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07.10.2011

Überraschend: Corporate-Partner Georg Linde wechselt von Clifford zu Willkie

Georg Linde (40), einer der besonders renommierten jüngeren Corporate-Partner Deutschlands, verlässt Clifford Chance und schließt sich voraussichtlich zum November Willkie Farr & Gallagher an. Dort stößt er zu dem angesehenen Private-Equity-Team um Partner Mario Schmidt.

Georg Linde

“Georg Linde ist ein exzellenter Anwalt, der mit seinen herausragenden Fähigkeiten in den Bereichen M&A, Private Equity und Corporate sowie seinen fundierten Industriekenntnissen fachlich und persönlich ideal zu uns passt. Wir freuen uns sehr, dass Georg im Rahmen unseres weiteren, geplanten Wachstums in Deutschland zu uns kommt”, sagte Schmidt, Leiter der deutschen Willkie-Praxis. Linde und Schmidt verbindet eine lange Freundschaft, beide kennen sich noch aus gemeinsamer Zeit bei Clifford Chance. Sie wollten bereits Anfang 2007 gemeinsam zu Willkie wechseln (mehr…). Während Schmidt ging, überlegte es sich Linde letztlich anders und blieb zunächst bei Clifford (mehr…).

Nun kam der Wechsel doch zustande und Willkie gewinnt mit Linde einen der bekanntesten deutschen Transaktionsspezialisten der Generation 40 dazu. Sein Weggang ist für Clifford ein erheblicher Verlust, auch wenn sie im Corporate-Bereich so breit aufgestellt ist wie nur wenige Kanzleien in Deutschland, und dabei weiterhin auch eine ganze Reihe sehr erfolgreicher jüngerer Partner in ihren Reihen hat, wie etwa Dr. Thomas Krecek und Christof-Ulrich Goldschmidt.

Ein Aushängeschild der Praxis

Dennoch zählte gerade Linde in den vergangenen Jahren zu den Aushängeschildern der Praxis. Er spielte unter anderem eine maßgebliche Rolle bei Transaktionen für WV Energie als Investor in den milliardenschweren Windpark Bard (mehr…), für Riverstone im Bieterverfahren um das Gasspeichergeschäft eines Joint Ventures der Mineralölkonzerne Exxon Mobil und Shell (mehr…) sowie an der Seite von CVC, als der Investor das Unternehmen Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland übernehmen wollte (mehr…).

Dr. Andreas Dietzel, Geschäftsführender Partner von Clifford in Deutschland, sagte: “Wir bedauern die Entscheidung von Georg Linde, weil wir ihn als Partner geschätzt haben, respektieren aber seinen Entschluss, sich einer anderen Sozietät anzuschließen. Wir erwarten keine Auswirkungen, weil wir als eine der marktführenden Sozietäten in den Bereichen Corporate und Private Equity über eine hervorragende Kombination aus erfahrenen Partnern und starken Talenten verfügen.“

Wechsel kommt für viele Marktbeobachter unerwartet

Trotz der bekannt guten Kontakte zu Schmidt kommt Lindes Wechsel für Marktbeobachter überraschend. Das liegt vor allem daran, dass Linde bei Clifford nicht zuletzt von deren breiter Aufstellung als internationale Großkanzlei profitierte. So half die Stärke des Kanzleinetzwerks etwa bei der Akquisition eines Mandats des arabischen Staatsfonds Mubadala, den er unter anderem bei einem Joint Venture mit Air Berlin für die Finanzierung von Triebwerken beriet.

Willkie ist dagegen hierzulande angesichts von gerade einmal rund 25 Anwälten im einzigen deutschen Büro in Frankfurt wesentlich schmaler aufgestellt. Neben dem Transaktionsbereich ist die Kanzlei lediglich in den Bereichen Compliance und Litigation, Restrukturierung und Sanierung sowie im Steuerrecht nennenswert vertreten.

Dennoch war Willkie mit dem Einstieg Schmidts der endgültige Durchbruch in Deutschland gelungen. Der akquisitionsstarke Private-Equity-Spezialist konnte seine Praxis auch im konjunkturell bedingt äußerst schwierigen Marktumfeld der vergangenen Jahre behaupten. Vor allem bei den zuletzt marktprägenden mittelgroßen Deals trat die Praxis stark auf, unter anderem für den Investor 3i beim Kauf des Autozulieferers Hilite (mehr…), aber auch für Cognetas beim Verkauf der Werbeholding Scholz & Friends (mehr…).

Jedoch war die Kanzleigröße trotz der Erfolge eher überschaubar geblieben. Mit Michael Bernhardt hatte die Praxis zuletzt den neben Schmidt bekanntesten Transaktionsanwalt an Allen & Overy verloren (mehr…), zudem ist das Team auf Associate-Ebene nur dünn besetzt. Der Kapitalmarktrechtler Prof. Dr. Michael Schlitt hatte die Kanzlei Anfang des Jahres mit einem Team in Richtung Hogan Lovells verlassen (mehr…). (René Bender)