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16.11.2010

Zäsur: RP Richter verliert weitere Partner in München und Frankfurt

Die multidisziplinäre Münchner Kanzlei RP Richter & Partner steht vor einem Umbruch. Spätestens Ende März werden weitere sieben Equity-Partner die MDP-Einheit verlassen. Richter hat dann innerhalb von rund eineinhalb Jahren die Hälfte ihrer Partnerschaft verloren.

Die Steuerberater Achim Bergemann (42), Frank Schönherr (39) und Frank Zeidler (36) sowie der Rechtsanwalt Knuth Blumenstiel (43) haben die Partnerschaft gekündigt. Zudem verlassen der sehr anerkannte Nachfolge-Spezialist Peter Schulz (67) sowie Wirtschaftsprüfer Christian Müller (50) und der Frankfurter Dreibänder Hans-Jürgen Seip (48) die Kanzlei. Nach JUVE-Informationen haben darüber hinaus mindestens vier Counsel ihre Kündigung eingereicht.

Obwohl die Abgänge jeweils unterschiedlich motiviert sind, ist die Expansionsgeschichte der 2001 von fünf Partnern in München gegründeten MDP-Kanzlei nun endgültig vorbei. Schon in den vergangenen Monaten waren diverse Partner gegangen, darunter im Oktober vergangenen Jahres die drei Kanzleimitbegründer Kai König (46), Christine Huber (43) und Humbert Lechner (39) (mehr…) sowie praktisch das gesamte Frankfurter Büro (mehr…), in dem dann zum Jahresende kein Berufsträger mehr arbeiten wird.

Schönherr_Frank
Frank Schönherr

Mit Schönherr trennt sich im kommenden Frühjahr nun auch der letzte Gründungspartner von Namensgeber Wolfgang Richter (55). Fest steht, dass sich Schönherr zusammen mit Bergemann, Zeidler und Blumenstiel als Team neu orientieren will. Dem Vernehmen nach ist allerdings noch offen, ob sie sich selbstständig machen oder einer anderen Münchner Kanzlei anschließen werden.

Der Verlust dieses Teams ist nach Auffassung von Beobachtern nicht nur völlig überraschend, sondern auch der bisher größte Einschnitt für RP Richter. Schönherr gilt als einer der Schlüsselberater der Kanzlei im Bereich Corporate/Tax. Bergemann agierte als Vorsitzender des Partnerrats bis zuletzt in besonderer Vertrauensstellung und ist überdies Mandatsführer in Bezug auf die Sana-Kliniken, einem der größten Mandanten der Kanzlei, der jährlich für Millionen-Umsätze steht.

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Wolfgang Richter

Managing Partner Wolfgang Richter bedauert den Schritt der vier Partner, hält jedoch die unterschiedlichen strategischen Vorstellungen für unvereinbar. “Die Kanzlei wird nicht am Konzept der multidisziplinären Beratung rütteln”, sagte Richter, “die vier Kollegen wollten dies jedoch nicht mehr in gleichem Maße.”

Anders gelagert sind die Motive bei Müller, Schulz und Seip. Dass der Nachfolgespezialist Peter Schulz die Kanzlei zum Ende März 2011 verlassen würde, steht schon seit Jahren fest. Zwar wäre der 67-Jährige Beobachtern zufolge auch als of Counsel bei RP Richter verblieben, beide Seiten konnten sich jedoch nicht über die Konditionen einigen. Schulz wechselt nun im Mai ins Münchner Büro der deutschlandweit agierenden Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft RölfsPartner. Christian Müller – der langjährige Leiter des Audit-Teams – scheidet zum Jahresende aus und macht sich in Augsburg selbstständig. Hans-Jürgen Seip verlässt RP Richter im Zuge des faktischen Endes des Frankfurter Büros am Jahresende.

Die Gemengelage in der Kanzlei ist insofern äußerst kompliziert. Im Nachhinein scheint sich jedoch das bemerkenswerte Wachstum von RP Richter zu einem entscheidenden Problem entwickelt zu haben. Am deutlichsten haben sich dem Kurs die bereits vor einem Jahr ausgeschiedenen Gründungspartner König, Huber und Lechner widersetzt, heißt es in Kanzleikreisen. Ihr Abgang hat dann offenbar Fliehkräfte in Gang gesetzt.

Aus heutiger Sicht wird sich die Partnerschaft von RP Richter Ende März gegenüber dem Stand Oktober 2009 mehr als halbiert haben. 14 Abgängen stehen 13 verbleibende Partner gegenüber. (Jörn Poppelbaum)