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24.02.2014

Großinvestment: VW will Scania mit Inhouse- und Clifford-Hilfe schlucken

Der Wolfsburger Autobauer Volkswagen will seine schwedische Nutzfahrzeugtochter Scania komplett übernehmen und dafür 6,7 Milliarden Euro zahlen. Den Minderheitsaktionären bietet VW 22,26 Euro je Aktie. Dies ist ein Aufschlag von mehr als 50 Prozent auf den durchschnittlichen Aktienkurs der vergangenen drei Monate.

Wolfgang Richter

Scania hat einen unabhängigen Ausschuss gebildet, der das Angebot prüfen soll. Zwei institutionelle Investoren kündigten bereits an, die Offerte abzulehnen, so Presseberichte. Voraussetzung für den Erfolg der Übernahme ist, dass VW 90 Prozent der Papiere einsammelt. Anschließend sollen die verbliebenen Scania-Aktionäre per Sqeeze-out herausgedrängt und der Traditionskonzern von der Stockholmer Börse genommen werden.

VW will den Deal aus Barmitteln, durch eine Kapitalerhöhung über zwei Milliarden Euro und eine Hybridanleihe finanzieren. Der Autokonzern hatte 2008 für rund 2,9 Milliarden Euro überraschend die Mehrheit an Scania übernommen. Zuletzt hielten die Wolfsburger und deren Nutzfahrzeugtochter MAN zusammen 62,6 Prozent des Kapitals und 89,2 Prozent der Stimmrechte an Scania. Mit der Komplettübernahme will VW die Zusammenarbeit seiner beiden LKW-Töchter MAN und Scania forcieren.

Berater VW
Inhouse Recht (Wolfsburg): Michael Ganninger (Chefjustiziar), Gudrun Letzel (Leitung Konzernrecht Nutzfahrzeuge), Dr. Elke Kayser Dr. Meike Hentschel-Bednorz
Clifford Chance (Frankfurt): Dr. Wolfgang Richter (Corporate), George Hacket
Roschier (Stockholm): Ola Åhman, Mattias Friberg (beide Corporate); Associate: Emil Hedberg
Linklaters: Hans-Joachim Holzapfel (München), Stephan Oppenhoff

Berater Scania
Hammarskiöld (Stockholm): Peder Hammarskiöld – aus dem Markt bekannt

Berater unabhängiger Ausschuss (Committee)
Mannheimer Swartling (Stockholm): Eva Hägg

Hintergrund: Größtenteils war es ein Wiedersehen der Beraterteams, die bereits die Übernahme der Mehrheit an Scania durch VW vor knapp sechs Jahren begleiteten. Wie seinerzeit wickelte VW den Deal wesentlich über die eigene Rechtsabteilung ab. Daneben griff der Autobauer hierzulande auf die langjährige Stammberaterin Clifford zurück, die vor allem im Gesellschafts-, Bank- und Finanzrecht als nahezu gesetzte Sozietät für größere Mandate gilt.

Jüngerer Natur war 2008 noch die Zusammenarbeit von VW und dem Stockholmer Büro der finnischen Top-Kanzlei Roschier: Die Mandatsbeziehung dort ging damals insbesondere auf Axel Callissendorff zurück, einen der renommiertesten schwedischen M&A-Anwälte. Er war 2005 von Mannheimer Swartling zu Roschier gestoßen und hatte für die Sozietät deren Stockholmer Büro eröffnet. Seit dem vergangenen Jahr ist Calissendorf aber in eigener Kanzlei tätig.

Der Mandatsbeziehung zu Roschier tat dies offensichtlich keinen Abbruch. Die Federführung hatte nun Ola Åhman, der vor sechs Jahren ebenfalls bereits mit dabei war. Linklaters wiederum verfügt seit Langem über eingespielte Beziehungen zum VW-Aufsichtsrat. 

Auch Scania wählte mit Hammarskiöld und deren Namenspartner einen Vertrauten, auf den der LKW-Bauer schon vor sechs Jahren setzte. (René Bender)