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26.09.2013

ICSID-Schiedsrichter: Inka Hanefeld und CMS-Partner Klaus Sachs neu ernannt

Auf der Liste des ICSID, der Schiedsorganisation der Weltbankgruppe, hat es im September turnusmäßige Veränderungen gegeben. Vor wenigen Tagen ernannte die Bundesregierung mit Dr. Inka Hanefeld (43) und Dr.  Klaus Sachs (62) von CMS Hasche Sigle zwei neue ICSID-Schiedsrichter. Dr. Patricia Nacimiento (49) von Norton Rose Fulbright rückt neu auf die Liste der sogenannten Konsiliatoren.

Inka Hanefeld

In beiden Listen ist Deutschland mit jeweils vier Vertretern präsent. Die Federführung für die Auswahl und die Ernennung der Kandidaten lag beim zuständigen Ministerium für Wirtschaft und Technologie. Die jetzigen Ernennungen sind bis September 2019 gültig.

Laut JUVE-Informationen soll der Kandidatenkreis in der diesjährigen Auswahl deutlich größer gewesen sein als zuletzt 2007. Dies liegt unter anderem daran, dass sich mittlerweile mehr Groß- und Spezialkanzleien mit Investitions- und völkerrechtlichen Streitigkeiten beschäftigen und es daher mehr qualifizierte Anwälte in Deutschland gibt.

Aushängeschilder der deutschen Schiedsszene
Mit Hanefeld, Namenspartnerin der Hamburger Dispute-Resolution-Boutique, und Dr. Klaus Sachs, Münchner Partner von CMS, fiel die Wahl auf international besonders angesehene Schiedsanwälte. Hanefeld zeichnete sich bereits 2005 für den ungarischen Staat bei der Abwehr einer ICSID-Klage aus. Als Schiedsrichterin fiel die Hamburgerin zuletzt vor allem bei großvolumigen Streitigkeiten in der Energiebranche auf, etwa im milliardenschweren Streit zwischen Gazprom und dem RWE-Konzern (mehr…).

In ICSID-Verfahren hat sich Sachs bereits mehrfach als Vorsitzender des Schiedsgerichts oder als Beisitzer auszeichnen können, aktuell etwa in Verfahren zwischen dem französischen Saint-Gobain-Konzern und Bolivien oder der Klage eines Rohstoffproduzenten gegen Pakistan. Sachs ist seit Jahren ein starker Treiber für internationale Schiedsverfahren und hat viel zum guten Ansehen deutscher Schiedsrichter im Ausland beigetragen. Das gilt auch für Nacimiento, die zuletzt den Staat Kasachstan in einem Investitionsstreit beriet. Die Norton Rose-Schiedsexpertin ist seit 2007 auf der ICSID-Schiedsrichterliste. Auf der Liste der Konsiliatoren folgt Nacimiento nun auf den langjährigen Generalsekretär der deutschen Schiedsorganisation DIS, Jens Bredow, dessen Ernennung Ende August auslief.

Prof. Dr. Böckstiegel sowie Dr. Sabine Konrad wurden daneben als ICSID-Schiedsrichter bestätigt. Der emeritierte Kölner Rechtsprofessor Böckstiegel ist bereits seit Jahrzehnten in Investitionsstreitigkeiten tätig und gehört hier zur weltweiten Topriege. Die McDermott Will & Emery-Partnerin Konrad hat sich durch zahlreiche Fälle viel Anerkennung verschafft. Unter anderem vertraut die Bundesregierung bei der Abwehr der beiden ICSID-Klagen des Energiekonzerns Vattenfall auf ihre Dienste (mehr…, mehr…). Auf einer weiteren Schiedsrichterliste, für deren Zusammenstellung das ICSID selbst verantwortlich ist, steht außerdem seit knapp zwei Jahren Prof. Dr. Siegfried Elsing, deutscher Senior Partner von Orrick Herrington & Sutcliffe.

Klaus Sachs

Internationale Strategie von CMS
Für die deutsche Schiedspraxis von CMS passt die Ernennung von Sachs zum ICSID-Schiedsrichter in ihre internationale Wachstumsstrategie. Vor wenigen Tagen gab die Kanzlei bekannt, den chinesischen Markt als deutsche Vertreterin in den Hongkong Arbitration Chambers erschließen zu wollen. In dem Modellprojekt finden seit 2012 Schiedsexperten aus verschiedenen Jurisdiktionen zusammen. In diesem Kreis ist CMS die einzige kontinentaleuropäische Kanzlei. Über die Präsenz will sich das deutsche Schiedsteam, zu dem neben Sachs vor allem Dr. Dorothee Ruckteschler und Dr. Torsten Lörcher zählen, noch mehr in Schiedsverfahren mit asiatischen Bezug positionieren. Daher sollen mehrere Anwälte, darunter auch Dr. Nicolas Wiegand aus dem Münchner Standort, ihren beruflichen Schwerpunkt teilweise auch nach Hongkong verlagern. (Marcus Jung)