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2012-10-02

Nun doch noch: Talanx schafft mit Hengeler den Sprung an die Börse

Der drittgrößte deutsche Versicherer Talanx hat den Schritt an die Frankfurter Börse nun doch noch geschafft. Der Hannoveraner Konzern nimmt durch die Emission fast 520 Millionen Euro ein. Damit ist es der erste größere Börsenstart seit Mai 2011. Vor drei Wochen hatte Talanx den IPO noch kurzfristig abgesagt, weil das Interesse der Investoren zu gering war.

Reinhold Ernst

Der Konzern kam den Anlegern daraufhin entgegen. Ein Bankenkonsortium um die Deutsche Bank und die Berenberg Bank verengte die Preisspanne und teilte die Papiere nun am unteren Ende dieser Spanne zu. Maßgeblichen Einfluss auf die doch noch erfolgreiche Platzierung soll Medienberichten zufolge die Berenberg Bank gehabt haben, die in den vergangenen Wochen zum zweiten Konsortialführer neben der Deutschen Bank aufstieg. Die Citigroup und JPMorgan mussten dagegen nach dem missglückten ersten Anlauf ins zweite Glied des Konsortiums rücken und verloren ihre Funktion als globale Koordinatoren. Dem Konsortium war vorgeworfen worden, beim ersten IPO-Versuch überzogene Preiserwartungen geweckt zu haben.

Das Volumen der Emission verkleinerte sich nun allerdings um 200 Millionen Euro. Insgesamt platzierte das Konsortium rund elf Prozent der Papiere, Mehrheitseigner bleibt mit derzeit noch rund 82 Prozent der Anteile der Versicherungsverein HDI. 300 Millionen Euro kamen vom japanischen Lebensversicherer Meiji Yasuda Life hinzu, mit dem Talanx bei der Expansion in Osteuropa und in Südamerika kooperiert. Er tauscht eine Wandelanleihe in rund sechs Prozent der Talanx-Aktien. Insgesamt wird Talanx nun mit rund 4,6 Milliarden Euro bewertet.

Der letzte große IPO war der des Immobilienkonzerns GSW, der im Mai 2011 rund eine halbe Milliarde Euro einsammelte. Möglicherweise könnte Talanx jetzt der viel beschworene Eisbrecher sein, denn es steht sogar eine milliardenschwere Emission in den Startlöchern, die des Mobilfunkanbieters O2. Bis Ende Oktober will der spanische Mobilfunkkonzern Telefonica rund 20 Prozent seiner deutschen Tochter an die Frankfurter Börse bringen und dadurch rund 1,5 Milliarden Euro einnehmen.

Berater Talanx
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Dr. Reinhold Ernst, Dr. Maximilian Schiessl (beide Federführung), Dr. Dirk Busch (alle Kapitalmarkt- und Gesellschaftsrecht), Dr. Daniel Wilm (Versicherungsaufsichtsrecht); Associates: Dr. Thomas Paul, Daniela Klar, Olaf Berner, Dr. Daniel Halmer, Henrik Humrich, Wolfram Joppich, Peter Kuhn, Robert Stiefelhagen (alle Kapitalmarkt- und Gesellschaftsrecht)
Simpson Thacher & Bartlett (London): Gregory Conway (Kapitalmarktrecht; Privatplatzierung USA) – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Hannover): Wolfgang Rüdt (Chefsyndikus), Caroline Schlienkamp (Leiterin Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht), Ralf Schäfer – aus dem Markt bekannt

Berater Banken
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Andreas König (Federführung), Dr. Christoph Gleske, Mark Strauch ((alle Kapitalmarktrecht), Dr. Wessel Heukamp (Versicherungsrecht; München), Dr. Rene Döring (Arbeitsrecht), Dr. Tobias Teufel (Steuerrecht); Associates: Ulrich Weidemann, Tim Knauff, Sharon Doku, Julian Schulze de la Cruz (alle Kapitalmarktrecht), Peter Haberrecker, Michael Moritz (beide Versicherungsrecht; beide München), Andreas Thümmler (Finanzrecht), Danielle Herrmann, Dr. Birga Tanneberg (beide IP/IT), Maximilian Heck (Gesellschaftsrecht/M&A), Sabrina Raatz (Kartellrecht; Düsseldorf), Dr. Claus Pegatzky (Öffentliches Wirtschaftsrecht), Dr. Carolin Hofmann (Immobilienrecht), Wjatscheslav Anissimov (Steuerrecht)
Inhouse (Deutsche Bank; Frankfurt): Dr. Andreas Meyer, Ingo Hatzmann – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Berenberg Bank; Frankurt): Marc Christian Gei (Director), Moriz Musinowski (beide ECM-Team)

Berater Meiji Yasuda Life
Baker & McKenzie (Frankfurt): Dr. Christoph Wolf (Federführung), Dr. Manuel Lorenz, Dr. Nikolaus Reinhuber, Jiro Toyokawa (Tokio), Tilman Wink (Federführung); Associates: Kiyoshi Endo, Seiji Tomimoto (beide Tokio; alle Corporate)

Hintergrund: Hengeler gehört seit Langem bei Transaktionen zu den Stammberatern von Talanx , insbesondere Schiessl pflegt seit rund zwei Jahrzehnten enge Kontakte zu dem Versicherer. So begleitete er schon 1994 den Börsenstart der Talanx-Tochter Hannover Rück, deren damaliger Finanzvorstand Herbert Hass heute an der Spitze von Talanx steht. Im vergangenen Jahr beriet ein Team unter Schiessls Führung beim Verkauf des Rechtsschutzgeschäfts an Roland (mehr…) und erst vor wenigen Monaten stand die Sozietät dem Versicherer bei einem Zukauf in Polen zur Seite (mehr…). Beim jetzigen IPO kam auch dem Düsseldorfer Partner Reinhold Ernst eine maßgebliche Rolle zu.

Das Freshfields-Kapitalmarktteam gehört ebenso wie das von Hengeler zur Spitze in Deutschland. So beriet die Sozietät auch die GSW, Emittentin des bis dato letzten großen IPO hierzulande (mehr…). Daneben gehört die Kanzlei auch zu den bevorzugten Adressen der Deutschen Bank, auch wenn die Beziehungen von Hengeler zu dem Kreditinstitut als noch intensiver gelten. (René Bender)