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23.04.2012

Leidenschaft für Italien: Audi setzt bei Ducati-Kauf auf Linklaters und Pirola

Audi steigt mit der Übernahme der italienischen Edelmarke Ducati in das Motorradgeschäft ein. Die Aufsichtsräte vom Mutterkonzern Volkswagen und von Audi akzeptierten den Deal, der laut Presseberichten 860 Millionen Euro kosten wird. Verkäuferin ist die italienische Beteiligungsfirma Investindustrial.

Hans-Joachim Holzapfel

Hans-Joachim Holzapfel

Ducati war mit Sitz in Bologna und rund 1.100 Mitarbeitern in den Händen der Private-Equity-Gruppe, die sich vor allem in Italien und Spanien engagiert. Der Motorradbauer erwirtschaftete im vergangenen Jahr 480 Millionen Euro Umsatz und verkaufte 42.000 Maschinen, was laut dem bisherigen Besitzer einem weltweiten Marktanteil von elf Prozent entspricht.

Seit etwas mehr als einem Jahr kooperieren die Italiener mit Mercedes AMG, der Daimler-Touringschmiede. Daimler will allerdings die Zusammenarbeit beenden, weil Ducati nun in den Händen eines Konkurrenten ist.

Ducati gehört zum Premiumsegment und daran soll sich laut Audi auch nichts ändern. Der Autobauer hat bereits Erfahrung mit italienischen Nobelmarken: Für den Sportwagenbauer Lamborghini sind die Ingolstädter schon seit Jahren zuständig.

Berater Audi
Linklaters (München/Mailand): Hans-Joachim Holzapfel, Giovanni Pedersoli (beide Federführung), Stephan Oppenhoff (Corporate; Frankfurt), Bernd Meyring (Antitrust; Brüssel); Associates: Dr. Martina Wind, Dirk Horcher (London), Pietro Belloni, Lorenzo Fabbrini (alle Corporate), Lars Küpper, Andreas Eberhardt, Katarzyna Tosza (alle Brüssel; alle Antitrust), Antongiulio Scialpi (Banking)
Pirola Pennuto Zei & Associati (Mailand): Gabriele Bricchi (Federführung), Dr. Andrea Vagliè, Dr. Bettina Solimando (beide Steuern), Dr. Cora Steinringer
Sibeth (München): Dr. Dagobert Nitzsche; Associates: Dr. Christina Prinzhorn (Frankfurt), Dr. Johannes Stehr, Kerstin Thiel, Julia Wiefel (alle Due Diligence für Deutschland)
Inhouse (Ingolstadt): Joachim Schlutz, Norbert Ziesler

Berater Investindustrial
Chiomenti (Mailand): Carlo Croff, Luigi Vaccaro; Associate: Patrizia Liguti
Di Tanno e Associati (Mailand): Eugenio Romita
Inhouse (Lugano; Schweiz): Marco Pierettori

Hintergrund: Bereits seit der Übernahme von Lamborghini 1998 greift Audi regelmäßig bei Transaktionen in Italien auf die italienische Sozietät Pirola zurück. Die Kanzlei übernahm mit rund 25 Anwälten und Steuerberatern nun die Due Diligence beim Ducati-Kauf. Zudem beriet sie zum Steuerrecht. So koordinierte Pirola in acht Jurisdiktionen die Zusammenarbeit mit örtlichen Kanzleien und Steuerberatungsunternehmen. Dabei war Sibeth für den deutschen Teil der Due Diligence beauftragt worden.

Bei deutschen Deals tauchte in den vergangenen Jahren mehrmals Noerr an der Seite des Autobauers auf. So im Jahr 2009, als er beim FC Bayern einstieg (mehr…) und im Jahr 2004, als er sich an der Vertragshändlergesellschaft für seine Marke beteiligte (mehr…). Im März dieses Jahres setzte Audi bei zwei kleineren Transaktionen auf die MDP-Kanzlei Rödl & Partner. Der Konzern übernahm PSW und CSI, zwei mittelständische Firmen aus dem Bereich Automobilentwicklung.

Der Kontakt zwischen Audi und Linklaters kam über Volkswagen zustande. Die Kanzlei berät das Mutterunternehmen gesellschaftsrechtlich, so etwa bei der Übernahme von MAN (mehr…) vor einem Jahr. Für die Kanzlei ist der Kauf von Ducati der bislang größte Deal, den ihre deutschen und italienischen Anwälte gemeinsam gestemmt haben.

Audi zog zusätzlich Finanzberater Lazard und Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers zu Rate. Ziesler hatte die Aufsichtsratsgenehmigung vorbereitet. Schlutz war bis November 2010 Leiter Konzern-Sicherheit, mittlerweile ist er für die rechtliche Begleitung internationaler Standortprojekte zuständig. Darunter fallen der Ausbau des Werks im ungarischen Győr und der Bau eines Werks in Mexiko.

Chiomenti gehört zu den umsatzstärksten Kanzleien in Italien und kooperiert mit einer Reihe ausländischer Kanzleien. Gemeinsam mit Cleary Gottlieb Steen & Hamilton beriet sie 2011 den italienischen Energiekonzern Eni, als er für 860 Millionen Euro Anteile an deutschen und schweizerischen Gaspipelines verkaufte (mehr…). Auch aus der Autobranche kann die italienische Sozietät einen namhaften Mandanten vorweisen: 2008 begleitete sie die Gruppe CVS Ferrari bei einer geplanten Übernahme, die das Bundeskartellamt letztlich vereitelte (mehr…).

Pierettori ist der einzige Inhouse-Jurist bei Investindustrial. (Astrid Jatzkowski, Parissa Kerkhoff)