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01.02.2012

Hochzeit geplatzt: EU-Kommission stoppt Fusion von Deutsche Börse und NYSE

Die EU-Kommission hat den seit Langem geplanten Zusammenschluss der Deutschen Börse mit ihrem US-Wettbewerber New York Stock Exchange (NYSE) untersagt. Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia begründete die Entscheidung damit, dass die Fusionspartner gemeinsam eine Monopolstellung im Handel mit europäischen Derivaten innehätten.

Christian Zschocke

Christian Zschocke

Die europäischen Wettbewerbshüter hatten schon seit Monaten schwere Bedenken zur geplanten Fusion geäußert. Im Mittelpunkt stand dabei der Euro-Derivatehandel. In bestimmten Bereichen halten die Deutsche Börse-Tochter Eurex und die NYSE-Derivatebörse Liffe hier gemeinsam einen Marktanteil von über 90 Prozent weltweit. Im November hatten die Fusionspartner angekündigt, sich nötigenfalls von Teilen ihrer entsprechenden Sparten zu trennen. Vertreter beider Börsen erklärten nun, die EU-Kommission habe die weit größere Bedeutung des außerbörslichen Derivatehandels bei ihrem Urteil nicht berücksichtigt.

Die beiden Börsenkonzerne hatten ihre Fusionspläne vor fast genau einem Jahr bekannt gegeben; schon damals galten die kartellrechtlichen Hindernisse als hoch (mehr…). Der amerikanische Wettbewerber Nasdaq hatte kurze Zeit später ein höheres Gegenangebot für die NYSE-Anteile abgegeben (mehr…), dieses aber im Mai wieder zurückgezogen, nachdem die US-Kartellbehörden schwere Bedenken geäußert hatten. Für eine Fusion der NYSE mit ihrem Frankfurter Wettbewerber hatten die amerikanischen Behörden dagegen im Dezember grünes Licht gegeben.

Berater Deutsche Börse
Morgan Lewis (Frankfurt): Dr. Christian Zschocke (Kartellrecht), Dr. Jens-Dietrich Mitzlaff (Banking & Finance), Dr. Torsten Schwarze, Jean Leygonie (Paris), John Ayanian (alle Bank- und Finanzrecht; Washington), Eva Rayle, Jonathan Uphoff (beide Kartellrecht), Werner Vanderhaeghe (Bank- und Finanzrecht; beide Brüssel); Associates: Dr. Michael Masling, Martin d’Halluin (beide Kartellrecht; Paris)
Linklaters (Düsseldorf): Dr. Carsten Grave, Dr. Wolfgang Deselaers (Brüssel), Thomas McGrath, Jeffrey Schmidt (alle Kartellrecht; beide New York), Andreas Steck (Aufsichtsrecht; Frankfurt); Associates: Dr. Ingo Klauß, Dr. Stefan Einhaus, Marlies Fischer-Albrand, Dr. Johannes Jacobs, Dr. Olivier Gänswein (alle Kartellrecht), Dr. Frederik Winter (Aufsichtsrecht)
Cadwalader Wickersham & Taft (Brüssel): Alec Burnside (Kartellrecht)
Inhouse (Frankfurt): keine Nennungen – aus dem Markt bekannt

Berater NYSE
Cleary Gottlieb Steen & Hamilton (Brüssel): Nicolas Levy, James Modrall, Brian Byrne (Washington), Christopher Cook (alle Kartellrecht)
Wachtell Lipton Rosen & Katz
(New York): David Schwartz (US-Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt
Milbank Tweed Hadley & McCloy (München): Dr. Alexander Rinne; Associate Dr. Andreas Boos (beide Kartell-, Aufsichtsrecht)

Berater Hessisches Wirtschaftsministerium
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Gunnar Schuster, Dr.Thomas Emde, Robert ten Have (Amsterdam; alle Aufsichtsrecht), Dr. Torsten Schreier (IP/IT), Dr. Jan Brinkmann (Steuerrecht), Mark Strauch, Brian Rance (New York; beide Finance/M&A), Dr. Burkhard Richter (Kartellrecht; Düsseldorf), Dr. Claus Pegatzky (Öffentliches Wirtschaftsrecht); Associates: Dr. Jens Kunz (Aufsichtsrecht), Sandra Auer (Steuerrecht), Juliane Ziebarth (Kartellrecht; Düsseldorf)

EU-Kommission (Brüssel): Joaquín Almunia (EU-Wettbewerbskommissar), Alexander Italianer (Generaldirektor Wettbewerb), Dr. Bernd Langeheine (Fusionskontrolle)

Hintergrund: An dieser Stelle sind nur die kartell- und aufsichtsrechtlichen Berater der Börsenfusion genannt. Die vollständigen Beraterlisten finden Sie hier (mehr…).

Auf Seiten der Deutschen Börse gab es im Lauf der Fusionsverhandlungen einen Beraterwechsel: Ursprünglich hatte sich die Börse nicht nur im Gesellschafts- und Aufsichtsrecht, sondern auch im Kartellrecht von Linklaters beraten lassen (mehr…). Der Brüsseler Kartellrechtspartner Burnside blieb auch nach seinem Wechsel zu Cadwalader Wickersham & Taft im Frühsommer 2011 involviert und begleitete die Fusion zunächst gemeinsam mit seinen Ex-Kollegen bei Linklaters weiter.

Im Oktober entschied sich die Deutsche Börse für eine andere Lead-Kanzlei im Kartellrecht. Dass die Wahl auf Morgan Lewis fiel, ist nicht weiter überraschend. US-Partner Ayanian berät die Deutsche Börse bereits seit Beginn der Fusionsverhandlungen parallel zu Linklaters zum amerikanischen Kartellrecht. Die Beziehung der Kanzlei zur Deutschen Börse reicht Jahre zurück. Der Frankfurter Kartellrechtspartner Zschocke hatte unter anderem die Übernahme der International Securities Exchange (ISE) durch die Börsentochter Eurex 2007 begleitet. Für Einzelfragen griff die Deutsche Börse auch nach dem Übergang auf Morgan Lewis weiter auf die beteiligten Linklaters-Anwälte zurück. (Norbert Parzinger)