck)

Die chinesische Zhongding-Group setzt ihre Einkaufstour in Europa fort: Anfang April kaufte sie die Komponentenherstellerin Austria Druckguss, wenig später investierte sie in die Schweizer Firma Green Motion, die eine Ladeinfrastruktur für Elektroautos aufbaut.

Claudia Pleßke

Claudia Pleßke

Zhongding erwarb sämtliche Kommandit- und Geschäftsanteile an Austria Druckguss von einer Beteiligungsgesellschaft der Bavaria Industries. Der steirische Produzent von komplexen Gusswaren für die Automobilindustrie beschäftigt rund 220 Mitarbeiter.

Bei der Schweizer Green Motion, die erst 2009 gegründet wurde, gingen die Chinesen mit einer Minderheitsbeteiligung an Bord. Über eine signifikante Kapitalerhöhung sowie den parallel geschlossenen Lizenznutzungsvertrag für China wollen sie die Expansion des Unternehmens vorantreiben.

Die Zhongding-Gruppe, selbst ein Automobilzulieferer, erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit rund 14.000 Mitarbeitern weltweit einen Umsatz von rund 1,6 Milliarden Euro. Ihre Muttergesellschaft Anhui Zhongding ist an den Börsenplätzen Schanghai und Shenzen notiert.

Berater Zhongding-Gruppe
Rittershaus
(Mannheim): Dr. Claudia Pleßke (Federführung; Corporate/M&A), Anno Haberer (Kartellrecht), Kristina Lindenfeld (Corporate/M&A)

Berater Bavaria Industries
Zirngibgl Langwieser (Wien): Dr. Dieter Lehner (Federführung); Associate: Dr. Daniel Schiele
Lichtenwalder (München): Dr. Wolfgang Lichtenwalder 

Hintergrund: Schon als Zhongding 2014 den Automobilzulieferer Kaco erwarb, stand ihr eine Team um Claudia Pleßke von Rittershaus zur Seite. Die Juristin war den asiatischen Klienten gleich von zwei Seiten empfohlen worden und begleitete seitdem noch weitere Transaktionen: Über die österreichische Zhongding Holding Europe erwarb die Mandantin auch Anteile an der Kasseler Wegu von der DMB Deutsche Mittelstand Beteiligungen, Anfang des Jahres folgte der Erwerb der französischen Tochtergesellschaft Sealing Systems von Federal Mogul.

Auf Verkäuferseite trifft Pleßke dabei auf unterschiedlichste Sozietäten. DMB beispielsweise wurde beim Verkauf des Schwingungsdämpfung-Spezialisten Wegu von einem Team rund um den Hamburger Corporate-Partner Patrick Mossler von Gleiss Lutz unterstützt.

Zirngibl Langwieser mit Standorten in München, Berlin, Frankfurt und Wien ist regelmäßig für Bavaria Industries tätig, auch in prozessualen Angelegenheiten. Der Münchner Einzelanwalt Lichtenwalder fungiert für die Beteiligungsfirma sozusagen als Inhousejurist.

Bei der Schweizer Transaktion war auf Verkäuferseite Dr. Thomas Schrepfer von PMIC Advisors in der Federführung; der ‎Managing-Partner des ‎Finanzdienstleisters ist ausgebildeter Jurist.

Die Transaktionen von Zhongding werden auch flankiert von der Mannheimer Perlitz Group, insbesondere von Matthias Litschke als strategischem und kaufmännischem Berater. Für steuerliche Fragen wird in der Regel multidisziplinäre Einheit Falke & Co aus Heidelberg eingebunden, bei dem Austria Druck-Zukauf war dies der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Dr. Stefan Tichy. (Sonja Behrens)