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16.07.2009

Harter Schlag für Clifford: Restrukturierer von Bismarck wechselt zu Linklaters

Kolja von Bismarck (50) wechselt von Clifford Chance zu Linklaters. Damit verliert Clifford die Leitfigur ihrer Restrukturierungs- und Insolvenzpraxis. Der genaue Zeitpunkt des Wechsels steht noch nicht fest.Von Bismarck ist einer der profiliertesten deutschen Restrukturierungsanwälte. Er ist seit zwölf Jahren Partner bei Clifford beziehungsweise der Vorgängerkanzlei Pünder Volhard Weber & Axster. Die Liste seiner Restrukturierungsmandate ist lang: Zuletzt beriet von Bismarck GM Europe bei den Rettungsaktionen für Opel, ein Bankenkomitee bei der Restrukturierung des Dachziegelherstellers Monier sowie dem Vernehmen nach Metro bei ihrer Kaufofferte für die Karstadt-Warenhäuser. Er engagiert sich außerdem für Reformen des Insolvenzrechts, etwa über die Turnaround Management Association. Zusammen mit Dr. Lars Westpfahl von Freshfields Bruckhaus Deringer präsentierte er Anfang des Jahres vor verschiedenen politischen Gremien in Berlin Vorschläge zu einer schnellen Anpassung des Insolvenzrechts an die Krisenlage.

“Ich habe Linklaters-Teams in verschiedenen Mandaten kennengelernt”, sagte von Bismarck. “Die Effizienz und Professionalität der Kollegen sowie die starken Teams, zum Beispiel aus dem Corporate-Bereich und der internationalen R&I-Truppe, haben mich beeindruckt. Daneben haben die neue Aufgabe und persönliche Gründe eine Rolle gespielt sowie die Tatsache, dass Linklaters ein Hauptstadt-Büro hat.”

Für Linklaters kommt der hochkarätige Neuzugang genau zum richtigen Zeitpunkt. Dr. Michael Lappe, deutscher Senior Partner von Linklaters, sprach von einem großen Schritt für die Kanzlei: “Er ist die optimale Ergänzung unserer Expertise bei der Beratung von Unternehmen in Krisensituationen. Unsere Mandanten werden von seiner großen Expertise und der außerordentlichen Erfahrung enorm profitieren.”

Angesichts des krisenbedingt äußerst gefragten Restrukturierungsgeschäfts kann Linklaters ihre schon vorhandene Stärke in der Beratung von Banken und Finanzinvestoren um die große Sanierungserfahrung von Bismarcks erweitern, die eher auf der Corporate-Beratung fußt. Einen sehr guten Ruf im Insolvenzbereich von Linklaters genießen Dr. Sven Schelo, der vor einem Jahr zum Partner ernannt worden war, und Dr. Jochen Laufersweiler. Sie berieten gemeinsam bei der Restrukturierung und dem Verkauf des Automobilzulieferers TMD Friction an Pamplona. Schelo begleitete zuletzt Mezzanine-Kreditgeber bei der Restrukturierung von Neumayer Tekfor.

“Ich werde sicher häufig in den internationalen Büros von Linklaters präsent sein, um mit den Spezialisten vor Ort zusammenzuarbeiten”, umriss von Bismarck seine unmittelbaren Ziele. “Unter den gegenwärtigen Marktbedingungen werde ich mich bei und mit Linklaters noch stärker auf komplexe, grenzüberschreitende Restrukturierungen und die Beratung von Unternehmen in der Krise konzentrieren.”

Für Clifford ist der Abgang ein schwerer Schlag. Zwar gibt es in der Restrukturierungsgruppe der Kanzlei einen weiteren erfahrenen Partner, Heinz-Günter Gondert, der im Vorjahr etwa den Freistaat Sachsen bei der Risikoabschirmung für die SachsenLB beriet. Gondert begleitete zudem seit 2002 die Bundesdruckerei bei ihrer Privatisierung und dem staatlichen Rückkauf.

Doch in den vergangenen Jahren war es eindeutig von Bismarck, der die Wahrnehmung und das Renommee der Kanzlei in diesem Bereich ausmachte. Bismarck war bis 2004 in Berlin tätig und dann nach Frankfurt gewechselt, kurz bevor Clifford das Büro in der Bundeshauptstadt geschlossen hatte. “Mir liegt sehr an einer geordneten Übergabe”, erklärte von Bismarck. “Das Management von Clifford Chance hat sich mir gegenüber immer fair verhalten, so werde ich es auch halten.”

Clifford ist zuversichtlich, in dem Bereich ihre Stärke zu behalten. “Wir bedauern den Weggang, aber wir sind weiterhin im Restrukturierungsmarkt gut aufgestellt”, sagte Andreas Dietzel, leitender Corporate-Partner in Frankfurt. “Die Tatsache, dass Clifford Chance von den Banken bei der Restrukturierung von HeidelbergCement mandatiert wurde, zeigt die inhärente Stärke der Gruppe.”

Aus dem Clifford-Restrukturierungsteam stammen Dr. Volker Kammel, der seit Herbst 2003 den insolvenznahen Bereich bei Jones Day in Frankfurt leitet. Auch Dr. Andreas Hautkappe, Restrukturierungspartner von Willkie Farr & Gallagher in Frankfurt, war bis 2007 als Counsel bei Clifford tätig. Einen weiteren Counsel, Dr. Matthias Kampshoff, hatte Clifford im vergangenen Herbst an Taylor Wessing verloren. In der Reihe der jetzigen Clifford-Counsel gilt Dr. Stefan Sax als visibelster Anwalt in der Sanierungsberatung. (Markus Lembeck)