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19.05.2017

Navigation: Ex-Airbus-Sparte sichert sich mit Hengeler und Inhouse-Hilfe EuroAvionics

Die Airbus-Abspaltung Hensoldt kauft erstmals zu und erwirbt die Mehrheit an EuroAvionics. Das Pforzheimer Unternehmen stellt Navigationstechnik für Hubschrauber und Drohnen her. Verkäufer ist das Private-Equity-Haus Equistone, das die Beteiligung 2012 erworben hatte. Kaufpreise wurden damals wie heute nicht bekannt. Hensoldt ist die ehemalige Rüstungselektroniksparte von Airbus und war im vergangenen Jahr mehrheitlich vom Investor KKR gekauft worden.

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Daniel Wiegand

Hensoldt entwickelt Sensoren zur militärischen Nutzung und hält rund 1000 Patente. 4000 Mitarbeiter an vier Standorten erwirtschaften einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro im Jahr. EuroAvionics ist erste Zukauf des noch jungen Unternehmens, das nach einem Bieterverfahren den Zuschlag erhielt. 

Mit der Übernahme stellt sich Hensoldt breiter auf und bietet neben militärischen auch Navigationssysteme an, die in der zivilen Luftfahrt genutzt werden. EuroAvionics hat vor kurzem Autopiloten für zivile Drohnen auf den Markt gebracht. Das Unternehmen entstand 1993 im baden-württembergischen Pforzheim und hat zuletzt 20 Millionen Euro umgesetzt.

Der amerikanische Investor KKR hält seit Februar 75 Prozent an Hensoldtt, die Milliarden-Transaktion wurde nach langem politischem Tauziehen im Februar 2017 von den Behörden genehmigt . Erst seit März führt das Unternehmen auch offiziell den Namen Hensoldt, bis dahin firmierte es als Airbus DS Electronics and Border Security.

Hensoldt konnte aus diesem Grund auch erst spät in das laufende Bieterverfahren um EuroAvionics einsteigen und hat dem Vernehmen nach kurzfristig einen weiteren unbekannten Bieter aus dem Rennen geworfen.

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Solms Wittig

Berater Hensoldt
Inhouse Recht (Taufkirchen): Solms Wittig (General Counsel), Dr. Carolin Weirauch
Inhouse Steuern (Taufkirchen): Dr. Olaf Mäder
Hengeler Mueller: Dr. Daniel Wiegand (München); Dr. Christian Schwandtner (Düsseldorf; beide Federführung; beide M&A), Dr. Alf-Henrik Bischke (Kartellrecht), Prof. Dr. Dirk Uwer (Öffentliches Wirtschaftsrecht), Patrick Wilkening (IP-Recht; alle Düsseldorf), Dr. Mathias Link (Steuerrecht; Frankfurt); Associates: Dr. Daniel Möritz, Dr. Achim Spengler (beide M&A; München), Dr. Anja Balitzki (Kartellrecht; Düsseldorf), Dr. Sonnhild Draack (Arbeitsrecht), Dr. Steffen Hörner (Steuerrecht; beide Frankfurt), Dr. Michael Schramm, Dr. Deniz Tschammler (Öffentliches Wirtschaftsrecht), Dr. Maximilian Wosgien (IP-Recht; alle Düsseldorf), Peter Wehner (Arbeitsrecht; Frankfurt)
EY (Eschborn): Konstanze Nardi (Financial Due Diligence; London), Michael Adolf, Stella Posnak (Hamburg; beide Tax Due Diligence)

Berater EuroAvionics/Management
P+P Pöllath + Partner (München): Dr. Andrea von Drygalski (Federführung), Dr. Benedikt Hohaus, Dr. Ralf Begjan; Associates: Andrea Beilborn (alle Private Equity/M&A)
Dechert (Brüssel): Prof. Dr. Hans Mayer-Lindemann (Kartellrecht)
KPMG (München): Tobias Ackert (Steuerrecht; Federführung), Rainer Mohr (Steuerberater; Frankfurt)

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Andrea von Drygalski

Hintergrund: Hensoldt stand ein großes Hengeler-Team um die federführenden Partner Wiegand und Schwandtner zur Seite. Hengeler gilt als eine der wenigen Kanzleien, die regelmäßig von KKR, dem Mehrheitsgesellschafter Hensoldts, mandatiert wird. Auch beim politisch umstrittenen Erwerb des Airbus-Spin-off war Hengeler in zentraler Funktion im Boot. An der ersten Akquisition des Unternehmens war auch Wittig, der ehemalige General Counsel von Linde, maßgeblich beteiligt. Der 53-jährige führt seit März die 25-köpfige Rechtsabteilung von Hensoldt und hat auch in seiner Zeit bei Linde schon mit Hengeler gearbeitet. Die Kanzlei berät Linde aktuell bei den Fusionsgesprächen mit Praxair. Hengeler war mit Partner Link auch für die steuerlichen Fragen des Deals zuständig. EY unterstützte Hensoldt bei der Transaktion steuerrechtlich.  

Equistone mandatiert regelmäßig die Münchner Private-Equity-Spezialistin  von Drygalski und ihr Team von P+P. Zuletzt etwa beim Kauf der United Initiators, aber auch schon 2012, als Equistone die EuroAvionics von der irischen Investmentfirma Varde Investments kaufte. Damals wurde die Transaktion auch von Ashurst begleitet, einer von mehreren weiteren Kanzleien, die Equistone für seine Private-Equity-Transaktionen regelmäßig mandatiert.

Kartellrechtlich ist der Brüsseler Dechert-Anwalt Mayer-Lindemann bei Equistone gesetzt. Für die Steuerberatung mandatierte Equistone den Münchner KPMG-Partner Tobias Ackert. Auch Ackert ist regelmäßig für Equistone bei Private-Equity Transaktionen im Boot. Als Steuerberater und Rechtsanwalt kam er 2013 zu KPMG. Zuvor war er einige Jahre Partner bei Watson Farley & Williams in München. PricewaterhouseCoopers ist für die Erstellung des Fact Books verantwortlich. (Martin Ströder)