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30.04.2014

CoCo-Bonds: Deutsche Bank polstert Kapital mit Freshfields um Milliardensumme auf

Die Deutsche Bank besorgt sich durch die Emission neuartiger, eigenkapitalähnlicher Anleihen 1,5 Milliarden Euro. Mit den sogenannten CoCo-Bonds (Contingent Convertible Bonds), die als zusätzliches Kernkapital (Additional Tier-1) gelten, verbessert sie ihre Verschuldungsquote und wappnet sich für den anstehenden Stresstest nach den verschärften Eigenkapitalregeln der Europäischen Zentralbank.

Christoph Gleske

Bisher erfüllte sie die gesetzlich vorgeschriebene Verschuldungsgrenze von 3,1 Prozent der Bilanzsumme nur knapp. Zudem dient das Geld als Puffer für Krisenzeiten. Das Konsortium, das die Bank bei dem Deal begleitet, ist noch nicht bekannt. CoCo-Bonds sind Anleihen, die so konstruiert sind, dass sie temporär ausfallen oder sich automatisch in Aktien umwandeln, wenn die Eigenkapitalquote des Emittenten den kritischen Wert von 5,125 Prozent unterschreitet. Dies soll sicherstellen, dass künftig nicht wieder Steuerzahler einspringen müssen, wenn eine Bank in eine existenzbedrohende Schieflage gerät. An ihrer Stelle sollen die fast ausnahmslos institutionellen Anleger der renditeträchtigen Papiere in die Pflicht genommen werden.

Neben der Deutschen Bank plant auch die Aareal Bank die Ausgabe von CoCo-Bonds, die Commerzbank prüft diese Möglichkeit zumindest. Das Bundesfinanzministerium hatte erst vor Ostern die steuerlichen Rahmenbedingungen für zusätzliches Kernkapital geklärt, sprich Zinszahlungen auf diese Instrumente als abzugsfähig bestätigt. Die Regeln entsprechen nun weitgehend der Praxis in anderen europäischen Staaten. Dort, vor allem der Schweiz, aber auch Frankreich, nutzen Banken CoCo-Bonds schon länger, insbesondere solche mit einem Zwangstausch in Aktien. In Deutschland hatte lediglich die kleine Münchner Bank Merkur kürzlich zusätzliches Kernkapital begeben.

Die Deutsche Bank verzichtet bei ihren CoCo-Bonds auf einen zwanghaften Tausch in Aktien in Krisenzeiten, anstelle dessen würden die Papiere vorübergehend ausfallen. Die Transaktion ist eine weitere in einer Reihe von Kapitalmaßnahmen bei Deutschlands größtem Geldhaus. Im vergangenen Jahr hatte sie ihr Kapital zunächst um 3 Milliarden Euro erhöht und dann weitere 1,5 Milliarden Euro über andere Kapitalinstrumente eingesammelt. Wegen fragwürdiger Geschäfte in der Vergangenheit war der Profit zuletzt deutlich eingebrochen, unter anderem binden Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten viel Kapital. Deshalb zapft sie nun den Markt an, um frisches Geld einzusammeln. Bis Ende 2015 will sie ihr Kernkapital mit bis zu fünf Milliarden Euro stärken.

Berater Deutsche Bank
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Christoph Gleske – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht: Nicht bekannt

Hintergrund: Freshfields gehört zu den erfahrensten Kanzleien in der Beratung zu eigenkapitalähnlichen und als Kernkapital geltenden Anleihen hierzulande und zählt etwa neben Hengeler Mueller und Cleary Gottlieb Steen & Hamilton zum engeren Beraterkreis der Deutschen Bank in diesen Fragen.

Zu den internationalen Pionieren bei CoCo-Bonds gehören insbesondere die Credit Suisse und die UBS. Für die Begleitung der ersten CoCo-Anleihe überhaupt hatte die Credit Suisse dabei vor drei Jahren Linklaters gewählt. Hierzulande hatte die Merkur Bank kürzlich Hengeler Mueller für ihre Additional Tier-1-Anleihe mandatiert. Die Kanzlei begleitete parallel dazu auch den Bundesverband deutscher Banken in Fragen zu Musterbedingungen für diese Form von Anleihen. (René Bender)