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03.02.2012

Neue Wege: Anti-Korruptionsexperte Andreas Pohlmann gründet Beratungsfirma

Der ehemalige Chief Compliance Officer von Siemens und Ferrostaal, Dr. Andreas Pohlmann, hat sich selbstständig gemacht. Zusammen mit drei Partnern baut der 54-Jährige derzeit die Beratungsfirma Pohlmann & Company auf, die Unternehmen bei der Einführung von Compliance-Strukturen begleiten will.

Andreas Pohlmann

Pohlmann gilt als einer der profiliertesten deutschen Compliance-Experten. Sein Ansehen rührt wesentlich aus seiner maßgeblichen Rolle bei der Aufarbeitung der Schmiergeldaffären im Siemens-Konzern und beim Essener Industriedienstleister Ferrostaal sowie dem dortigen Aufbau von Compliance-Strukturen.

Bei Siemens war er 2007 zum Chief Compliance Officer ernannt worden (mehr…), 2010 wechselte er zu Ferrostaal und übernahm dort das Vorstandsressort Korruptionsbekämpfung und Compliance (mehr…) Nach nur rund eineinhalb Jahren schied er dann bei Ferostaal im November 2011 wieder aus (mehr…).

Zu dem Zeitpunkt gab es schon länger Gerüchte, dass es immer wieder zu Differenzen in den Führungsgremien gekommen sei, die auch Pohlmanns Ressort betrafen. Marktbeobachter spekulierten seither auf einen möglichen Einstieg bei einem Dax-Konzern. Denn auch hier herrscht derzeit Bewegung: Erst vor gut einer Woche war bekannt geworden, dass ThyssenKrupp-Chefjurist Dr. Thomas Kremer neuer Rechtsvorstand der Deutschen Telekom werden soll (mehr…).

Mit seiner eigenen Gesellschaft will Pohlmann nun in erster Linie Mittelständer ansprechen. Das Beratungsangebot soll auf zwei Säulen beruhen: der präventiven Compliance-Beratung und der Unterstützung bei Aufbau und Implementierung entsprechender Strukturen im Unternehmen. Auch die Auslagerung von Compliance-Management will die Firma anbieten.

Nachfragemarkt

An Nachfrage dürfte es nicht mangeln. Mittelständische Gesellschaften haben zum einen ohnehin wesentlich häufiger als Konzerne Nachholbedarf in Sachen Compliance. Gleichzeitig ist ihr Geschäft nicht selten grenzüberschreitend und Korruptionsverstöße werden auf internationaler Ebene zunehmend härter bestraft, insbesondere durch neue Richtlinien in den USA und Großbritannien.

Pohlmanns Firma ist zwar nicht die erste ihrer Art, denn schon 2009 gründete Dr. Reinhard Preusche, zuvor Compliance-Chef des Finanzkonzerns Allianz, einen Compliance-Dienstleister (mehr…). Dennoch ist ein zu Pohlmanns Unternehmen vergleichbares Angebot bislang sehr überschaubar.

Zum Startteam gehören neben Pohlmann noch zwei weitere Juristen, Dr. Eike Bicker (32) und Dr. David Barst (33), sowie der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Lüthi (42). Auch sie werden Partner der Gesellschaft. Sitz von Pohlmann & Company ist Frankfurt, in den kommenden Wochen will Pohlmann mit der Arbeit beginnen.

Zunächst wird Barst mit von der Partie sein, der seine Karriere bei Hengeler Mueller startete und dann 2010 in die Schweiz wechselte und dort derzeit noch als Associate für die renommierte Sozietät Bär & Karrer arbeitet. Auch Bicker ist derzeit noch in Kanzleidiensten. Voraussichtlich bis April ist er für Gleiss Lutz in Stuttgart aktiv. Er kennt Pohlmann aus gemeinsamer Arbeit bei der Aufarbeitung der Ferrostaal-Korruptionsaffäre, bei der Gleiss Lutz das Inhouse-Team um Pohlmann begleitete (mehr…). Zu Gleiss kam Bicker erst 2011, auch er arbeitete wie Barst zuvor für Hengeler.

Der Vierte im Bunde, Thomas Lüthi, und Pohlmann kennen sich aus dem Compliance-Team bei Siemens. Lüthi wechselte anschließend zu WTS. Für die Steuerberatungsgesellschaft ist er seit 2010 als Partner tätig und steht derzeit noch an der Spitze der Abteilung für Governance und Compliance. Auch er stößt voraussichtlich im April zu Pohlmann & Company. (René Bender)