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18.04.2011

Evonik verkauft Industrieruße-Geschäft: Rhone Capital erhält Zuschlag mit Sullivan

Der Essener Chemiekonzern Evonik hat seine Industrieruße-Sparte an den Finanzinvestor Rhone Capital verkauft. Der Transaktionswert liegt inklusive der zu übernehmenden Verpflichtungen bei mehr als 900 Millionen Euro.

Konstantin Technau
Konstantin Technau

Neben Rhone Capital war bis zuletzt auch dessen Konkurrent Triton Advisers mit im Rennen. An dem Carbon-Black-Geschäft von Evonik sollen zudem der auf Beteiligungen in der Chemiebranche spezialisierte Investor Advent International sowie einer der weltweit führenden Reifenruß-Produzenten, das US-Unternehmen Cabot, interessiert gewesen sein.

Auf Seiten von Evonik begleitete die Barclays Bank die Transaktion; Aufsichtsrat und Kartellbehörden müssen noch zustimmen.

Medienberichten zufolge will Rhone die Transaktion mit einer Hochzinsanleihe finanzieren. Gesteuert werden soll die Bond-Emission demnach von den Banken Barclays Capital, Goldman Sachs und UBS.

Die Industrieruße-Gruppe von Evonik erwirtschaftete 2010 mit rund 1.650 Mitarbeitern, davon etwa 500 in Deutschland, einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro. Industrieruße werden in der Reifen- und Gummiindustrie sowie als Pigmentruß für die Verwendung unter anderem in Lacken, Kunststoffen, Druckfarben und Tonern eingesetzt.

Mit dem Verkauf verfolgt Evonik seine Strategie weiter, den einstigen Mischkonzern auf das Chemiegeschäft um die ehemalige Degussa auszurichten und auf einen Börsengang vorzubereiten. Hinter diese Pläne hatte sich Presseberichten zufolge jüngst auch die RAG-Stiftung gestellt, die knapp 75 Prozent der Evonik-Anteile hält. 25,01 Prozent der Anteile hält der Finanzinvestor CVC, der 2008 eingestiegen war.

Die Beteiligungsgesellschaft Rhone Capital wurde 1997 gegründet und unterhält Büros in London, Paris und New York.

Berater Rhone Capital
Sullivan & Cromwell: Dr. Konstantin Technau (Frankfurt), Richard Pollack (New York), Craig Jones (London), Max Birke; Associate: Markus Lauer (beide Frankfurt) – aus dem Markt bekannt
Inhouse: Nicht bekannt

Berater Banken
Linklaters (Frankfurt): Dr. Ralph Drebes (Corporate), Brian Gray (London), Marc Trinkaus
(Frankfurt; beide Bankrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater Evonik
Taylor Wessing
(Düsseldorf): Dr. Klaus Grossmann (Federführung), Dr. Ernst-Albrecht von Beauvais (beide Corporate), Dr. Oliver Klöck, Dieter Lang (beide Umweltrecht), Dr. Sascha Grosjean (Arbeitsrecht), Dr. Bert Kimpel, Thomas Wisniewski (beide Steuern), Dr. Joachim Glatter (Corporate), Dr. Anja Disput, Dr. Anja Fenge (beide Real Estate); Associates: Martin Gerner, Sonja Wagner, Dr. Thomas Kaiser, Dr. Simon Weppner (alle Corporate), Dr. Matthias Klein (Umweltrecht), Bertram Wecke (Steuern), Anne Förster, Dr. Michael Pils (beide Arbeitsrecht)
Inhouse
(Essen): Dr. Melanie Flessner (Leiterin M&A) – aus dem Markt bekannt

Berater Triton
Freshfields Bruckhaus Deringer (Düsseldorf): Dr. Anselm Raddatz; Associates: Dr. Jan Hückel (beide Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Hans-Jörg Schulze (Öffentliches Wirtschaftsrecht), Dr. Martin Kleppe (Gesellschaftsrecht/M&A; Köln) – aus dem Markt bekannt

Berater Advent
Hogan Lovells
(Frankfurt): Dr. Joachim Habetha (Federführung), Robert Welp (Northern Virginia), Philip Cheng (Shanghai), Alessandro Piermanni (Mailand; alle Private-Equity), Bernhard Kuhn, Scott Reisch (Denver; beide Umwelt-/Emmissionsrecht), Dr. Martin Sura (Kartellrecht; Düsseldorf), Dr. Hans-Peter Löw, Carin Carithers (Washington; beide Arbeitsrecht), Bernd Klemm (Pensions), Dr. Patrick Ayad (Commercial; beide München), Dr. Michael Dettmeier (Düsseldorf), Daniel Davidson (Washington; beide Steuerrecht), Dr. Ina Berg-Winters, Alexander Cobey (Northern Virginia), Dr. Benedikt Nagel (alle Private Equity); Associates: Dr. David Jüntgen (Kartellrecht; Düsseldorf), Dr. Stefan Schultes- Schnitzlein (Steuerrecht)

Hintergrund: Sullivan kennt ihre Mandantin Rhone Capital seit Jahren und begleitete den Investor schon bei einigen Transaktionen. So beriet die Kanzlei bereits 2006, als Rhone die Hildener LWB erwarb, einen Hersteller für Feuerfestmaterialien. Zwei Jahre später begleitete die US-Kanzlei dann auch den Weiterverkauf an die brasilianische Magnesita-Gruppe, wie jetzt berieten auch seinerzeit der New Yorker Partner Richard Pollack und Kontantin Technau aus Frankfurt.

Taylor Wessing war dagegen zum ersten Mal für Evonik tätig. Der Kontakt soll Marktinformationen zufolge über den Düsseldorfer Partner Grossmann zustande gekommen sein. Grossmann war 2009 von Clifford Chance in das Düsseldorfer Büro von Talor Wessing gewechselt (mehr…). Clifford beriet Evonik beispielsweise beim Einstieg von CVC 2008 (mehr…). Jedoch ließ sich der Konzern in den Vertragsverhandlungen damals nicht anwaltlich vertreten. Die Rechtsabteilung bereitete allerdings gemeinsam mit Clifford Chance-Anwälten, die auch schon den geplanten und zunächst verschobenen Börsengang vorbereitet hatten, den Datenraum vor. Auch bei der aktuellen Transaktion soll die Inhouse-Abteilung von Evonik Marktinformationen zufolge eine außergewöhnlich aktive und engagierte Rolle eingenommen haben.

Beim Verkauf ihres Energiegeschäfts Steag an ein Stadtwerke-Konsortium hatte der Essener Konzern Freshfields mandatiert (mehr…). Dass die Kanzlei hier an der Seite von Triton auftaucht, ist dennoch keine Überraschung. Erst bei der Übernahme des Brücken- und Tunnelbauspezialisten Dywidag vor wenigen Wochen hatte der Finanzinvestor auf ein Team um Raddatz gesetzt (mehr…). Der Düsseldorfer Partner stand auch Anfang 2010 an Tritons Seite beim Kauf des Elektrotechnikherstellers Dunkermotoren (mehr…). Doch der Finanzinvestor setzt immer wieder auf unterschiedliche Kanzleien. Im Herbst 2010 hatte Triton für den Kauf des Aufzugszubehör-Produzenten Wittur Linklaters mandatiert (mehr…), ebenso beim Kauf der Tyco-Wassersparte (mehr…).

Insbesondere Hogan Lovells-Partner Habetha verfügt seit vielen Jahren über gute Kontakte zu Advent. Beispielsweise beim Kauf von Takko 2007 hatte Advent die Hogan Lovells-Vorgängerkanzlei Lovells mandatiert (mehr…). Beim Ausstieg Ende 2010 kam Hengeler Mueller nach einem Pitch erstmalsbei Advent ins Mandat (mehr…). Hogan Lovells deckte bei dem Angebot für die Carbon Black-Sparte auch den US Teil der
Akquisitionsberatung ab. (Geertje Oldermann)