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30.04.2013

Eigene Interessenvertretung: Arbeitsrechtler in Unternehmen gründen Bundesverband

Die Verbandslandschaft der Juristen ist um eine Interessenvereinigung reicher: Am Montag hat sich in Heidelberg der Bundesverband der Arbeitsrechtler in Unternehmen (BVAU) gegründet. Erster Präsident ist Alexander Zumkeller, Leiter Arbeitsrecht und Arbeitnehmerbeziehungen bei der deutschen Tochter des Schweizer Energie- und Automatisierungstechnikkonzerns ABB.

Alexander Zumkeller

Alexander Zumkeller

Der BVAU will eigenen Angaben zufolge eine „unabhängige, bundesweit tätige, branchenübergreifende und personenbezogene Interessenvereinigung für Arbeitsrechtler in Unternehmen“ sein. Neben dem Dialog und Austausch mit sozialpolitischen Verbänden und berufsständischen Vereinigungen steht auch “die Profilierung der Arbeitsrechtler in Unternehmen als eine der wichtigsten Expertengruppen in Unternehmen und Wirtschaft im Vordergrund”, heißt es in einer Pressemitteilung. Zudem will der Verband die Aus- und Weiterbildung juristischen Nachwuchses fördern.

 „Der BVAU schließt endlich eine seit Langem bestehende Lücke“, sagte Zumkeller. „Eine der wichtigsten Expertengruppen der betrieblichen Praxis hat sich nun formiert, um den praxisbezogenen Austausch von best practices auszuüben und der Arbeitsrechtspraxis der Politik gegenüber eine Stimme zu geben, jedoch ohne richtungspolitischen Anspruch.“

Eine Reihe namhafter Akteure gehört zum Startteam

Stellvertreter von Zumkeller als BVAU-Präsident ist Dr. Rupert Felder, Senior Vice President Global HR bei der Heidelberger Druckmaschinen AG (mehr…). Dem ersten BVAU-Präsidium gehören darüber hinaus vier weitere Arbeitsrechtler an, die in ihren Unternehmen jeweils an der Spitze der jeweiligen Fachabteilung stehen: Matthias Dipper vom Chemiekonzern Clariant (mehr…), Holger Frieges, Arbeitsrechtschef beim Gabelstaplerproduzenten Kion, Michael Hengesbach, von der Fluggesellschaft Tuifly und Boris Wein, von Boehringer Ingelheim Pharma.

Kurzfristig soll der Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedern in Regional- und Themengruppen organisiert werden. Die Leiter der Regionalgruppen sollen dann ebenfalls dem Präsidium angehören. Darüber hinaus sieht die BVAU-Satzung einen Beirat vor, dem Richter, Professoren und Gewerkschaftsvertreter angehören werden.

Die Gründung des BVAU hat ihren Ursprung in einer ausschließlich von Arbeitsrechtlern in Unternehmen getragenen Initiative. Personaler ohne juristische Ausbildung können nicht Mitglied werden. An der heutigen Gründungsversammlung nahmen fast 30 Arbeitsrechtler aus Unternehmen unterschiedlichster Branchen und Größen teil.

Matthias Dipper

Matthias Dipper

“Der BVAU schließt eine wichtige Netzwerklücke für uns Betriebspraktiker und ermöglicht einen engen Austausch von best practices sowie einen fachspezifischen und branchenübergreifenden Einsatz für arbeitsrechtliche Themen, die in Unternehmen relevant sind. Ich verspreche mir von der Mitgliedschaft im BVAU eine wertvolle Erweiterung meines arbeitsrechtlichen und betrieblichen Horizonts durch intensiven Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Unternehmen in ähnlichen oder gleichen Funktionen”, sagte Dipper. “Da Arbeit und Themen, aber auch der Erfolg des Vereins letztlich vom einzelnen Mitglied abhängen, habe ich mich frühzeitig zu einem Engagement bereit erklärt.”

Zahl der Verbände steigt

Seit etwa zwei Jahren steigt die Zahl der Verbände, die sich auf Inhouse-Funktionen ausrichten. Großen Zulauf hat neben der Arbeitsgemeinschaft der Syndikusanwälte im DAV der vor rund zwei gegründete BUJ, Bundesverband der Unternehmensjuristen (mehr…). Er zählt inzwischen rund 1.000 Mitglieder. Tatsächlich finden Arbeitsrecht dort thematisch nur mit Blick auf Compliance- bzw. Datenschutzthemen statt. Der Fokus des BUJ liegt dabei klar auf dem Management von Rechtsabteilungen, mit Schlenkern zu Compliance-Abteilungen. Auch in vielen Unternehmen ist das Arbeitsrecht nicht Teil der klassischen Rechtsabteilung.

Daneben gibt es allein drei Verbände für Compliance, jeweils mit leicht unterschiedlicher Ausrichtung, was die Mitgliederzusammensetzung angeht: Das Deutsche Institut für Compliance, den Berufsverband der Compliance Manager und den Bundesverband Deutscher Compliance Officer.

Der BVAU sieht sich dazu nicht als thematische Konkurrenz. “Wir nehmen dem BUJ und anderen Verbänden nichts weg”, sagte ein an der Gründung beteiligter Jurist. “Die Ziele etwa des BUJ sind richtig und gut”. Er stehe aber nicht für eine inhatlich fachliche Interessenvertretung. (Geertje Oldermann)