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08.09.2017

Krebstherapie: Biotech-Pionier geht mit Paul Hastings und Dechert an US-Merck

Der US-Pharmakonzern Merck & Co. hat das Münchner Biotech-Unternehmen Rigontec übernommen. In einer ersten Tranche zahlt Merck den Rigontec-Gesellschaftern 115 Millionen Euro in bar. Bis zu 350 Millionen Euro können hinzukommen, wenn bestimmte Geschäftsziele erreicht werden. Merck stellt bereits das Medikament Keytruda her und sieht in dem Zukauf von Rigontec eine gute Ergänzung zum eigenen Portfolio.

Regina Engelstädter

Regina Engelstädter

Bei dieser Krebstherapie werden die köpereigenen Abwehrkräfte massiv gestärkt, so dass diese selbst Krebszellen zerstören können. Merck ist nicht der erste Pharmakonzern, der sich auf diesem Gebiet verstärkt: In den USA hat gerade der Biotech-Riese Gilead für umgerechnet rund zehn Milliarden Euro Kite Pharma gekauft, die sich ebenfalls mit Forschung zur Immuntherapie beschäftigt.

Ob das junge Münchener Unternehmen Rigontec nach einem Bieterprozess verkauft wurde, ist nicht bekannt. Die Beteiligung der amerikanischen Investmentbank Moelis & Company an der Transaktion lässt jedoch darauf schließen, dass es sich um ein strukturiertes Verfahren gehandelt hat.

Rigontec wurde von den Medizin-Professoren Gunther Hartmann und Veit Hornung als Spin-out der Universitätsklinik Bonn gegründet. Ihr wichtigstes Produkt befindet sich in einer frühen klinischen Entwicklungsstufe und ist für die Tumorbehandlung vorgesehen. Kürzlich hat das Start-up eine Serie-A-Finanzierung über 15 Millionen Euro erhalten. Zu den Investoren gehören Wellington Partners, Boehringer Ingelheim Venture Fund, die NRW-Bank, der High-Tech Gründerfonds, Forbion Capital Partners, Sunstone Capital und MP Healthcare Venture Management.

In direkter Nachbarschaft zum Münchner Hauptsitz von Rigontec, im Tech-Campus Martinsried, hat gerade ein weiteres Biotech-Unternehmen Investorengeld eingesammelt. Immunic forscht zu Autoimmunerkrankungen und hat in einer Serie-A-Finanzierungsrunde beachtliche 31,7 Millionen Euro erhalten. Einer der Investoren ist auch hier der Rigontec-Finanzier High-Tech Gründerfonds.

Berater Merck & Co.
Paul Hastings (Frankfurt): Dr. Regina Engelstädter (Federführung), David Shine (New York), Dr. Christian Mock (alle Corporate/M&A), Gary Giampetruzzi (Compliance; New York) Pierre Kirch (Kartellrecht; Brüssel), Andrew Short (New York), Uwe Halbig (Tax, Frankfurt; beide Steuern); Associates: Frank Kafka (Corporate/M&A), Anna-Lia Meyer (Kartellrecht; Brüssel), Joshua Milgrom (Steuern; New York), Brooke Schachner (Corporate/M&A, beide New York)

Berthold Hummel

Berthold Hummel

Berater Rigontec-Gesellschafter
Dechert (München): Berthold Hummel (Federführung), Dr. Katja Heuterkes, Jonathan Schur (New York; alle Corporate/M&A), Clemens Graf von Wartenburg (Kartellrecht; Frankfurt/Brüssel), Klaus Hahne (Frankfurt), Joshua Milgrim, Jeff Kang, Jay Buchman (alle New York; alle Steuern), Jeremy Zucker (Compliance; Washington), Thomas Rayski, Violetta Kokolus (beide IP; beide New York); Associates: Julia Braun, Clara Gollwitzer, Dr. Jan Pesek (Frankfurt; alle Corporate/M&A)
P + P Pöllath + Partners (München): Dr. Michael Inhester (Corporate) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Merck ist eine Mandantin der US-Praxis von Paul Hastings. Soweit bekannt, hat das deutsche Büro der Kanzlei unter Federführung von Partnerin Engelstädter den Pharmakonzern erstmals beraten. Bei früheren Deals mit deutschen Assets hatte Merck beispielsweise Hogan Lovells beauftragt. Engelstädter ist bekannt für ihre Beteiligung an Crossboarder-Transaktionen, zuletzt war sie etwa zuständig für den deutschen Part des Milliardenverkaufs von Harman an Samsung.

Der Kreis der verkaufenden Gesellschafter hat sich auf Dechert und den federführenden Partner Hummel als Lead Counsel für die Verhandlungen mit Merck geeinigt. Hummel ist als ehemaliger Inhousejurist von 3i unter Investoren bestens vernetzt. Er hat in den vergangenen Jahren zu zahlreichen Venture-Capital-Finanzierungen und -Deals beraten, zuletzt vermehrt in der boomenden Medizintechnik-Branche. Außerdem hat er sich einen Namen gemacht bei der IPO-Beratung deutscher Unternehmen in den USA.

Einige der insgesamt 13 Gesellschafter haben außerdem Pöllath-Managing-Partner Inhester als weiteren Berater hinzugezogen.

Rigontec-Nachbar Immunic ließ sich bei seiner Finanzierungsrunde beraten von einem Dentons-Team um den Münchner Partner Thomas Strassner. (Christiane Schiffer)