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17.04.2012

Bundesliga-Rechte: Sky erhält mit Inhouse-Hilfe und Hogan Lovells Zuschlag

Der Kampf um die Übertragungsrechte der Fußballbundesliga ist entschieden: Sky sendet auch von 2013 bis 2017 die Live-Spiele. Überraschend ging die Deutsche Telekom komplett leer aus. Die Deutsche Fußballliga (DFL) erzielte einen Erlös von durchschnittlich 628 Millionen Euro pro Saison.

Holger Enßlin

Holger Enßlin

Im frei empfangbaren Fernsehen erhalten bleiben die ‘Sportschau’ bei der ARD sowie das ‘Sportstudio’ des ZDF. Constantin Medien sendet zudem wie gewohnt über ihr Tochterunternehmen Sport1 die Zusammenfassung von Zweitliga-Spielen. Unter den Bietern war erstmals auch Axel Springer. Das Verlagshaus will seine Internetaktivitäten stark ausbauen und bot erfolgreich auf das sogenannte Paket M: Damit kann Springer von allen Spielen Clips im Web-TV und Mobilfunk anbieten.

Für die DFL ist es ein gelungener Deal. Die Senderechte spülen künftig nämlich pro Saison rund 216 Millionen Euro mehr als bislang in ihre Kassen.

Medienberichten zufolge hatten sich insgesamt 15 Unternehmen für die Endrunde des Bieterprozesses qualifiziert. Zum ersten Mal rüsteten sich gleich zwei potente Bieter für den Rundumschlag: Die Telekom und Sky boten für die Live-Rechte via Satellit, Kabel, IPTV, Mobilfunk und Internet. Bislang hielt der Telekom-Riese nur die Mobilfunk- und IPTV-Rechte, die er an Constantin Sport Medien sublizenzierte. Das Unternehmen produzierte damit das Programm ‚Liga total‘.

An diesem Vermarktungsmodell entzündete sich eine Debatte, als die Telekom ein Komplett-Angebot für die Bundesliga-Übertragung abgab: Das Unternehmen ist zu etwa einem Drittel in Staatsbesitz und hat deshalb aufgrund der medienregulatorischen Vorgaben keine Rundfunklizenz. Die Verträge zwischen Constantin Sport Medien und der Telekom sehen deshalb vor, dass letztere keinerlei Einfluss auf die redaktionelle Programmgestaltung nehmen kann. Die Ausweitung des Vertrags hatte aber die Medienwächter der Bayerischen Landesmedienanstalt (BLM) dazu gebracht, kurz vor Ende des Bieterverfahrens den bestehenden Vertrag für ‚Liga total‘ zu überprüfen.

Erstmals ist die Liga mit einem veränderten Vermarktungsmodell an den Start gegangen. Hintergrund ist ein in der letzten Ausschreibungsrunde 2008 gescheitertes Modell. Die DFL hatte die Vermarktungsrechte davor an die Agentur Sirius gegeben, die dafür 500 Millionen Euro Erlöse pro Saison garantierte. In der Ausschreibungsrunde schaltete sich dann das Kartellamt ein, weil das Modell nicht den Anforderungen einer angemessenen Verbraucherbeteiligung genügte.

In dem Zuge wurde auch das Modell der Zentralvermarktung von den Wettbewerbshütern untersucht. Es folgten Rechtsstreitigkeiten, bis in diesem Januar das Bundeskartellamt der DFL grünes Licht für die Zentralvermarktung gab. Allerdings musste nun eine Vielzahl von Paketen angeboten werden, konkret hat die Liga 19 Pakete und sechs Paketbündel ausgeschrieben.

Berater Sky
Inhouse (Unterföhring): Volker Winter (SVP Sports Rights), Hans Gabbe (Sports Rights), Sabine Christmann (Regulatory Affairs), Holger Enßlin (Vorstand Legal; Regulatory & Distribution)
Hogan Lovells (Berlin): Dr. Christoph Wagner, Dr. Andreas Grünwald; Associate: Dr. Falk Schöning (alle Kartell- und Medienrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater DFL
Inhouse (Frankfurt): Jürgen Paepke, Dr. Holger Blask (beide leitende Justiziare), Christian Frodl (Justiziar)
Noerr (Berlin): Dr. Kathrin Westermann (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt
Lentze Stopper (München): Gregor Lentze, Dr. Martin Stopper, Dr. Felix Holzhäuser
Klinkert Zindel und Partner (Frankfurt): Dr. Hermann Schlindwein, Piet Bubenzer; Associates: Dr. Thomas Körber, Dr. André Soldner
CMS Hasche Sigle: Dr. Sebastian Cording (Hamburg), Dr. Pietro Graf Fringuelli (Köln)
K&L Gates (Frankfurt): Dr. Matthias Grund, Dr. Bastian Bongertz (beide Bank- und Finanzrecht)

Berater Deutsche Telekom
Inhouse (Bonn): Claudia Bobermin – aus dem Markt bekannt
Jones Day (München): Prof. Dr. Wolfgang Büchner (Medienrecht), Dr. Thomas Jestaedt (Kartellrecht; Brüssel) – aus dem Markt bekannt

Berater Sport1/Constantin Sport Medien
Inhouse (München): Dr. Matthias Kirschenhofer (General Counsel), Dr. Andreas Blaue (Leiter Recht Constantin Medien), Dr. Johannes Ranke (Leiter Lizenzen) – aus dem Markt bekannt
Noerr (München): Dr. Martin Diesbach, Prof. Dr. Johannes Kreile – aus dem Markt bekannt

Berater ARD: Nicht bekannt

Berater ZDF
Inhouse (Mainz): Peter Weber (Justiziar), Dr. Caroline Volkmann

Berater ProsiebenSat.1
Inhouse (Unterföhring): Jörn Radtke (Vice President Sport/Sportrechte)

Berater Axel Springer
Inhouse (Berlin): Dr. Bernd Linke (Abteilung Gesellschaftsrecht), Dr. Jana Moser (Abteilung Verlagsrecht)

Hintergrund: Schon bei der letzten Ausschreibung 2008 hatte sich gezeigt, dass die inzwischen stark ausgebauten Rechtsabteilungen der Medienhäuser den Rechteerwerb meist ohne externe Hilfe bewerkstelligen (mehr…). Durch die neue Bieterkonstellation und auch die strengen Vorgaben des Bundeskartellamts war diesmal aber auch eine Reihe von Kanzleien aktiv.

Wer externen Rat brauchte, verließ sich häufig auf altbewährte Berater. So waren die CMS-Juristen und Schlindwein auch schon in der letzten Ausschreibungsrunde für die DFL aktiv, wobei letzterer in der Zwischenzeit von Ashurst zu Klinkert Zindel wechselte (mehr…). Anders als zuletzt war neben der starken Inhouse-Abteilung der DFL in dieser Runde zusätzlich die auf Sportrecht spezialisierte Kanzlei Lentze Stopper involviert. Sie beriet zur Erstellung mehrerer Ausschreibungsunterlagen und hat seit 2008 immer wieder für die DFL gearbeitet.

Die DFL-Juristen zeichneten verantwortlich für die Ausschreibungsunterlagen, besondere Regelungen des Verwertungsvertrags und das Thema redaktionelle Nebenrechte. Zudem organisierten sie das eigentliche Vergabeverfahren. Im vorangegangenen Abstimmungsprozess mit dem Bundeskartellamt war zudem Noerr-Partnerin Westermann tätig. Sie wurde 2009 von der DLF mandatiert, als es zum Streit mit dem Bundeskartellamt wegen der Zentralvermarktung kam (mehr…).

Auch Sky setzte vor allem auf ihre Inhouse-Kompetenz, griff jedoch aufgrund der neuen Rahmenbedingungen auch auf externe Unterstützung zurück. Mit den Medien- und Kartellrechtlern von Hogan Lovells kamen Anwälte zum Zug, die seit Langem für die Sky-Mutter Newscorp tätig sind und verstärkt auch in der operativen Beratung der Gesellschaft zu sehen sind.

Jones Day-Partner Büchner ist als externer Berater für die Telekom ebenfalls keine Überraschung. Der von Hogan Lovells gewechselte Medien- und IT-Experte ist seit Langem für das Telekommunikationsunternehmen tätig, was nicht zuletzt nach der Fusion von Hogan & Hartson Raue und Lovells zu Hogan Lovells zu Mandatskonflikten führte. Diese Konflikte veranlassten Büchner zum Wechsel (mehr…). Marktinformationen zufolge war der Medienrechtler schon in der letzten Ausschreibungsrunde bei der Erstellung des Vertrags zwischen der Telekom und Constantin Sport um ‘Liga Total’ aktiv.

Auch Noerr ist dem Vernehmen nach erneut in diesen Komplex aufseiten von Constantin eingebunden gewesen. Die Kanzlei berät das Medienunternehmen seit vielen Jahren regelmäßig, wenn auch nicht exklusiv. (Simone Bocksrocker, Rene Bender)