DIESEL-AFFäRE: AUDI MANDATIERT STRAFRECHTLER

Audi hat JUVE-Informationen zufolge nach den Durchsuchungen wegen möglicher Abgasmanipulationen auch einen Strafrechtler mandatiert. Der Autobauer beauftragte den etablierten Münchner Anwalt Prof. Dr. Werner Leitner von Leitner & Partner.

Werner Leitner

Werner Leitner

Leitner, der zuletzt vor allem als Deutsche-Bank-Anwalt im sogenannten Kirch-Verfahren auffiel, gehört zu der kleinen Riege angesehener Münchner Verteidiger, die auch regelmäßig auf Unternehmensseite tätig sind. Dass Audi sich für einen Münchner Strafrechtler entschieden hat, ist nahe liegend, da die Ermittlungen durch die Münchner Staatsanwaltschaft geführt werden. Soweit bekannt richtet sich das Verfahren nach wie vor nicht gegen konkrete Personen.

Bislang wurde Audi wie auch das Mutterhaus VW von Freshfields Bruckhaus Deringer auch hinsichtlich strafrechtlicher Implikationen beraten. Bei Freshfields sind unter anderem zwei ehemalige Staatsanwälte aus München tätig. Audi entschied sich nun aber für einen anderen Weg und folgte damit in ihrer Mandatierungsstrategie VW. Auch die Wolfsburger mandatierten mit dem Berliner Dr. Daniel Krause (Krause & Kollegen) einen angesehenen Strafrechtler.

Im Audi-Komplex zeichnet sich ab, dass vor allem Münchner Anwälte gefragt sind. So lässt sich JUVE-Informationen zufolge Ex-Audi-Vorstand Prof. Dr. Ulrich Hackenberg, der zunächst bei Leitner war, jetzt von Dr. Sabine Stetter aus der gleichnamigen Kanzlei vertreten. Audi-Chef Rupert Stadler hat Thilo Pfordte (Brehm & v. Moers) mandatiert, Ex-Technikvorstand Stefan Knirsch Frank Eckstein, Namenspartner von Eckstein & Kollegen und früherer Partner von Leitner. Für einen Entwickler ist Maximilian Müller aus der alt eingesessenen Münchner Kanzlei Prof. Dr. Müller & Partner tätig. (Astrid Jatzkowski)

Die Europäische Kommission hat ein Whistleblowersystem eingeführt, über das Hinweisgeber Informationen über kartellrechtliche Verstöße weitergeben können. Damit ist die Kommission relativ spät dran: Das Bundeskartellamt etwa führte bereits 2012 eine Möglichkeit ein, sich anonym an die Behörde zu wenden. Im Sommer vergangenen Jahres zog dann die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) nach. Hintergrund für die Kommission dürfte eine Flaute bei Kronzeugenanträgen sein.

Erste Erfolge gab es bereits: Die deutschen Kartellwächter schlossen 2015 das erste Kartellverfahren ab, das auf einen Hinweis über das Meldesystem zurückging. Seinerzeit waren Hersteller akustisch wirksamer Bauteile für den Fahrzeugbau betroffen. Das Amt verhängte insgesamt 75 Millionen Euro Bußgeld gegen fünf Unternehmen. Im Herbst 2016 durchsuchte das Kartellamt dann acht Pharmagroßhändler – und damit praktisch die gesamte Branche. Auch diese Ermittlungen sollen durch einen anonymen Hinweis angestoßen worden sein.

Erfahrene Kartellrechtler gehen davon aus, dass die Europäische Kommission mit der Hotline auf den zu erwartenden Rückgang der Kronzeugenanträge reagiert. Der Grund für die sinkende Attraktivität des Kronzeugenantrags: Bislang war die Möglichkeit, sich der Behörde als Kronzeuge in einem Kartellverfahren zur Verfügung zu stellen, für die betroffenen Unternehmen eine sichere Bank, um sich selbst aus der Schusslinie zu bringen. Doch heute ziehen derartige Anträge ein schwer zu kalkulierendes Risiko nach sich: Immer häufiger werden die Kartellanten durch Geschädigte auf Schadenersatz verklagt.

Das heißt: Selbst wenn der Antragsteller um ein Bußgeld herumkommt, ist er letztlich der interessanteste Gegner für potenziell milliardenschwere Zivilklagen. Als Kronzeuge kann er nicht behaupten, nicht am Kartell beteiligt gewesen zu sein, und er haftet gesamtschuldnerisch.

Betroffen von dieser Konstellation ist aktuell etwa die VW-Tochter MAN: Zwar ging sie im vergangenen Jahr als Kronzeugin ohne Bußgeld aus dem EU-Kartellverfahren gegen Lkw-Hersteller, doch erste Schadenersatzklagen richten sich auch gegen sie. Es ist letztlich eine Risikoabwägung. In Anbetracht der Rekordbußgelder, die die Kommission in diesem Kartell verhängt hat, geht die Rechnung hier für MAN womöglich sogar auf. 

Und noch eine ganz anders gelagerte Entwicklung lässt Kronzeugenanträge seltener werden: Die Kartellbeteiligten, so berichten Berater, werden vorsichtiger, agieren heimlicher. Das macht es zum einen für die Unternehmensleitung oder die Compliance-Abteilung schwer, Verstöße eigener Manager aufzudecken. Zum anderen wird der Kronzeugenantrag zu einer Herausforderung, wenn das Unternehmen den Behörden kaum handfeste Beweise für das Kartell liefern kann.

Genau diese fehlende Papierspur dürfte es jedoch auch den europäischen Behörden schwer machen, anonymen Hinweisen die nötige Substanz für ein Verfahren zu geben. Ein Allheilmittel wird die frisch freigeschaltete Hotline letztlich also nicht sein. (Astrid Jatzkowski)

 

Mehr zum Thema lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des JUVE Rechtsmarkts 01/2017, der gerade erschienen ist.

Mehrere Insider aus der Cum-Ex-Szene liefern derzeit verschiedene deutschen Staatsanwaltschaften wichtige Erkenntnisse über Ablauf und Struktur von Cum-Ex-Aktientransaktionen. Dies wurde in der vergangenen Woche publik. Nach JUVE-Informationen ist dafür auch eine geänderte Verteidigungsstrategie eines Beraters verantwortlich, der nun auf die erfahrenen Strafverteidiger Prof. Dr. Alfred Dierlamm aus Wiesbaden und Prof. Dr. Tido Park aus Dortmund vertraut.

Alfred Dierlamm

Alfred Dierlamm

Die beiden Namensgeber ihrer Kanzleien lehnten auf Nachfrage jeglichen Kommentar zu dem Ermittlungskomplex ab. Nach gesicherten JUVE-Kenntnissen beraten sie aber denjenigen Informanten, der sich als Erster von inzwischen einer ganzen Reihe aussagewilliger Beschuldigter zur Kooperation mit der Staatsanwaltschaft Köln entschloss und über Monate hinweg umfangreich über das Wesen der Cum-Ex-Deals einließ. Bei den Transaktionen nutzten Akteure ein Schlupfloch in den Gesetzen aus, um sich bei Aktientransaktionen um den Dividendenstichtag nicht oder nur einmal abgeführte Kapitalertragsteuer mehrfach erstatten zu lassen. Insgesamt soll dem Steuerzahler dadurch ein Schaden von insgesamt zehn bis zwölf Milliarden Euro entstanden sein.

Neue Verteidiger bringen Strategiewechsel

Der Beschuldigte ließ sich zuvor durch den Münchner Strafrechtler Dr. Daniel Amelung aus der Sozietät Amelung & Trepl vertreten und trat nach dem Verteidigerwechsel die Flucht nach vorne an. Um ein Geständnis soll es sich dabei zwar nicht handeln, doch dürfte er seine Situation in dem Ermittlungsverfahren auch so klar verbessert haben. Denn seine Aussage zeigt nach Informationen von JUVE, wie systematisch die Geschäfte über sogenannte Leerverkäufe, also den Handel mit Aktien, die der Verkäufer gar nicht selbst besitzt, gesteuert wurden.

Strafrechtlich entscheidend: Nach Darstellung des Informanten habe es bei den Deals dezidierte Absprachen zwischen Käufer- und Verkäuferseite gegeben. Ein solch systematisches Zusammenspiel weisen andere aus dem Kreis der Dutzenden Beschuldigten, zu denen neben Bankern, Brokern, Investoren auch Anwälte sowie Steuerberater gehören, bis dato zurück. Und bislang taten sich die Behörden ebenfalls schwer, ein doloses Zusammenwirken nachzuweisen – und das trotz einer schier unendlichen Zahl von Dokumenten, die als Beweisstücke sichergestellt wurden.

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Tido Park

Auf den von Dierlamms und Parks Mandanten in Fahrt gebrachten Zug sind unterdessen weitere Beschuldigte aufgesprungen und versorgen die Kölner Staatsanwaltschaft mit Insiderwissen. Weitere Informanten stehen nach JUVE-Informationen zudem in den Startlöchern, um aufgrund ihrer Kooperation gegebenenfalls straffrei auszugehen oder einen Strafnachlass zu erhalten.

Zuerst hatten darüber in der vergangenen Woche die ‚Süddeutsche Zeitung‘, der NDR und WDR berichtet. Hört man sich im Umfeld der Staatsanwaltschaft um, heißt es gar, dass sich die Aussagewilligen die Türklinke in die Hand geben und das es für weitere auf Wochen hinaus schwer wird, überhaupt einen Termin bei der Behörde zu bekommen.

Von Montag bis Freitag, von morgens bis abends säßen die Ermittler um Staatsanwältin Anne Brorhilker mit den Informanten zusammen. Gleich zwei von diesen begleitet dabei JUVE-Informationen zufolge die Münchner Kanzlei Wannemacher & Partner durch ihre beiden Partner Dr. Markus Gotzens und Jan Andrejtschitsch. Sie stehen zwei Händlern von der Arabischen Halbinsel zur Seite, die in großem Stil an den Geschäften beteiligt waren.

Die Kölner Sozietät Gercke Wollschläger schließlich vertritt durch Namenspartner Prof. Dr. Björn Gercke die Interessen eines Vorstands eines deutschen Bankhauses. Kommentieren will man dies weder bei der Staatsanwaltschaft noch in den beteiligten Kanzleien.

Vielzahl weiterer Akteure drohen Ermittlungen – darunter auch Anwälte und Steuerberater

Durch die Aussagen der verschiedenen Informanten geraten wohl auch weitere Akteure spätestens jetzt ins Visier der Behörden, darunter erneut Banker, Broker, Investoren sowie Anwälte und Steuerberater. Vor allem die Rolle der Banken wird in den Aussagen JUVE-Informationen zufolge ausführlich thematisiert, denn die profitierten unter dem Strich am meisten, ob sie nun als Brokerhäuser, Investmentbanken oder Depotbanken an den Transaktionen beteiligt waren.

Aus den Einlassungen soll auch hervorgehen, dass der aus den Cum-Ex-Deals erzielte Gewinn nicht – wie gemeinhin angenommen – ausschließlich von doppelten oder mehrfachen Erstattungen von Kapitalertragsteuern abhingen. Ebenso entscheidend war der Handelskreislauf bei Leerverkäufen und insbesondere das Wissen, eine Aktie, bei der die Dividende gezahlt wurde, zum Kaufzeitpunkt wieder auf Termin verkaufen zu können, wobei von vorne herein klar war, dass über sogenannte Trading Levels ein Gewinn zu Lasten des Fiskus entsteht. Dieser Profit war pro Aktie gering, wuchs aber durch ein riesiges hohes Handelsvolumen an – und für dieses brauchte es die Banken.

Die neuen Erkenntnisse könnten nun auch die Politik noch stärker beschäftigen. So forderten etwa die Grünen bereits, dass der Cum-Ex-Untersuchungsausschuss, der seine Arbeit eigentlich bald abschließen sollte, diese noch einmal verlängert.

 

Beschuldigte mit Aussagen vor der Staatsanwaltschaft Köln

Vertreter Beschuldigter A
Dierlamm (Wiesbaden): Prof. Dr. Alfreed Dierlamm
Park (Dortmund): Prof. Dr. Tido Park

Vertreter Beschuldigter B und C
Wannemacher & Partner (München): Dr. Markus Gotzens, Jan Andrejtschitsch

Vertreter Beschuldigter D:
Gercke Wollschläger (Köln): Prof. Dr. Björn Gercke

Staatsanwaltschaft Köln
Anne Brorhilker

Hintergrund: Bundesweit ermitteln verschiedene Staatsanwaltschaften seit Jahren. Neben einem bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt anhängigen Verfahren gehören die Ermittlungen in Köln zu den umfangreichsten. Einen ähnlichen Weg wie mehrere Beschuldigte nun gehen, hatte hier vor gut einem Jahr beispielsweise auch der Banker Eric Sarasin eingeschlagen, dem Beihilfe zur Steuerhinterziehung und gewerbsmäßigem Betrug vorgeworfen worden war. Auch er hatte bei der Staatsanwaltschaft Köln ausgesagt, das Verfahren wurde letztlich ohne Schuldeingeständnis und gegen eine Geldbuße von 200.000 Euro eingestellt. Begleitet hatte ihn dabei Dr. Bernd Groß, Partner der Frankfurter Kanzlei Feigen Graf.

Weitere Beschuldigte lassen sich unter anderem durch den Frankfurter Strafverteidiger Ulrich Sorgenfrei und den Heidelberger Alexander Keller vertreten. Ob und inwieweit diese ausgesagt haben, ist nicht bekannt.

Als einer der maßgeblich Beschuldigten gilt der frühere Finanzbeamte und Steueranwalt Dr. Hanno Berger, der durch diverse Rechtsgutachten Rückendeckung für die Transaktionen gegeben hatte und den strukturellen Rahmen für die Cum-Ex-Deals maßgeblich mitgestaltete. Berger weist sämtliche Vorwürfe scharf zurück und ist auch nach einer jüngsten JUVE-Nachfrage fest davon überzeugt, sich jederzeit im rechtlich zulässigen Rahmen bewegt zu haben.

Gegen Durchsuchungsmaßnahmen, die in einem weiteren Komplex vor Jahren die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt angeordnet hatte, wehrte er sich etwa vehement, erstattete unter anderem Strafanzeige und zog deshalb gar bis vor das Bundesverfassungsgericht. Dort musste er zuletzt aber eine Niederlage hinnehmen: Die Karlsruher Richter wiesen ihn und seinen Anwalt Prof. Dr. Georg Jochum, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Steuer- und Europarecht und Recht der Regulierung an der Universität Friedrichshafen zurück. In den gegen ihn anhängigen Strafverfahren wird Berger von Prof. Dr. Norbert Gatzweiler und den Freiburger Prof. Dr. Gerson Trüg, Namenspartner der Sozietät Trüg Habetha, begleitet. (René Bender)

Die Anzahl der Honorarstunden, die Wirtschaftskanzleien ihren Associates vorschreiben, ist in den letzten Jahren nicht spürbar gestiegen. Nach Angaben der Kanzleien liegen die Richtwerte zwischen 600 und 1.750 Stunden. Die Associates selbst berichteten in der azur-Umfrage 2016 von durchschnittlich 1.657 vorgeschriebenen Billable Hours.

Wie schon in den Vorjahren beantwortete nur ein Teil der von azur befragten Kanzleien Angaben zu den vorgeschriebenen Mindeststunden (mehr dazu bei azur-online.de). Einige Sozietäten, die in der Vergangenheit noch 1.800 bis 1.900 Stunden verlangt hatten, machten nun keine Angaben mehr.

Reale Stundenzahl meist deutlich höher

So oder so liegt das tatsächliche Pensum der Anwälte allerdings durchweg höher: Unter Billable Hours fallen nur die Arbeitsstunden, die eine Kanzlei ihren Mandanten in Rechnung stellen kann. Laut der azur-Associateumfrage 2016 arbeiten Anwälte in Kanzleien durchschnittlich knapp elf Stunden täglich. Einige Sozietäten haben darum nun alternative Karrieremodelle mit geringerem Pensum und festem Feierabend, aber deutlich reduziertem Gehalt eingeführt.

Einen realistischen Blick auf die Billables-Vorgaben erlaubt wiederum die azur-Associateumfrage. 2016 berichteten die Teilnehmer im Durchschnitt von 1.657 vorgegebenen Billable Hours. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Fachbereichen sind deutlich: Über 1.700 Stunden liegen unter anderem die Anwälte bei M&A, Bank- und Finanzrecht, Kartellrecht und Konfliktlösung. Dagegen fallen in IP/IT, Immobilienrecht und im Öffentlichen Wirtschaftsrecht unter 1.600 Billables an.

 

Billable Hours 

Wie die Billable Hours bemessen werden und wie verbindlich die Vorgaben sind, ist von Kanzlei zu Kanzlei unterschiedlich. In manchen Kanzleien sind nur die jährlichen Boni an eine bestimmte Mindestzahl von Billable Hours gebunden. Latham & Watkins etwa nennt als Voraussetzung für einen Bonus 1.900 Stunden. Dazu werden allerdings nicht nur Honorarstunden, sondern auch Pro-Bono-Arbeit und Engagement in den kanzleiinternen Gremien gezählt.

Billables teils nur für Bonus relevant

DLA Piper hat vor Kurzem als – soweit bekannt – erste Kanzlei im deutschen Markt feste Schwellenwerte eingeführt. Ein Teil der Bonuszahlungen, das sogenannte Zielgehalt, wird fest an die geleisteten Arbeitsstunden geknüpft. 1.750 Billable Hours jährlich bringen einen Bonus von 10.000 Euro. Bei 1.950 Billables sind es 20.000 Euro, bei 2.150 Billables sogar 30.000 Euro. (Norbert Parzinger)

Die Europäische Kommission hat die geplante europäische Börsenfusion nicht zugelassen. Der Zusammenschluss der Börsenbetreiber Deutsche Börse und der London Stock Exchange (LSE) hätte „für das Clearing festverzinslicher Finanzinstrumente ein De-Facto-Monopol geschaffen“, teilte die Kommission mit.  

Ralph Wollburg

Ralph Wollburg

Die beiden Börsenbetreiber sind Eigner der deutschen, der italienischen und der britische Börsen sowie einiger großer Clearinghäuser. Die für Wettbewerbspolitik zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager  befürchtete, dass bei Clearings festverzinslicher Finanzinstrumente – darunter fallen Anleihen und Rückkaufvereinbarungen – die Machtkonzentration nach einer Fusion zu hoch wäre. Daraufhin hatten die beteiligten Unternehmen angeboten, das in Frankreich ansässige LSE-Clearinghaus LCH.Clearnet SA zu verkaufen. Da dieses jedoch von Handelsdaten der italienischen LSE-Tochter und Handelsplattform MTS abhängig ist, würde LCH nie wirklich ein unabhängiger Wettbewerber sein können, so die Brüsseler Aufsicht. Die MTS ebenfalls zu veräußern, kam für die Börsenbetreiber nicht in Frage.

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Carsten Grave

Berater Deutsche Börse
Linkaters: Dr. Ralph Wollburg, Staffan Illert,  (Düsseldorf; beide Federführung), Stephan Oppenhoff (Frankfurt), Roger Barron , Simon Branigan (beide London;alle Corporate/M&A), Dr. Carsten Grave (Düsseldorf), Christian Ahlborn (London), Thomas A. McGrath (New York; alle Kartellrecht), Andreas Steck (Frankfurt), Carl Fernandes (London; beide Finanzmarktregulierung), Dr. Sebastian Benz (Düsseldorf), Lynne Walkington (London), Gordon Warnke (New York; alle Steuern), Ulli Janssen (Corporate/M&A; Frankfurt), Dr. Ingo Klauß (Kartellrecht; Düsseldorf); Associates: Dr. Alexander Jüngst (Düsseldorf), Dr. Jens Hollinderbäumer (Berlin), Dirk Horcher, Christian Schubert, Adriana von Hardenberg, Torben Schmidt (alle vier Frankfurt; alle Corporate/M&A), Christoph Barth (Düsseldorf), John Eichlin (New York) Dr. André Scheidtmann, Dr. David-Julien dos Santos Goncalves ( beide Düsseldorf), William Leslie, Aoife Monaghan, Mark Daniel (London; alle Kartellrecht), Dr. Andreas Dehio, Janis Petrowsky, Dr. Jasmin Hölscher (alle drei Frankfurt), Alexandra McCaughan (London; alle Finanzmarktregulierung), Dr. Tim Mundhenke (Steuern; Düsseldorf).

Andreas Fabritius

Andreas Fabritius

Berater Londoner Börse
Freshfields Bruckhaus Deringer: Simon Priddis (London; Kartellrecht), Andreas Fabritius (Corporate), Gunnar Schuster (Corporate/Finance), Arend von Riegen (alle drei Frankfurt), Andrew Hutchings, Piers Prichard Jones (alle Corporate, beide London), Wilfried Schaefer, Martin Schiessl (beide Steuern; beide Frankfurt), Nicholas Günther (Düsseldorf), Markus Benzing (Frankfurt; beide Corporate); Associates: Sabrina Kulenkamp (London), Mesut Korkmaz (Düsseldorf), Thilo Diehl, Andreas Stefanski, Kyle Miller David Jansen (alle Corporate), Christina Zapf (Finanzierung; alle Frankfurt)

Berater EU-Kommission
Inhouse Recht (Brüssel): Lucia Bonova – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die Beteiligten dürften weit mehr als ein Jahr mit dem geplanten Unternehmenszusammenschluss befasst gewesen sein und somit auch mit den  fusionskontrollrechltichen und aufsichtsrechtlichen Fragen zu seiner Machbarkeit.

Simon Priddis

Simon Priddis

Die Kooperationsvereinbarung zwischen Deutsche Börse AG und LSE war im März vergangenen Jahres geschlossen worden, Anfang Juni folgte dann das sorgfältig ausgehandelte Tauschangebot der neu aufgesetzten Holding-Company mit Sitz in London. Doch spätestens als das Brexit-Votum fiel, begannen intensive Diskussionen, auch in der Öffentlichkeit. Dabei ging es unter anderem um den Hauptsitz der neuen Muttergesellschaft und die Frage, welchen börsenrechtlichen Regelungen das Gemeinschaftsunternehmen zukünftig unterliegen soll.

Zwar konnten die wettbewerbsrechtlichen Bedenken, die zur Einleitung einer eingehenden Untersuchung der EU-Kommission geführt hatten, bezüglich der Einzelaktienderivate ausgeräumt werden. Durch die vorgeschlagenen Abhilfemaßnahmen waren jedoch die Sorgen im Bereich des Clearings nicht aufzulösen, zu denen der Markttest nach der EU-Fusionskontrollverordnung ebenfalls gemacht wurde. Zwar hatten die beteiligten Unternehmen einen Katalog verhaltensbezogener Maßnahmen entwickelt und unterbreitet, um die unabhängige Arbeit der Pariser Clearingstelle zu gewährleisten. Doch der Katalog wurde  – nicht zuletzt ob seiner Komplexität und angesichts der zeitlich limitierten Prüfungsfenster – keinem Praxistest unterzogen. Case Managerin Lucia Bonova ist Stellvertretende Leiterin der Einheit, die bei der EU-Kommmission ansonsten Fusionen im Bereich von Finanzinstituten, sowie der pharmazeutischen und chemischen Industrie überprüft.

 Linklaters ist seit einigen Jahren eine enge Beraterin der Deutschen Börse, sowohl bei umfangreichen Transaktionsvorhaben, als auch bei strukturellen Fragen wie der Eröffnung des neuen Marktsegments Scale in diesem Jahr. Freshfields  wiederum stand der Londoner Börse beispielsweise schon 2004 zu Seite – auch damals wurde ein Zusammenschlusses mit der Deutschen Wettbewerbin im Zuge eines umfangreichen Akientausches erwogen. (Sonja Behrens)

 

 

Corestate hat Einzelhandelsportfolien im Wert von 687 Millionen Euro verkauft. Der Immobilieninvestor veräußerte insgesamt 90 Objekte an einen Fonds, den der Vermögensverwalter Universal-Investment für die Bayerische Versorgungskammer (BVK) aufgelegt hat. Das Bundeskartellamt muss der Transaktion, die auch ein umfangreiches Asset-Management-Mandat enthält, noch zustimmen.

Sebastian Orthmann

Sebastian Orthmann

Die 90 Immobilien verteilen sich auf unterschiedliche deutsche Städte und wurden von Corestate zuvor in 16 verschiedenen Gesellschaften geführt. Über eine luxemburgische Ankaufstruktur wurden sie für den neuen Fonds gebündelt. Das Asset-Management wird zukünftig Corestate übernehmen; die börsennotierte Investmentfirma verwaltet rund 16 Milliarden an Vermögen.

Das Frankfurter Fondshaus Universal-Investment gehört seit letztem Herbst dem britischen Finanzinvestor Montagu. Mit etwa 650 Mitarbeitern betreut es ein Vermögen von gut 280 Milliarden Euro. Die BVK, die zwölf berufsständische und kommunale Altersversorgungswerke vertritt, gilt wiederum als größte öffentlich-rechtliche Versorgungsgruppe in Deutschland. 

Berater Universal-Investment
CMS Hasche Sigle: Dr. Sebastian Orthmann (Hamburg), Heinrich Schirmer (Frankfurt; beide Federführung); Johanna Hofmann (alle Real Estate), Dr. Daniel Voigt, Dr. Markus Pfaff (beide Bankrecht/Finanzierung; beide Frankfurt), Dr. Benjamin Schirmer (Umwelt- und Planungsrecht; Berlin), Dr. Jochen Reuter (Privates Bau- und Architektenrecht), Sebastian Schwack (Bankrecht/Finanzierung), Dr. Tobias Kilian (Corporate; alle drei Frankfurt), Dr. Hans Kiderlen (gewerbliches Mietrecht), Christoff Soltau (Kartellrecht; beide Hamburg); Associates: Dr. Eva Heidemann (Hamburg), Tobias Rüb (Frankfurt), Madeleine Riemer, Dr. Katayun Zierke (beide Berlin), Felix Stoecker Florian Seelheim (beide Hamburg), Samira Bouzakri (alle Immobilienrecht), Dr. Katharina Kneisel, Sebastian Sedlak, Andrea München (alle Bankrecht/Finanzierung; alle Frankfurt), Timo Fuchs (Corporate; Hamburg)
PricewaterhouseCoopers (München): Anna-Katharina Willems – aus dem Markt bekannt

Christian Eichner

Christian Eichner

Berater Corestate Capital
Allen & Overy (Düsseldorf): Dr. Christian Eichner, Dr. Michael Fink (beide Federführung), Dr. Murad Daghle, Jacques Graas (Luxemburg); Associates: Kyrill Chilevych, Dr. Thyl Hassler (alle Corporate/M&A)
Ernst & Young (Stuttgart): Matthias Franz – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: CMS kam hier auf Empfehlung von BVK in das Akquisitionsmandat. Sie war dem Versorgungswerk bereits 2014 begegnet in einer Transaktion zum Stuttgarter Friedrichs-Carré. Neben dem Hamburger Partner Orthmann, der kanzleiintern den Geschäftsbereich Real Estate & Public leitet, stand auch der Frankfurter Immobilienrechtler Schirmer mit in der Ferderführung, der 2009 von Freshfields Bruckhaus Deringer zur CMS gewechselt war.

Die Fondsstrukturierung wiederum koordinierte der ehemalige Linklaters-Anwalt Voigt, der 2013 zu CMS wechselte, während Associate München als in Luxemburg qualifizierte Anwältin mit der dortige Holdingstrukturierung betraut war. PwC übernahm hier nach JUVE-Informationen für die Käufer die steuerliche Strukturierung.

Corestate ist seit 2006 Mandantin von Allen & Overy-Partner Eichner. Er begleitete mit Kanzleikollegen im vergangenen Herbst auch das technische Listing der Firma an der Börse. Neben ihm stand hier auch Counsel Fink mit in der Federführung, der einen Schwerpunkt in immobilienrechtlichen Transaktionen hat.

Beim Erwerb des 4711-Hochhauses in Köln mandatierte die in Luxemburg ansässige Investorin jüngst das Immobilienrechtsteam des Düsseldorfer Büros von Leinemann & Partner. In Finanzierungsfragen vertraut die Kapital-Holding gern auf Filip Kurkowski, der im letzten Jahr von Allen & Overy zu Baker & McKenzie wechselte und von dort aus auch jüngst wieder eine Akquisitionsfinanzierung für Corestate betreute. Aus der dortigen Eigenkapitalmarktpraxis war zudem Dr. Christoph Wolf im März mit der Barkapitalerhöhung bei Corestate befasst, die mit einem Bruttoemissionserlös von gut 22 Millionen Euro abschloss. (Sonja Behrens)