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18.08.2017

Wieder im Geschäft: Teilverkauf von Solarworld mit Freshfields und Görg

Ein Teil der insolventen Solarworld AG ist verkauft: Solarworld-Gründer Frank Asbeck und Qatar Solar Technologies haben die Werke in Freiberg und Arnstadt übernommen. Der Kauf erfolgt über die Firma SolarWorld Industries. Gut 500 Beschäftigte wechseln zur neuen Eigenerin, weitere rund 1.100 in Transfergesellschaften. Die Gläubiger haben dem von Insolvenzverwalter Horst Piepenburg vorgeschlagenen Deal zugestimmt, nun wurden die Werke übergeben.

Horst Piepenburg

Horst Piepenburg

Schon ein Blick ins Handelsregister lässt ahnen, wie komplex die Transaktion gewesen sein muss – in den vergangenen drei Wochen gibt es zahlreiche Neueintragungen, Änderungen und Löschvorgänge. Bis Ende Juli lief das Insolvenzgeld, über das die Gehälter der Angestellten des Photovoltaikanlagen-Herstellers abgesichert waren. Ab August haftete der Insolvenzverwalter für die Gehälter, und so war Eile geboten.

Durch den Verkauf von Grundstücken, Maschinen sowie des sogenannten Vorratsvermögens der beiden Werke in Freiberg und Arnstadt an Frank Asbeck und den Co-Investor aus Katar will man wenigstens einen Teil der Solar- und Modulproduktion in Deutschland halten. Auch am Verwaltungs- und Vertriebsstandort Bonn wechseln 40 Mitarbeiter zur SolarWorld Industries. Die parallel aufgesetzten Personaltransfergesellschaften, deren Unterhalt nun durch die Re-Investitionen von Asbeck gesichert sind, sollen maximal ein Jahr bestehen.

Altforderungen gegen Insolvenzmasse

Der Co-Investor Qatar Solar Technologies (QSTec) ist ein besicherter Gläubiger. Sein Investment sind vor allem eingebrachte Finanzverbindlichkeiten, die in Anteile an der neuen Firma umgemünzt werden. Deshalb ist die Transaktion mit einem sogenannten Debt-to-Equity-Swap vergleichbar, teilte der Investor mit. Die Katarer sollen laut Presseberichten 49 Prozent an SolarWorld Industries halten, Asbeck 51 Prozent.

Andere Beteiligte bezeichnen den Deal als Credit-Bid-Konstruktion. Und auch das trifft zu, da Altforderungen gegen Insolvenzmasse getauscht werden. Weitere frühere Solarworld-Finanziers, die ebenfalls zum Gläubigerausschuss gehören, waren in ihren Ansprüchen nachranging zur QSTec, die unter den Kreditgebern der ‚Super Senior‘ ist. Doch auch die anderen haben die Transaktion abgesegnet, da Piepenburg ihre Sicherheiten nicht angetastet hatte.

Offene Baustellen

Die Forderungen des US-Siliziumherstellers Hemlock gegen Solarworld jedoch wurden hierzulande nach JUVE-Informationen bislang weder vom Insolvenzverwalter noch vom Gläubigerausschuss anerkannt. Da auch die Insolvenzrichterin am Bonner Amtsgericht sie nicht gelten ließ, kann Hemlocks Anspruch auch nicht im Zuge des Insolvenzverfahrens berücksichtigt oder schon vollstreckt werden. 

Diese Forderungen resultieren aus Lieferverträgen, die Solarworld einst mit Hemlock für eine Laufzeit von zehn Jahren geschlossen hatte. Da die Verträge von Solarworld nicht vollständig erfüllt wurden, hatte ein US-Gericht Hemlock 2016 inklusive Zinsen fast 800 Millionen Dollar Schadenersatz zugesprochen.

Rückstellungen hatte die alte Solarworld unter Asbecks Führung dafür nicht gebildet. Er hält die Lieferkonstruktion für kartellrechtswidrig. Beim Revisionsverfahren in den USA hingegen wurde die Forderung diese Woche bestätigt, ein dortiges Insolvenzgericht hat sie jedoch ruhend gesetzt.

Piepenburg, der im Mai zum vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt worden war, wird sich dieweil um den Verkaufsprozess für die verbliebenen Solarworld-Assets kümmern können. In der Gläubigerversammlung wurde nach JUVE-Informationen auch über seine Bezahlung gesprochen.

Mathias Eisen

Mathias Eisen

Berater Günther Asbeck
Schmitz Knoth (Bonn):  Dr. Guido Plassmeier – aus dem Markt bekannt 

Berater Qatar Solar Technologies
Milbank Tweed Hadley & McCloy (Frankfurt): Dr. Mathias Eisen (Restrukturierung; Federführung), Dr. Peter Nussbaum (Corporate/M&A), Dr. Thomas Kleinheisterkamp (Steuerrecht), Dr. Alexander Rinne (Kartellrecht; alle drei München), Dr. Arndt Stengel; Associates: Dr. Nikolas Koutsos, Gerrit Merkel, Tim Löper (alle Restrukturierung/Finanzierung), Dr. Benjamin Leuchten, Dr. Dennis Seifarth (beide Corporate/M&A), Dr. Moritz Lichtenegger (Kartellrecht; alle drei München) 

Insolvenzverwaltung Solarword
Piepenburg Gerling (Düsseldorf): Horst Piepenburg

Berater Insolvenzverwalter
Freshfields Bruckhaus Deringer: Dr. Franz Aleth (Gesellschafts- / Insolvenzrecht; Düsseldorf), Dr. Kai Hasselbach (Gesellschaftsrecht/M&A), Christian Sistermann, Dr. David Beutel  (beide Steuerrecht; alle München), Dr. Ulrich Scholz (Kartellrecht; Düsseldorf); Associates: Dr. Nils Derksen ( Gesellschafts- / Insolvenzrecht, Düsseldorf), Judit Gajdics, Dr. Gerard Hendrik van Echten, Dr. Dörthe Imberg, David Rauch, Maximilian Huprich (alle Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Christian Marquart (Steuerrecht; alle München), Dr. Thomas Granetzny (Arbeitsrecht), Sarah Kutsche (Immobilienwirtschaftsrecht), Johann Ante (Kartellrecht; alle Düsseldorf)
Görg (Köln): Dr. Helmut Balthasar, Dr. Christoph Janssen (beide Restrukturierung/Insolvenzrecht), Dr. Thomas Lange (Finanzierung), Dr. Oliver Wilken (Aktien- und Kapitalmarktrecht); Associate: Dr. Thomas Rühle (Restrukturierung/Insolvenzrecht)

Berater Fonds (großer besicherter Gläubiger)
Kirkland & Ellis (München): Sacha Lürken, Dr. Bernd Meyer-Löwy, Carl Pickerill (alle Restrukturierung), Wolfgang Nardi (Finance), Dr. Anna Schwander (Corporate), Andres Mena, Erik Hepler (beide Debt Finance; beide New York), Mario Mancuso (International Trade and National Security; Washington); Associates: Maximilian Heufelder (Restrukturierung), Dr. Alexander Längsfeld (Finance)

Berater DIG Debt Invest  (großer besicherter Gläubiger)
PRO LAW (Bonn): Bettina Plaßmann-Robertz (Gesellschafts- und Haftungsrecht; Federführung), Volker Lang (Bank- und Kapitalmarktrecht)

Berater Treuhänder für Sicherheiten / Konsortialführer
White & Case (Frankfurt): Dr. Tom Oliver Schorling (Banking; Federführung), Dr. Andreas Kleinschmidt (Restrukturierung/Insolvenz); Associates: Dr. Daniel Schwartz (Restrukturierung/Insolvenz; Düsseldorff), Tobias Daubert, Lisa Kirchner, Mareile Müller-Felsch, Dilek Bektas, Ewa Trochimiuk (alle Bankrecht)

Berater Kleinere Gläubigergruppe
Stahl Lippok Hovemeyer Kröger (Köln): Ulrich Stahl – aus dem Markt bekannt

Berater Centrotherm International
Noerr (Frankfurt): Dr. Thomas Hoffmann (Federführung), Isabel Giancristofano (London); Associate: Dr. Andrea Braun (alle Restrukturierung/Insolvenzrecht)

Berater Hemlock
Orrick Herrington & Sutcliffe: Dr. Timo Holzborn (Kapitalmarktrecht; München), Dr. Karsten Faulhaber (Litigation; Düsseldorf) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Im Gläubigerausschuss wurde ein Großteil der Anleihegläubiger wie schon bei früheren Solarworld-Restrukturierungen von Frank Günther vertreten, Managing Partner von One Square Advisers. Der studierte Betriebswirt wird regelmäßig für Gläubigerversammlungen und Bondrestrukturierungen einbezogen. Daneben hatte auch der Düsseldorfer Anwalt Alexander Elsmann Forderungen von Gläubigern einer weiteren Anleihe zur Insolvenztabelle angemeldet.

Görg war in dem Solarword-Komplex bislang mit dem bekannten Insolvenzrechtler Hans-Gerd Jauch in Erscheinung getreten, etwa im Zuge einer Restrukturierung 2013/14. Aktuell koordinierte dem Vernehmen nach Kanzleipartner Balthasar die Beratung. Sein Team hatte vor allem insolvenzrechtliche Themen rund um das Altunternehmen Solarworld AG zu klären. Für den M&A-Prozess selbst hatte Piepenburg Freshfields mandatiert. Das Trio an Sozietäten hatte 2014 auch schon Lösungen für den verschuldeten Immobilienkonzern IVG verhandelt.

Sascha Lürken

Sacha Lürken

Schmitz Knoth, die hier neben Asbeck auf Käuferseite auftrat, arbeitet seit vielen Jahren als ausgelagerte Rechtsabteilung für Asbecks Firmen. Partner Plassmeier war auch 2013 involviert, als 930 Millionen Schulden bei Solarworld aufgelaufen waren, von denen im Zuge eines Schuldenschnitts 55 Prozent in Aktien für die Gläubiger umgetauscht wurden.

Milbank-Partner Nussbaum war auch damals an der Seite von der Gläubigerin Qatar Solar zu sehen. Hier hatte nun der Frankfurter Partner Eisen die Federführung inne, der regelmäßig mit Restrukturierungen befasst ist.

Damals war auch Kirkland für den US-Investor Strategic Value Partners (SVP) im Einsatz, der einen Großteil der Solarworld-Schuldscheine aufgekauft hatte. Inzwischen liegen die Forderungen offensichtlich bei einem anderen Fonds. Das Kirkland-Team führt nach Marktinformationen dieses Mal der Münchner-Partner Lürken, der auch in der Bartec-Restrukturierung Ende letzten Jahres eine tragende Rolle übernommen hatte.

Die Bonner Sozietät Pro Law, die von der frühererin Osborne Clark-Partnerin Plaßmann-Robertz mitbegründet wurde, berät die Debt Invest und ihren Geschäftsführer Christian Florack seit Beginn dieses Jahres. Der Vermögensverwalter, der zu den größeren Gläubigern zählt, hat seine Sicherheiten an den nunmehr verkauften Vermögenswerten und Anteilen freigegeben, beziehungsweise darauf verzichtet, um den Teilverkauf zu ermöglichen.

Centrotherm, die in diesem Komplex von Noerr beraten wird, hat nicht nur über ihren gemeinsamen Gesellschafter Qatar Solar / QSTec enge Geschäftsbeziehungen mit den Solarworld-Firmen.

Orrick wiederum berät mit ihrem US-Teams schon länger die US-Firma Hemlock. Insofern ist es konsequent, dass auch ihre deutschen Partner, die Restrukturierungs – und Litigationerfahrung haben, einbezogen wurden. (Sonja Behrens)
 

Der Artikel wurde am 21. und 22.August 2017 ergänzt