Artikel drucken
15.07.2013

Generation Y: Gleiss führt bezahltes Associate-Sabbatical ein

Die Associates von Gleiss Lutz können künftig zweimal einen Monat bezahlte Auszeit nehmen. Außerdem zahlt die Kanzlei Berufseinsteigern künftig einheitlich 100.000 Euro. Die Vorqualifikationen der Bewerber schlagen sich nicht mehr im Salär nieder. Als weitere wichtige Neuerung beschlossen die Gleiss-Partner, den Partnertrack von sechs auf sieben Jahre zu verlängern.

Alexander Schwarz

Alexander Schwarz

Die Maßnahmen sind Kernpunkte eines umfangreichen Reformpakets für Gleiss-Associates und gelten für alle Junganwälte, die ab dem kommenden Jahr in der Kanzlei in den Anwaltsberuf starten.

Associates, die ab dem 1. Januar 2014 bei Gleiss einsteigen, können künftig im dritten und sechsten Jahr der Kanzleizugehörigkeit einen Monat Auszeit mit dem Jahresurlaub kombinieren. Während der Sabbatmonate zahlt Gleiss das Gehalt weiter. Für alle Associates, die bereits heute bei Gleiss arbeiten, gibt es eine Übergangsregelung: Wer zum Januar noch Associate ist, hat Anspruch auf einen Monat bezahlter Auszeit, wer allerdings vorher bereits zum Assoziierten Partner ernannt wurde, kommt nicht mehr in den Genuss der Regelung.

Wunsch nach besserer Work-Life-Balance

„Die Einführung der Sabbaticals ist eine direkte Antwort auf die Ergebnisse einer Umfrage, die wir vor Kurzem durchgeführt haben. Das Thema Work-Life-Balance spielte dabei eine wichtige Rolle“, so Gleiss-Partner Dr. Alexander Schwarz. Besonders oft hätten die Gleiss-Associates den Wunsch geäußert, sich einmal eine längere Auszeit nehmen zu können. Dem will die Kanzlei Rechnung tragen, so der personalverantwortliche Partner der Kanzlei.

Gleiss hat bereits mehrere Jahre Erfahrung mit Sabbaticals und Teilzeitregelungen für Partner. Auch ermöglichte sie in der Vergangenheit regelmäßig einer Reihe von Associates, durch Freimonate berufsbegleitend ihr Promotionsvorhaben abzuschließen. „Es hat sich dabei für uns herausgestellt, dass eine längere Abwesenheit der Associates problemlos mit dem Arbeitsalltag in einer Großkanzlei vereinbar ist“, so Schwarz. Voraussetzung dafür seien jedoch klare Regeln für die Kommunikation und Organisation, etwa eine frühzeitige Ankündigung.

Gleiss ist nicht die erste Großkanzlei, die mit einer Auszeit für Associates auf den verstärkten Wunsch junger Mitarbeiter nach einer besseren Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit reagiert. Das Programm ist jedoch sehr umfassend. Ein Associate-Sabbatical hatten zuvor nach JUVE-Informationen nur Clifford Chance, Freshfields Bruckhaus Deringer und Hengeler Mueller eingeführt. Die Angebote unterscheiden sich jedoch deutlich. Bei Clifford können Associates ab dem dritten Jahr einmalig einen Monat Auszeit nehmen. Sie erhalten 30 Prozent ihres Gehalts weiter. Bis zu vier Wochen voll bezahlte Auszeit können dagegen bei Freshfields alle Principal Associates und Counsel in Anspruch nehmen. Frühestens ab dem sechsten Jahr kommt ein angestellter Freshfields-Anwalt in den Genuss der Regelung. Beide Kanzleien bieten ihr Programm schon seit längerem an. Sie werden nach eigenen Angaben bereits rege von Associates genutzt. Hengeler Mueller bietet seit dem vergangenen Jahr eine unbezahlte Auszeit zwischen einem und drei Monaten für Associates ab dem dritten Jahr an. Das Angebot wird nach eigenen Angaben von ersten Associates an allen Standorten wahrgenommen. In allen vier Kanzleien kann die Auszeit mit dem Jahresurlaub kombiniert werden. Gleiss ist nach Freshfields die zweite Großkanzlei, die voll bezahlte Sabbaticals anbietet. Weil aber schon Associates im dritten Jahr dieses beanspruchen können, kommen Gleiss-Associates deutlich früher als ihre Kollegen bei Freshfields in den Genuss.

Einheitsgehalt

Bislang hatte Gleiss Berufsanfängern zwischen 90.000 Euro und 100.000 Euro abhängig von den Vorqualifikationen wie Promotion und LL.M.-Titel gezahlt. Zukünftig erhalten alle Berufsanfänger das bislang schon gültige Höchstgehalt von 100.000 Euro unabhängig von akademischen Titeln. Auch im zweiten und dritten Berufsjahr zahlt die Kanzlei ein Einheitssalär von 110.000 bzw. 120.000 Euro. Bislang unterschied Gleiss bis zum Einstieg in die sogenannte Assoziierte Partnerschaft im vierten Berufsjahr gehaltsabhängig nach den Vorqualifikationen. Künftig steigt die Vergütung der Gleiss-Associates pro Jahr automatisch um 10.000 Euro.

Da die Kanzlei gleichzeitig die Zeitdauer bis zum Einstieg in die Partnerschaft um ein Jahr verlängert, erhalten Gleiss-Anwälte im sechsten Berufsjahr künftig 160.000 Euro anstatt einer Partnervergütung. Diese bekommen sie frühestens ab dem siebten Jahr. Schwarz begründete die Entscheidung mit dem immer jüngeren Einstiegsalter der Junganwälte in die Partnerschaft, bedingt durch kürzere Studiendauern und den Wegfall von Wehr- und Ersatzdiensten. Der Gleiss-Partner geht aber davon aus, dass Partner mit einem Lebensalter unter 35 Jahren es schwerer haben, von Mandanten akzeptiert zu werden. (Mathieu Klos)