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25.04.2012

Dewey & LeBoeuf: Partnerexodus hält an – Insolvenz droht

Dewey & LeBoeuf kämpft um ihr Überleben. Die US-Kanzlei, die seit Jahresbeginn weltweit rund 70 ihrer 300 Partner verloren hat und zudem durch hohe Schulden belastet ist, setzt sich intensiv mit einer Insolvenz auseinander. Dafür hat sie nun den New Yorker Insolvenzexperten Albert Togut aus der Kanzlei Togut Segal & Segal angeheuert.

Zusammen mit einem Team um die beiden Dewey-Partner Martin Bienenstock und Bruce Bennet prüft Togut derzeit Möglichkeiten zur Restrukturierung der 950 Anwälte zählenden Kanzlei, unter anderem auch die sehr ungewöhnliche Option eines vorgefertigten Insolvenzplans. Dieser soll es einem etwaigen Fusionspartner unter anderem erlauben, die Sozietät ohne ihre Schulden und einen Teil der Pensionsverpflichtungen zu übernehmen.

International spricht Dewey über ein mögliches Zusammengehen derzeit mit mehreren Kanzleien. Bestätigt sind Gespräche mit Greenberg Traurig, die sich aber nach Angaben von Greenberg im Anfangsstadium befinden. Noch seien keinerlei Vereinbarungen getroffen, auch sei Greenberg nicht in die finanzielle Situation der Kanzlei einbezogen, so ein Sprecher Greenbergs. Dewey bestätigte gegenüber englischen Medien lediglich, verschiedene Szenarien durchzuspielen, unter anderem den Fortbestand als eigenständige Kanzlei und auch eine strategische Verbindung mit einer anderen Sozietät. Eine vorbereitete Insolvenz einer Sozietät soll es in den USA bislang noch nicht gegeben haben.

75 Millionen Dollar Schulden

Viel Zeit bleibt Dewey, einer der traditionsreichen und großen Kanzleien in den USA, jedenfalls nicht mehr. Ende April läuft die Frist für eine Nachverhandlung ihrer Kreditlinien über 100 Millionen US-Dollar ab. Die Höhe der ausstehenden Schulden soll nach einer mit der Kanzlei vertrauten Quelle bei 75 Millionen Dollar liegen. J.P. Morgan führt die Gruppe der Gläubigerbanken an, daneben gehören auch die Citi Private Bank, die Bank of America und HSBC dazu.

Die Gesamtlage der Kanzlei hat sich in den vergangenen Wochen nochmals dramatisch zugespitzt, sowohl im Heimatmarkt USA als auch in Europa. Schon bis Ende März hatten mehrere Dutzend Partner die Kanzlei verlassen, diese reagierte unter anderem mit einschneidenden Maßnahmen im Management (mehr…). Den personellen Exodus konnte Dewey aber auch dadurch nicht stoppen. In Schwierigkeiten war die Sozietät nicht zuletzt geraten, weil sie zahlreiche Partner hinzuholte, denen sie hohe Garantiesummen schuldet. Zudem ist die Kanzlei stark fremdfinanziert, neben der Kreditlinie muss sie auch eine Anleihe von 125 Millionen Euro bedienen.

Seit Januar hat ein Viertel der weltweiten Partner Dewey verlassen. Zuletzt hatte in London der angesehene Steuerexperte Fred Glander der Kanzlei den Rücken gekehrt. Glander, einer der wichtigsten Steuerspezialisten der Kanzlei, arbeitete mehr als zwei Jahrzehnte für Dewey. Er war viele Jahre an der Spitze des Londoner Büros von Dewey Ballantine, bis diese schließlich 2007 mit LeBoeuf Lamb Greene & MacRae fusionierte. Auch in der fusionierten Einheit hatte er bis zuletzt noch eine hervorgehobene Position inne, er war die Spitze des europäischen Supervisory Boards. Zurückgetreten war er dagegen kürzlich aus dem weltweiten Executive Committee. Damit protestierte er gegen den Kurs des Managements, insbesondere was den Umgang mit der derzeitigen schwere Krise anbelangt. Für die weitere Zukunft des Londoner Büros sieht es unterdessen schlecht aus. Ein Teil der dortigen Partner verhandelt nach Berichten englischer Medien mit Akin Gump Strauss Hauer & Feld.

Gespräche auch in Frankfurt

Zumindest personell nicht sichtbar betroffen von der Krise ist bislang das einzige deutsche Dewey-Büro in Frankfurt, wo rund 30 Anwälte arbeiten. Dennoch rumort es dort nach Beobachtungen zahlreicher Marktbeobachter heftig. Nahezu alle Anwälte seien angesichts der existenziellen Krise der Gesamtkanzlei auf dem Absprung und großteils in engen Verhandlungen mit Wettbewerbern, heißt es. Noch vor wenigen Wochen hieß es aus dem Büro, es gebe keinen Grund zur Verunsicherung über die Zukunft der Kanzlei, man gehe nicht davon aus, dass hierzulande Partner der Kanzlei den Rücken kehren. Aus der Kanzlei liegt bislang noch keine Stellungnahme vor. (René Bender)