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06.10.2017

Siematic und Nobilia: Küchenparty in Ostwestfalen mit Baker, Beiten, Gleiss und Clifford

Die insolvente Alno-Gruppe hat einen Investor für die Marke Pino gefunden. Eine Investorengruppe um den ostwestfälische Küchenhersteller Nobilia erwirbt die Billigmarke von Alno. Gleichzeitig verkauft der benachbarte Küchenmöbelhersteller Siematic aus Löhne sein Geschäft an den chinesischen Hersteller für Haushaltsgeräte Nison. Damit will der Familienbetrieb den Eintritt in den chinesischen Markt schaffen, der Nobilia und anderen deutschen Küchenherstellern bereits geglückt ist.

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Thomas Gilles

Neben Nobilia, die rund einer Milliarde Euro im Jahr umsetzt, verkaufen die Küchenhersteller Häcker, Schüller, Nolte und Ballerina, aber auch die Siematic-Wettbewerber im gehoben Marktsegment, Poggenpohl und Bulthaup, ihre Küchen bereits seit längerem in China. Sowohl für Pino als auch für Siematic ergibt sich mit den Transaktionen die Möglichkeit mit einem passenden Partner den im wettbewerbsintensiven Umfeld notwendigen Einstieg in den chinesischen Markt zu schaffen.

Für Pino dürfte die Perspektive China allerdings noch weniger im Vordergrund stehen. Der Verkauf an den deutschen Marktführer Nobilia, der sich nach einem Bieterwettstreit zum Zug kam, sichert in erster Linie die Zukunft der Mitarbeiter bei Pino in Sachsen-Anhalt. Aber auch die Aussichten des insolventen Küchenherstellers Alno und seiner verbleibenden Töchter verbessern sich. Zuletzt hatte Alno mit Hilfe seines Insolvenzverwalters einen Massekredit über sechs Millionen Euro beschaffen können.

Für Siematic, den Hersteller von Küchen für ein betuchteres Publikum, ist die Perspektive China zwingender. Das Löhner Familienunternehmen schrieb zwar in den letzten beiden Jahren schwarze Zahlen, hatte aber in der Entwicklung des Chinageschäfts ein Problem. Erst vier Prozent seines Umsatzes von rund 100 Millionen Euro erwirtschaftet das Unternehmen in China. Bald soll das erste Siematic-Küchenstudio in der Nähe von Schanghai eröffnen.

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Christof-Ulrich Goldschmidt

Siematic-Transaktion

Berater Nison
Baker & McKenzie (Frankfurt): Dr. Thomas Gilles (Corporate/M&A; Federführung), Dr. Hagen Köckeritz (Arbeitsrecht), Christian Atzler (Corporate/M&A), Kathrin Marchant (Kapitalmarktrecht), Dr. Johannes Teichmann (Handelsrecht), Dr. Michael Fammler (IP), Dr. Holger Lutz (IT), Christian Horstkotte (Kartellrecht; Düsseldorf), Dr. Janet Butler (Öffentliches Wirtschaftsrecht; Berlin); Associates: Lipei Shi, Dr. Rebecka Ringnalda, Nikolas Lazaridis (alle Corporate/M&A), Sarah Greenlee (Arbeitsrecht), Dr. Julia Pfeil (Öffentliches Wirtschaftsrecht), Ingmar Oltmanns (Handelsrecht), Dr. Markus Hecht (IP), Dr. Tobias Born (IT), Clara Dust (Kartellrecht; Düsseldorf), Dr. Markus Altenkirch (Litigation) 
KPMG (Düsseldorf): Holger Lampe (Steuern) – aus dem Markt bekannt

Berater Siematic-Eigentümer
Beiten Burkhardt (Düsseldorf): Dr. Martin Rappert (Federführung), Nico Frielinghaus, Prof. Dr. Hans-Josef Vogel, Dr. Winfried Richardt, Thomas Seipel,, Frank Primozic (Frankfurt), Dr. Christian von Wistinghausen (Berlin; alle Corporate/M&A), Thomas Herten (Immobilienrecht), Peter Weck, Jörn Manhart (beide Arbeitsrecht), Philipp Cotta (Kartellrecht; München), Heinrich Meyer, Marco Tautorat (Finanzierung; beide Frankfurt), Matthias Zimmer-Goertz (IP/IT); Associates: Anthony Trentin (Corporate/M&A; Frankfurt), Christoph Heinrich (Kartellrecht; München)
Jesse Müller-Thuns (Berlin): Prof. Dr. Lenhard Jesse, Dr. Thomas Leibohm (Steuerberater) – aus dem Markt bekannt

Pino-Transaktion

Berater Nobilia
Clifford Chance (Frankfurt): Dr. Christof-Ulrich Goldschmidt (Federführung; Corporate/M&A), Markus Böhn (Immobilienrecht), Dr. Stefan Simon (Arbeitsrecht), Dr. Claudia Milbradt (IP), Marc Besen (Kartellrecht; beide Düsseldorf), Olaf Mertgen (Steuerrecht), Dr. Cristina Weidner (Corporate/Insolvenzrecht); Associates: Dr. Corinna Rogmann (Corporate/M&A), Dr. Artur Swiercziok (Corporate/Insolvenzrecht), Stephanie Große (Immobilienrecht), Dr. Christopher Fischer (Arbeitsrecht), Nicolas Hohn-Hein (IP), Ulrich Pfeffer (Kartellrecht), Caroline Slusarek (Kartellrecht; alle drei Düsseldorf)
Inhouse Recht (Verl): Dr. Christoph Mehringer (Leiter Recht)

Martin Rappert

Martin Rappert

Insolvenzverwalter Alno
Anchor (Stuttgart): Prof. Dr. Martin Hörmann (Insolvenzverwalter), Tobias Wahl (Federführung), Dr. Christof Schiller (beide Corporate/M&A; beide Mannheim), Silvio Höfer (Hannover), Lars Hinkel (beide Arbeitsrecht; Düsseldorf), Dr. Michael Flitsch (Mannheim), Vincenz von Braun, Alexander Reus (beide München), Thomas Rieger (alle Insolvenzrecht; Stuttgart)

Berater Insolvenzverwalter
Gleiss Lutz (Stuttgart): Dr. Andreas Spahlinger, Dr. Matthias Tresselt (beide Insolvenzrecht), Dr. Jörn Wöbke (Corporate/M&A; Hamburg), Dr. Dirk Scherp (Compliance; Frankfurt); Associate: Friedrich Schlott (Insolvenzrecht), Dr. Nadja Al-Wraikat (Corporate/M&A; Hamburg), Dr. Marcus Reischl (Compliance; Frankfurt)

Hintergrund: Baker-Partner Gilles koordiniert die Asienaktivitäten, die die Kanzlei im In- und Outbound-Geschäft führt. Ins Nison-Mandat kamen er und sein Team über einen gewonnenen Pitch. Auf Verkäuferseite war für die Eigentümerfamilie Beiten-Partner Rappert tätig, der das Unternehmen bereits seit längerem umfassend berät. Die China-Kenntnis steuerte dort der Berliner Partner von Wistinghausen bei, der den China-Desk von Beiten leitet. Für die Steuerstrukturierung der Transaktion holte Gilles den Düsseldorfer KPMG-Partner Lampe ins Boot, für die Siematic-Eigner übernahm diesen Part die Berliner Einheit Jesse Müller-Thuns.

Christoph Mehringer

Christoph Mehringer

Beim Pino-Kauf war für Nobilia Clifford tätig, die wie Orrick Herrington & Sutcliffe-Partner Dr. Oliver Duys, von Nobilia laufend zu unterschiedlichen Fragen mandatiert wird. Hier beriet Clifford-Partner Goldschmidt nach JUVE-Informationen das komplette Investoren-Konsortium, dass von Nobilia angeführt wird, über das darüber hinaus aber nichts bekannt ist. Am Kauf von Pino aus der Alno-Insolvenzmasse war auch der ehemalige Hengeler Mueller-Anwalt Mehringer beteiligt, der seit 2013 die Rechtsabteilung des Küchenherstellers leitet.

Alno-Insolvenzverwalter Hörmann war zunächst vom Amtsgericht Hechingen als vorläufiger Sachwalter bestellt worden. Ende August entschieden die Beteiligten den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung zurückzuziehen. Daraufhin wurde Hörmann zum Insolvenzverwalter bestellt. Zum Verkauf von Pino aus der Alno-Insolvenzmasse mandatierte er ein Team von Gleiss Lutz. (Martin Ströder)