STüRMISCHE ZEITEN: FRESHFIELDS BEGLEITET TURBULENTE MARENAVE-HAUPTVERSAMMLUNG

Die Zukunft der Marenave Schiffahrts AG bleibt ungewiss. Auf der Hauptversammlung am vergangenen Freitag wurde die vom Vorstand empfohlene Herabsetzung des Grundkapitals vertagt. Der größte Einzelaktionär der Hamburger Aktiengesellschaft, die Ernst Russ AG, hatte die Verschiebung vorgeschlagen. Wie bereits im Vorfeld angekündigt, erklärten daraufhin die Offen Gruppe und der Versicherer DEVK eine im Februar getroffene Investorenvereinbarung für gescheitert. Marenave verfügt derzeit über kein operatives Geschäft mehr.

Christoph Seibt

Christoph Seibt

Marenave hatte im Sommer des vergangenen Jahres mit den Banken Crédit Agricole, Deka Bank, HSH Portfoliomanagement und Commerzbank vereinbart, ihre gesamte Flotte zu verkaufen, um die Schiffsfinanzierungsdarlehen zurückzuzahlen. Damit schaffte die Reederei die Voraussetzungen für ihre finanzielle Restrukturierung, die Anfang Juli abgeschlossen werden konnte. Kurz zuvor hatte die Reederei noch ihr – nach eigenen Angaben – wertvollstes Flottenschiff, den Autotransporter ‚Höegh Berlin‘ verkaufen können. Mit einem Teil des Verkaufserlöses konnte Marenave Schiffskredite zurückbezahlen, einen weiteren Teil verteilte die Reederei an die übrigen den Marenave-Konzern finanzierenden Banken.

Ein wichtiger Teil der Verträge zwischen den Banken und Marenave sah vor, dass das Unternehmen von seiner Mithaftung bezüglich der Kredite befreit wurde. 

Diese Enthaftungsvereinbarung war eine wesentliche Voraussetzung für einen im Februar vereinbarten Einstieg der Investoren CPO Investments, hinter der die Offen Gruppe steht, und des Versicherers DEVK, der bereits rund 20 Prozent an Marenave hält. Dabei sollte eine „anfängliche Mindestfinanzierung“ von zwei Millionen Euro fließen und dann – je nach Projektverlauf – weitere 14 Millionen Euro. Im Gegenzug sollte es Aufsichtsrats- und Vorstandspositionen für Offen geben.

Auf der Hauptversammlung wollte der Marenave-Vorstand eine Herabsetzung des Grundkapital beschließen lassen, um „aufgelaufene Verluste auszugleichen“, wie es in der Einladung zur HV hieß. Außerdem sollten die Vermögensverhältnisse an die Enthaftung angepasst werden. Der Herabsetzungsbetrag sollte in voller Höhe dazu verwendet werden, aufgelaufene Verluste zu decken. Soweit bekannt, wäre dann für November wiederum eine Kapitalerhöhung geplant gewesen.

Über diese Pläne hatte es jedoch bereits im Vorfeld Streit gegeben: Für Offen und die DEVK war diese Maßnahme eine Voraussetzung für das weitere Sanierungskonzept. Bereits vor der Hauptversammlung hatten sie mitgeteilt, „dass ein Scheitern oder weiteres Zuwarten mit der ordentlichen Kapitalherabsetzung bis zu einem ungewissen Zeitpunkt dramatische Folgen für die Gesellschaft haben könnte“.

Finanzdienstleister Ernst Russ, vormals HCI Capital und mit knapp 30 Prozent der größte Einzelgesellschafter von Marenave, hatte allerdings ebenfalls im Vorfeld mitgeteilt, über eine Kapitalherabsetzung erst nach dem Vorliegen der Zahlen für 2016 abstimmen zu wollen. Diese sollte ohnehin Ende September vorgelegt werden. Schließlich widerspreche die Begründung, dass dadurch das weitere Sanierungskonzept gefährdet wäre, der vorherigen Mitteilung über die erfolgreiche Restrukturierung. 

Russ forderte zudem eine Neubesetzung des Aufsichtsrates: Das Gremium solle von drei auf vier Mitglieder vergrößert werden. Das bisherige Aufsichtsratsmitglied Klaus Meyer, ehemaliger Partner von PricewaterhouseCoopers, solle ausscheiden. Dafür sollten Ernst Russ-Vorstand Jens Mahnke und der Stuttgarter Unternehmensberater und Rechtsanwalt Dr. Hans Schmidt-Dencker in das Gremium einziehen. Auch mit diesem Vorschlag war Ernst Russ am Freitag erfolgreich. Allerdings legten daraufhin alle bisherigen Mitglieder des Aufsichtsrates ihre Ämter nieder. Schmidt-Dencker wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt und muss nun zwei neue Mitglieder für das Gremium suchen. Außerdem läuft ihm die Zeit davon: Unternehmensgegenstand von Marenave ist das Betreiben von Schiffen. Nach dem Abverkauf der gesamten Flotte kann dieser nur für eine bestimmte Zeit ausgesetzt werden. 

Berater Marenave
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Prof. Dr. Christoph Seibt (Aktien- und Kapitalmarktrecht), Dr. Lars Westpfahl (Restrukturierung; beide Federführung), Thomas Jörgens (Finanzierungsrecht; New York); Associates: Simone Schönen, Dr. Jan-Philip Wilde, Dr. Susann Brackmann, Lindsay Hingston (alle Restrukturierung), Jörg-Peter Kraack, Dr. Neda von Rimon (beide Aktien- und Kapitalmarktrecht)
Luther (Hamburg): Dr. Benjamin Hub; Associates: Lars Frohne, Lena-Annika Schultz (alle See- und Schifffahrtsrecht)
Andersch: Christian Säuberlich, Janina Hellwig (Projektleitung), Dr. Christian Dietrich, Dr. Ralf-Thorsten Henn (alle Sanierungsgutachten)
PricewaterhouseCoopers: Jens Briese, Christoph Besch (beide Steuerrecht)

Berater Ernst Russ
Taylor Wessing (Berlin): Marc-Oliver Kurth (Kapitalmarktrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater CPO Investments (Offen Group)
Inhouse Recht (Hamburg) – Nicht bekannt

Berater DEVK
Nicht bekannt

Berater Crédit Agricole
Ehlermann Rindfleisch Gadow (Hamburg) – aus dem Markt bekannt

Marc Riede

Marc Riede

Berater Deka Bank
CMS Hasche Sigle (Hamburg): Dr. Marc Riede (Finanzierung), Christoph Zarth (maritimes Wirtschaftsrecht), Dr. Julia Runge (Finanzierung); Associate: Dr. Jenny Buchner (maritimes Wirtschaftsrecht)

Berater HSH Portfoliomanagement
Linklaters (Frankfurt): Dr. Sabine Vorwerk (Bankrecht/Restrukturierung & Insolvenz; Federführung), Ulli Janssen (Corporate/M&A); Associates: Dr. Ulrich Johann (Steuerrecht), Fabian Neumeier, Maxime Le Bivic (Paris; beide Bankrecht), Katharina Schaub (Bankrecht/Restrukturierung & Insolvenz)

Berater Commerzbank
Nicht bekannt

Hintergrund: Freshfields, die seit Anfang 2015 für Marenave tätig sind, beriet den Aufsichtsrat sowie den Vorstand der börsennotierten Schifffahrtsgesellschaft. Soweit bekannt, übernahm bei der Restrukturierung neben dem renommierten Hamburger Partner Westpfahl die Associate Schönen die Federführung mit. Bei dem aktien- und kapitalmarktrechtlichen Teil unter der Verantwortung von Corporate-Schwergewicht Seibt kam insbesondere auch dessen Associate Kraack eine maßgebliche Rolle zu.

Ernst Russ wurde nach JUVE-Informationen zur Hauptversammlung und aktienrechtlichen Fragen von dem Berliner Taylor Wessing-Partner Kurth beraten. Ein Hamburger Team der Kanzlei hatte die Vorgängergesellschaft HCI Capital im April 2016 auch beim Erwerb sämtlicher Kommanditanteile der Ernst Russ GmbH & Co. KG von der Peter Döhle Schifffahrts-KG beraten und die anschließende Umfirmierung begleitet.

Uneinigkeit hatte es im Vorfeld der Hauptversammlung auch über die Wahl des Abschlussprüfers für das Jahr 2016 gegeben. Der Marenave-Aufsichtsrat hatte den Aktionären nachdrücklich Deloitte empfohlen, die bereits im Vorjahr diese Aufgabe übernommen hatte. Ein Aktionär dagegen führte Baker Tilly ins Feld, Ernst Russ schließlich wollte Roever Broenner Susat Mazars damit beauftragen. Auf der Hauptversammlung stimmten die Aktionäre nun dafür, Deloitte zu beauftragen. Ob der Jahresabschluss aber wie geplant bis Ende September testiert werden kann, erscheint laut Unternehmenskreisen nach der vergangenen Woche aber fraglich, da die Fortführungsprognose von der vereinbarten Beteiligung von CPO und DEVK ausgegangen war.

Die mit dem Sanierungsgutachten beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Andersch war 2012 von dem damaligen Restructuring-Chef von KPMG, Tammo Andersch, gegründet worden. (Christine Albert)

Die Asklepios Gruppe möchte eine neue Privatklinik in Ostholstein einrichten. Dafür erwarb sie das Jagdschloss Blomenburg von der HJD Gruppe, einer Investorengemeinschaft aus mehreren Familien.

Jochen Repp

Jochen Repp

Die Blomenburg im Kreis Plön war zwischen 2004 und 2006 saniert worden, als sie Teil des geplanten Technologiezentrums Blomenburg Ventureparks werden sollte. Doch die Trägergesellschaft musste 2011 Insolvenz anmelden. 2015 erfolgte der Verkauf an die Investorengruppe, die es nun an Asklepios weiterverkaufte.

Der Klinikbetreiber zählt mit rund 46.000 Mitarbeitern zu den größten hierzulande. Gründer und alleiniger Gesellschafter der Asklepios-Gruppe ist Dr. Bernhard Broermann.

Berater Asklepios
Cura Advocati Preiss Repp Heiss Schuller & Kollegen (Frankfurt): Jochen Repp (Federführung; Corporate/M&A)
Heeb Steuerberatung (Kronberg): Uwe Wittstock

Berater HJD Gruppe
Ehler Ermer & Partner (Rendsburg): Dr. Markus Stöterau (Federführung; Corporate/M&A), Dr. Lars Jensen-Nissen (Steuern)

Markus Stöterau

Markus Stöterau

Hintergrund: Die Rendsburger MDP-Kanzlei Ehler Ermer berät die Verkäufer, die in Unternehmensbeteiligungen und Immobilien investieren, schon seit vielen Jahren. Während Corporate-Partner Stöterau den Transaktionsprozess einleitete und den Vertrag verhandelte, klärte Steuerberater Jensen-Nissen die vorgelagerten steuerlichen Aspekte der Transaktion.

Im Transaktionsprozess stimmte er sich dann mit der hessischen Steuerberatung Heeb auf Käuferseite ab. Steuerberater Wittstock gehört wie Cura-Partner Repp zum engsten Beraterkreis um den Asklepios-Gründer Broermann. Der Gesellschafter ist selbst ausgebildeter Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwalt.

Repp, der auch Mitglied des Asklepios-Aufsichtsrates ist, hatte Broermann 2015 ebenfalls beim Ankauf des Hotels Atlantic in Hamburg unterstützt.

Die Blomenburg-Transaktion beurkundete nach Marktinformationen der Frankfurter Notar Thomas Kuther.  (Sonja Behrens)

Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) hat seit August eine Prozess- und eine Rechtsabteilung. Mit den neuen Bereichen bereitet sich die Behörde auf die kommenden Jahre vor. Über die konkreten Schritte sprach JUVE mit Generaldirektor Dr. Theodor Thanner (57).

Theodor Thanner

Theodor Thanner

JUVE: Welches Ziel verfolgen Sie mit den beiden neuen Abteilungen?
Theodor Thanner:
Wir haben eine Prozessabteilung und eine Rechtsabteilung eingeführt. Das ist nötig, weil in den kommenden Monaten zehn neue Fallbearbeiter zu uns stoßen. Drei sind schon im Dienst, vier weitere kommen im September und Oktober, und für Jänner sind nochmals drei Einstellungen geplant.

Woher kommen die neuen Case-Handler?
Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Juristen, unter anderem aus Rechtsanwaltskanzleien. Ein weiterer Teil der neuen Mitarbeiter wird einen wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund haben.

Welche Ziele stehen hinter dem personellen Ausbau?
Wir stärken die BWB damit, um in Branchenuntersuchungen regelmäßig den Zustand von Märkten in den Blick nehmen zu können. Ein Beispiel dafür war die Studie zu Bankomatgebühren im Februar, ein anderes solches Schwerpunktthema ist derzeit der Gesundheitsmarkt. Daneben steigt der Arbeitsaufwand aus Kartell- und Zusammenschlussverfahren laufend, darauf stellen wir uns ein. Eine mögliche Übernahme der Air Berlin durch Lufthansa etwa wird auch uns beschäftigen.

Wie sind die neuen Abteilungen ausgerichtet?
Die Prozessabteilung bereitet Gerichtsverfahren vor und vertritt die BWB juristisch. Das bedeutet auch, für anstehende Verfahren eine rechtlich und wirtschaftlich tragfähige Strategie zu entwickeln. Daneben ist sie für Bescheide und das Qualitätsmanagement zuständig. Abteilungsleiter ist dort Dr. Anastasios Xeniadis, zu seinem Team gehören vier weitere Mitarbeiter.

Wie sieht das in der Rechtsabteilung aus?
Ihr steht Dr. Natalie Harsdorf vor, zusätzlich sind der Rechtsabteilung sieben Case-Handler zugeordnet. Zu den Aufgaben zählen grundlegende Rechtsangelegenheiten, auch auf internationaler Ebene. Zum Beispiel soll sie zu Gesetzesvorhaben Stellung nehmen. Außerdem führt sie die Ermittlungen, betreut die Kronzeugenfälle und Hausdurchsuchungen.

Der Nationalrat hat das Budget der BWB im November um zwei Drittel erhöht. Gibt es neben dem Personalausbau weitere Maßnahmen, die sie nun angehen?
Unser Budget stieg um zwei Millionen Euro auf nun knapp fünf Millionen. Mit einem Teil der zusätzlichen Mittel werden wir unsere IT-Ausstattung und unsere forensischen Möglichkeiten verbessern. Denn auf ‚Big Data‘ liegt für uns derzeit ein Fokus, auf diesem Gebiet müssen wir für die kommenden Jahre investieren.

Das Gespräch führte Raphael Arnold.

Der Zahlungsdienstleister ICP hat eine weitere Sparte verkauft: Er veräußerte die ICP Transaction Solution samt internationaler Töchter an ein Konsortium aus sechs Private Equity-Investoren. Zu diesen gehören unter anderem Paarl Equity, Operando Partners und die Kapitalgesellschaft Lautica.

Christian Kleeberg

Christian Kleeberg

Die jetzt veräußerte ICP-Firma, die auch Tochtergesellschaften in den Niederlanden, Polen und Tschechien hat, betreut beispielsweise Prepaid-Produkte und Kundenbindungsmaßnahmen im Mobilfunkgeschäft. Diese sogenannten Loyalty-Management-Maßnahmen im Umfeld von Bezahlterminals kommen an rund 70.000 Verkaufsstellen zum Einsatz.

Die Beteiligungshäuser im Käuferkonsortium sind noch wenig bekannt. Dabei ist Paarl Equity bereits seit 2005 am Markt und auf mittelständische Firmen fokussiert. Ihre Beteiligung am Kaffeebar-Betreiber Coffee Fellows beispielsweise veräußerte sie 2014 erfolgreich an das Wiesbadener Unternehmen LS travel retail.

Lautica wurde 2011 von dem früheren IBM-Mitarbeiter Rainer Lauterbach im hessischen Bad Vilbel aufgesetzt. Er hat als Geschäftsführer des Family Office der Harald Quandt Holding schon Direktbeteiligungen an Technologieunternehmen betreut. 

Die Kölner Kapitalverwaltungsgesellschaft Operando Partners hingegen ist erst im August dieses Jahres gegründet worden. Hinter ihr steht unter anderem Christian Kühn, der früher beim Hamburger Private-Equity-Haus DMB Deutsche Mittelstandbeteiligungen tätig war.

Im vergangenen Jahr hatte die IPC-Gruppe bereits ihren Netzbetreiber für kartenbasierten elektronischen Zahlungsverkehr an Concardis verkauft.

Berater Investoren
Fried Frank (Frankfurt): Dr. Christian Kleeberg (Private Equity/M&A; Federführung); Steffen Schellschmidt (Finanzierung), Tobias Caspary (Kartellrecht), Katrin Gänsler (Steuern); Associates: Dr. Peter Breschendorf, Anjela Keiluweit, Dr. Jan Petersen, Dr. Philip Rosak, Thorsten Stücklin  (alle Corporate), Max Küttner (Kartellrecht)
Flick Gocke Schaumburg (Bonn): Dr. Alexander Goertz – aus dem Markt bekannt
Schnittker Möllmann (Berlin): Dr. Helder Schnittker (Steuerrecht; Federführung), Jens Kretzschmann; Associate: Dr. Julian Albrecht (Hamburg; beide Regulierung)

Michael Cziesla

Michael Cziesla

Berater ICP-Gruppe
McDermott Will & Emery (Frankfurt): Dr. Michael Cziesla (Corporate/Private Equity; Federführung), Dr. Oliver Hahnelt (Corporate), Markus Hill (Steuerrecht), Dr. Paul de Beauregard (Arbeitsrecht), Dr. Wolfgang von Frentz (Gewerbliche Rechtsschutz; beide München), Norman Wasse (Corporate/Private Equity; auch Federführung), Nina Siewert (Steuerrecht); Associates: Grégoire Andrieux (Paris), Tobias Riemenschneider, Anna Steudner (alle Corporate)

Hintergrund:  Fried Frank hatte Paarl Equity bereits beraten, als sich das Frankfurter Beteiligungshaus 2015 von seiner Portfoliogesellschaft d.velop trennte. Der hier federführende Partner Kleeberg, ehemals Partner bei Linklaters und Taylor Wessing, war im vergangenen Jahr zur US-Kanzlei Fried Frank gewechselt. Das Team hat neben der M&A-Beratung auch Finanzierungs- und Kartellrechtsfragen abgedeckt. Während Partnerin Gänsler die Steuerklauseln prüfte, kümmerte sich die junge Einheit Schnittker Möllmann sowohl um die Steuerstrukturierung der Investorengruppe und des Investments als auch um aufsichtsrechtliche Fragen. Der Kontakt kam über Operando-Mitbegründer Kühn, den das Team schon beriet, als es noch unter dem Dach von Flick Gocke und der Mandant bei der Hamburger DMB tätig war. Flick Gocke wurde hier dem Vernehmen nach für gesellschaftsrechtliche Fragen hinzugezogen.

McDermott-Partner Cziesla wiederum berät die ICP und ihren Hauptgesellschafter seit rund zehn Jahren. Die Federführung teilte er sich hier mit Counsel Wasse, mit dem er Anfang des Jahres von King Wood & Mallesons gekommen war. Von dort kam auch Partner Hill, der die Tax-Aspekte des Verkaufs mit vorbereitete. Zusammen hatten sie im vergangenen Jahr auch den Concardis-Deal flankiert.

Das Käufervehikel wurde nach JUVE-Kenntnissen notariell von Dr. Annette Bödeker beurkundet. Die Aktien- und Konzernrechtlerin, die früher bei Linklaters und Orrick tätig war, wurde 2012 Corporate-Chefin bei Kaye Scholer (inzwischen Arnold & Porter Kaye Scholer). (Sonja Behrens)

 

 

Der Marktforscher GfK hat einen neuen General Counsel. Frederick Iwans (49), langjähriger Syndikus beim Telekommunikationsunternehmen 1&1, hat die Position zum September übernommen. Iwans folgt auf Roland Fürst, der die Rechtsgeschäfte bei GfK seit zwölf Jahren geleitet hat. Bei 1&1 hat Markus Kadelke, bislang Leiter der Rechtsabteilung, Iwans‘ Position übernommen.

Iwans_Frederick

Frederick Iwans

Iwans begann seine Karriere Ende der 1990er-Jahre bei Motorola. Über Stationen unter anderem bei MCI Worldcom und Tiscali kam er 2009 als Vice President und General Manager zu 1&1. Für das rheinland-pfälzische Unternehmen mit Stammsitz in Montabaur leitete er zunächst das US-Geschäft. In den vergangenen drei Jahren war Iwans als Group General Counsel konzernweit auch für das Risikomanagement zuständig. In dieser Position beriet er die Vorstände der gesamten Unternehmensgruppe zu strategischen Projekten, beispielsweise bei Transaktionen und zu Compliance- und Corporate-Governance-Fragen.

Die GfK-Rechtsabteilung beschäftigt rund 25 Berufsträger, rund die Hälfte davon in der Nürnberger Zentrale und vier weitere in den USA. Neben dem Leiter der Internal-Audit-Abteilung, Steffen Dabelstein, berichten die Leiterin der Abteilung für die Region USA, Anna Vitek, und der Leiter der Abteilung für die Region Europa, Mittlerer Osten, Afrika und Asien, Dr. Markus Althoff, direkt an Iwans. Althoff kam im Februar 2016 von White & Case zu GfK. Bei White & Case war der Corporate-M&A-Spezialist 2012 zum Partner ernannt worden. 

Iwans soll mit seinem Team eine aktive Rolle bei der Neuausrichtung des Konzerns spielen. So ist beispielsweise eine umfangreiche Digitalisierung geplant. Risiko-Management, Internal Audit und Corporate Governance fallen künftig in Iwans‘ Zuständigkeit. Mit der Bündelung der Funktionen will der Konzern seiner komplexen Struktur Rechnung tragen.

Iwans‘ Vorgänger Fürst, der seit 25 Jahren in New York lebt und vor seiner Arbeit bei der GfK Partner im New Yorker Clifford Chance-Büro war, sieht seine weitere berufliche Zukunft in der US-Metropole.

Eines seiner letzten großen Projekte für die GfK war Ende 2016 der Einstieg des US-Investors KKR und das geplante Delisting der GfK von der Börse. Gemeinsam gehören dem Gfk-Verein (50 Prozent) und KKR (40 Prozent) inzwischen rund 90 Prozent des Nürnberger Konzerns.

Die GfK ist mit ihren 13.000 Mitarbeitern und zahlreichen internationalen Niederlassungen der größte deutsche und der fünftgrößte Marktforscher der Welt. Der Nürnberger Konzern leidet jedoch weiterhin unter sinkenden Umsätzen. (Martin Ströder)

In dem über acht Jahre andauernden Steuerstreit zwischen der Münchner Finanzverwaltung und den Cinerenta Medienfonds ist ein Durchbruch gelungen. Nach mehreren Verhandlungsrunden in den laufenden Finanzgerichtsprozessen erkannte das Finanzamt die Gewinnerzielungsabsicht der Fonds an. Die steuerliche Konzeption der Fonds war damit gesetzeskonform, die Anleger erhalten Steuergelder zurück.

Jonas Mark

Jonas Mark

Die jetzige Verständigung beider Seiten fand außerhalb der Gerichtssäle statt. Die Umsetzung wird nicht zuletzt aufgrund der hohen Anzahl der Anleger voraussichtlich einige Jahre in Anspruch nehmen.

Über mehrere Jahre hatte die Geschäftsführung der Cinerenta Medienfonds dafür gekämpft, dass die einst steuerlich anerkannten Verluste, die im Jahr 2009 wegen angeblich fehlender Gewinnerzielungsabsicht von der Bayerischen Finanzverwaltung aberkannt worden waren, wieder anerkannt werden. Zuvor wurden mehrere finanzgerichtliche Verfahren geführt, sowohl über die fünf Cinerenta-Fonds als auch über mehrere Tochtergesellschaften.

Mit der Anerkennung der Gewinnerzielungsabsicht ist nun klargestellt, dass die steuerliche Konzeption der Fonds gesetzeskonform war. Die Cinerenta Medienfonds waren zwischen 1997 bis 2003 aufgelegt worden, nahezu 7.000 Anleger investierten seinerzeit rund 455 Millionen Euro. Die Fondsanleger, die auf Grundlage des geänderten Steuerbescheids 2009 die entsprechenden Steuern vorläufig bezahlt haben, erhalten diese zurück – zuzüglich sechs Prozent Zinsen pro Jahr.

Vertreter Cinerenta Medienfonds
JM (München): Jonas Mark (Litigation); Associate: Stephanie Meyer (Litigation, Steuerrecht)
Inhouse Recht (Grünwald): Dr. Florian Lechner

Alexander Hemmelrath

Alexander Hemmelrath

Vertreter Contor Treuhandgesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (beigeladen)
Hemmelrath (Feldafing/München): Prof. Dr. Alexander Hemmelrath – aus dem Markt bekannt

Finanzamt München
Siegfried Scheer

Finanzgericht München, 12. Senat
Dr. Christof Lindwurm (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Die Cinerenta Medienfonds setzen seit mehreren Jahren auf die Unterstützung der Münchner Litigation-Boutique JM Legal und das Team um Partner Jonas Mark, sowohl in gesellschafts- als auch in steuerrechtlichen Angelegenheiten.

Die inzwischen liquidierte Kanzlei Haarmann Hemmelrath hatte einst die steuerliche Konzeption der Cinerenta Medienfonds entwickelt. Der damalige Namenspartner Alexander Hemmelrath ist heute Geschäftsführer der Contor Treuhandgesellschaft, die als Treuhänderin für den Großteil der Anleger deren Beteiligungen an den Fonds gehalten hat. Zudem ist Hemmelrath seit einem Jahr mit seiner eigenen Steuerberatungsgesellschaft in Feldafing am Starnberger See tätig. Zuvor arbeitete er bis September 2016 für Norton Rose Fulbright. (Stephan Mittelhäuser)