Artikel drucken
11.03.2016

Petroplus-Insolvenz: Jaffé bringt Vergleich unter Dach und Fach

Im vierten Jahr nach der Insolvenz der europäischen Petroplus-Gruppe hat der Verwalter der deutschen Gesellschaften, Dr. Michael Jaffé, einen weitreichenden Vergleich abgeschlossen. Partner dafür sind die finanzierenden Banken um die ING Bank sowie die Schweizer Liquidatoren der Petroplus Marketing, ursprünglich die Hauptgesellschaft der Gruppe.

Michael Jaffé

Michael Jaffé

Durch den Vergleich sind von den Banken 200 Millionen Euro an Jaffé zurückgeflossen, außerdem kommen mehr als 185 Millionen Euro von der Schweizer Gesellschaft. Sowohl die Banken als auch Petroplus Marketing hatten im Rahmen der Insolvenz Sicherheiten verwertet. Der bereits im Oktober 2015 erzielte Vergleich ist von den deutschen Gläubigerversammlungen abgesegnet und jetzt vollzogen worden. Petroplus war früher Europas größter unabhängiger Raffineriebetreiber mit einem Umsatz von rund 20 Milliarden US-Dollar.

Insolvenzverwaltung Petroplus (Deutschland)
Jaffé (München): Dr. Michael Jaffé (Insolvenzverwalter), Dr. Michael Schuster (Federführung Litigation, internationales Insolvenzrecht)

Berater Insolvenzverwalter
Görg (Köln): Dr. Jochen Lehmann (Lititgation/Insolvenzrecht)
Travers Smith (London): Andrew Eaton (Bankrecht)
Walder Wyss (Zürich): Dr. Mark Reutter, Oliver Kunz (Schweizer Insolvenzrecht)

Nachlassliquidation (Schweiz)
Wenger Plattner (Basel): Brigitte Umbach-Spahn, Karl Wüthrich

Berater Banken
Linklaters: Mirthe van Kesteren (Bankrecht; London), Kolja von Bismarck, Sabine Vorwerk (beide Insolvenzrecht/Restrukturierung; beide Frankfurt) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Jaffé setzte für die Litigation-Aspekte zum einen auf die eigenen Anwälte, die in der angegliederten Jaffé LLP auf Prozessführung spezialisiert sind, und zum anderen auf Görg. Jaffé und Görg haben nicht zuletzt in der Insolvenz von Kirch Media viele Jahre intensiv zusammengearbeitet. Wenn Jaffé als Verwalter Prozesse führt, schaltet er aber auch andere Berater ein. Als Qimonda-Insolvenzverwalter mandatierte er SZA Schilling Zutt & Anschütz sowie Bub Gauweiler & Partner, um von Infineon Schadensersatz zu erhalten. Beim Verkauf der deutschen Petroplus-Raffinerie in Ingolstadt hatte Jaffé im August 2012 auf Tilman Rückert, damals Corinius in Hamburg, gesetzt. Rückert wurde Ende 2013 Mitgründer von Lawentus.

Die Schweizer Liquidatoren hatten unmittelbar nach dem Insolvenzantrag Schultze & Braun für die Vertretung in den deutschen Belangen mandatiert. Auf politischen Druck hatten die Schweizer bereits im Frühjahr 2012 einen Vergleich in Frankreich abgeschlossen, der zur Einrichtung einer Treuhand für das französische Geschäft führte. Dabei hatten sie vor Ort auf BMH Avocats und CMS Bureau Francis Lefebvre gesetzt.

Linklaters berät regelmäßig Banken oder Bankenkonsortien zu Restrukturierungsthemen. So war Partner von Bismarck etwa bei dem Verkauf und der Refinanzierung der Basler Fashion Group an Tempus aktiv. Bei der Aushandlung des Insolvenzplans von IVG Immobilien vertrat er eine wichtige Gläubigergruppe. (Markus Lembeck)