Artikel drucken
18.07.2012

Öko-Mode: Capvis übernimmt mit Latham & Watkins Hess Natur

Der Schweizer Investor Capvis hat den deutschen Naturmodehersteller Hess Natur erworben. Verkäuferin ist die Primondo Speciality Group, ein Tochterunternehmen des insolventen Arcandor-Konzerns. Laut Presseberichten zahlt Capvis einen Kaufpreis von rund 40 Millionen Euro.

Christian Edye

Christian Edye

Hess Natur ist eigenen Angaben zufolge der größte Anbieter für natürliche Mode im deutschsprachigen Raum. Das Unternehmen hat zuletzt 330 Mitarbeiter beschäftigt und 73 Millionen Euro umgesetzt.

Gegen den Deal formierte sich aufseiten der Arbeitnehmerschaft heftiger Widerstand. Betriebsratschef Walter Strasheim-Weitz reichte vor dem Arbeitsgericht Gießen Klage gegen Hess Natur ein, um den Verkauf untersagen zu lassen. Sein Argument: Der Wirtschaftsausschuss des Unternehmens sei bei dem Verkaufsprozess nicht ausreichend informiert worden. Das Gericht wies die Klage zurück, die fehlenden Informationen werden nachgereicht.

Der Betriebsratschef ist auch stellvertretender Vorstand der Genossenschaft hnGeno. Diese hatten Hess Natur-Kunden und -Mitarbeiter gegründet, um das Unternehmen selbst zu kaufen.

Berater Capvis
Latham & Watkins (Hamburg): Dr. Björn Dißars, Dr. Christian Edye (beide Federführung; Gesellschaftsrecht/M&A)

Berater Primondo Specialty Group
P+P Pöllath + Partners (München): Dr. Matthias Bruse, Jens Hörmann (beide Federführung; Gesellschaftsrecht/M&A), Alexander Pupeter (Steuern); Associates: Franca Detert, Solveig Polsfuß (beide Gesellschaftsrecht/M&A)

Berater Hess Natur
Taylor Wessing
(München): Rüdiger Rau (Arbeitsrecht)

Berater Arbeitnehmervertreter
Jürgen Schreiber (Marburg) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die Käuferin hat bei dem Deal auf eine bekannte Beraterin gesetzt. Latham & Watkins hat seit Ende der 1990er-Jahre viele Capvis-Transaktionen in Deutschland begleitet. So war die Kanzlei etwa bei der Akquisition der Württembergischen Metallwaren Fabrik (WMF) tätig sowie bei dem Co-Investment in Wittur, einem Zulieferer für die Aufzugindustrie. Erst Ende 2011 beriet Latham Capvis, als sie erwägte, beim insolventen Druckmaschinenhersteller Manroland einzusteigen (mehr…).

Auch die Mandatsbeziehung zwischen Primondo und P+P Pöllath + Partners ist nicht neu. Die Kanzlei beriet die Verkäuferin etwa bei der Veräußerung der sechs Quelle-Spezialversender an die Beteiligungsgesellschaft Carlyle (mehr…). Damals kam P+P über einen Pitch ins Mandat. Beim aktuellen Deal musste sie sich nicht erneut in einem Beautycontest beweisen, sondern erhielt das Mandat direkt.

Im arbeitsrechtlichen Streit verlässt sich Hess Natur auf Taylor Wessing. Das ist nicht überraschend: Partner Rau arbeitet für die bisherige Eigentümerin Primondo bereits seit anderthalb Jahren immer wieder vor allem bei kollektivrechtlichen Themen. (Christin Nünemann)