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24.02.2012

Neugründung: Unternehmensanwälte starten Lawyers-on-demand-Service

Mit Xenion Law geht Anfang März in Frankfurt ein Anbieter an den Markt, der Rechtsabteilungen ‚Zeitarbeits-Anwälte‘ vermittelt. Hinter dem Service stehen Dr. Carsten Reimann (41), bis vor Kurzem bei Nissan in Brüssel, und Dr. Ralf Komp (46), zuvor Syndikus bei der KfW Bankengruppe (Kreditanstalt für Wiederaufbau) in Frankfurt.

Carsten Reimann

Carsten Reimann

Die beiden Gründer kennen sich seit Langem und sind beide im Vorstand des Freshfields-Alumninetzwerks Exfields. Reimann, der als gut vernetzt gilt, war seit 2005 bei Nissan. Dort war er unter anderem Head of Legal und zuletzt am europäischen Hauptsitz in Brüssel Head of External Affaires. Komp war seit 2006 in der Rechtsabteilung der KfW.

Die beiden gehen mit einem Kernteam von zehn Anwälten in Deutschland und der Schweiz an den Start. Die meisten waren in etablierten Wirtschaftskanzleien beziehungsweise in Führungspositionen in Unternehmen tätig. Daneben hat sich bereits ein Netzwerk aus weiteren Anwälten zusammengefunden, die mit Xenion kooperieren. Die Anwälte stehen den Kunden etwa für bestimmte rechtliche Projekte oder aber auch als Elternzeitvertretung für eine begrenzte Zeit zur Verfügung.

Die Anwälte sind nicht bei Xenion angestellt, sondern arbeiten auf eigene Rechnung. Lediglich ein kleiner Teil der Einnahmen geht an die als Verwaltungs- und Vermittlungseinheit fungierende Xenion selbst. „Wir wollen nach dem Prinzip arbeiten: Derjenige, der die tatsächliche Arbeit macht, soll auch das meiste daran verdienen“, so Reimann. Mit Xenion treffen die Anwälte eine Rahmenvereinbarung, eine weitere besteht zwischen Xenion und dem jeweiligen Unternehmen, das einen der Anwälte engagiert.

Das Netzwerk soll Anwälte mit mehrjähriger Berufserfahrung ansprechen. Im Visier haben Reimann und Komp Berufs-Wiedereinsteiger und langjährig erfahrene Anwälte, die ihre Arbeit flexibel gestalten wollen, sowie kleine Kanzleien, die ein zweites Standbein suchen oder aber an Projekten arbeiten wollen, die sie aufgrund ihrer Kapazitäten sonst nicht bewältigen könnten. Aus Gründen der Qualitätssicherung wollen die Gründer langfristige Beziehungen etablieren.

Ralf Komp

Ralf Komp

Mit den Anwälten soll aber nicht nur ein Lawyers-on-demand-Service aufgebaut werden. Xenion will Unternehmen auch beim Management ihrer externen Kanzleien oder beim Aufbau einer eigenen Rechtsabteilung unterstützen und bewegt sich damit in einem ähnlichen Geschäftsbereich wie die erst kürzlich an den Start gegangene Einheit Hermes & Giebeler (mehr…). Drittes Standbein der Arbeit ist, das Netzwerk zu einer sogenannte Virtual Law Firm zusammenzuschweißen. Die Anwälte ohne zentrales Büro, aber technisch vernetzt, stehen – ohne durch große Kostenblöcke belastet zu sein – für klassische Rechtsberatung zur Verfügung. Derartige Kanzleien haben bislang vor allem in den Vereinigten Staaten Erfolg, etwa Axiom, die in erster Linie Lawyers on demand stellt, oder die von ehemaligen Cisco-Systems-Unternehmensanwälten gegründete Clearstream, die als virtuelle Kanzlei agiert.

Wenn die Services angenommen werden, könnte sich Xenion in einem bestimmten Marktsegment zu einer ernsthaften Konkurrenz zu etablierten Kanzleien entwickeln, ähnlich wie es Axiom in den USA gelungen ist. Aufgrund geringerer Fixkosten, vor allem bei Miete und Personal, dürfte sie ihre Beratungsleistung erheblich günstiger anbieten können. Abgerechnet werden soll nach Tagessätzen.

Auch mit Fragen der Haftung haben sich die Gründer intensiv beschäftigt. In der Regel haftet jeder Anwalt für seine eigene Beratung selbst. „Aus Risikogesichtspunkten kommt es dem Mandanten doch letztendlich auf den Versicherungsschutz an“, so Komp. Das aber sei lediglich eine Frage der Gestaltung. Entscheidend für den Erfolg der beiden Gründer wird jedoch weniger die Lösung des Haftungsproblems sein, sondern ob es gelingt, ein verlässliches, breit gefächertes und qualitativ hochwertiges Netzwerk von Anwälten zu etablieren. (Astrid Jatzkowski)