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11.06.2014

Aus nach acht Jahren: US-Kanzlei Sidley schließt deutsches Büro

Die US-Kanzlei Sidley Austin zieht sich aus Deutschland zurück. Schon Ende des Monats kommt JUVE-Recherchen zufolge das Aus für ihr auf Kapitalmarktrecht fokussiertes Frankfurter Büro. Dort sind derzeit noch vier Anwälte tätig. Counsel Dr. Thomas Kulzer (45) und Associate Martina Bender (44) werden zu Gleiss Lutz wechseln, wo sie mit gleichem Status einsteigen. Der einzig verbliebene Partner, Dr. Jens Rinze, wollte keinen Kommentar zu seiner künftigen Tätigkeit abgeben, Counsel Dr. Andreas Kopp war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Thomas Kulzer

“Aufgrund veränderter Marktbedingungen denken wir, dass unsere physische Anwesenheit für unsere Mandanten nicht zwingen nötig ist”, sagte ein Sprecher der Kanzlei gegenüber dem englischen Branchenmagazin ‘The Lawyer’. “Deswegen haben wir uns entschlossen, das Büro zu schließen und organisieren dies bereits.“ Die Entscheidung der Kanzlei kommt für Marktbeobachter unterdessen wenig überraschend. In den vergangenen beiden Jahren hatten kontinuierlich Anwälte dem deutschen Sidley-Team den Rücken gekehrt. Spätestens als Ende vergangenen Jahres der vorletzte Partner vor Ort ging, der Steuerexperte Werner Geißelmeier (zu Pinsent Masons), spekulierten Marktbeobachter über ein mögliches Ende der deutschen Sidley-Präsenz. Im Februar dieses Jahres hatte das weltweite Management der Kanzlei dann sogar offiziell bestätigt, die Zukunft ihres Frankfurter Büros zu prüfen.

Wechselvolle Geschichte

Martina Bender

Sidley war hierzulande 2006 gestartet. Seinerzeit wechselte Jens Rinze gemeinsam mit Dr. Oliver Kessler von Lovells (heute Hogan Lovells). Schnell machte sich das im Schwerpunkt auf Finanzierungen und Kapitalmarktrecht ausgerichtete junge Sidley-Büro einen Namen, vor allem durch seine Arbeit bei Verbriefungstransaktionen. In der Spitze wuchs es auf gut 20 Anwälte. Der Zusammenbruch der Bank Lehman Brothers und die folgende Wirtschaftskrise stoppten jedoch weitere Expansionspläne und wichtige Teile des bis dahin etablierten Finanzierungsgeschäfts. In der Folge schrumpfte das Büro deutlich.

Zunächst ging Kessler zu Oppenhoff & Partner, ebenso einige Monate später Jérôme Friedrich. Es folgte der Weggang von Geißelmeier, zuletzt kehrte Anfang dieses Jahres der Corporate- und Compliance-Experte Prof. Dr. Michael Brück der Sozietät den Rücken und wechselte zu Norton Rose Fulbright.

Sidley will eigenen Angaben zufolge die bisher aus Frankfurt betreuten Mandanten an eine oder mehrere deutsche Sozietäten verweisen. Dies habe sie bisher auch schon gemacht, wenn sie von Mandanten nachgefragte Dienstleistungen vor Ort nicht abdeckte oder der Umfang des Mandats zu groß für die kleine Praxis war. 

Gleiss profitiert nun von der Schließung. Die Kanzleien hatten in der Vergangenheit schon häufiger zusammengearbeitet. So berieten sie etwa vor wenigen Monaten gemeinsam, als das US-Unternehmen Portfolio Recovery Associates die norwegische Gesellschaft Aktiv Kapital erwarb, die sich auf den Erwerb notleidender Kredite und Inkassodienstleistungen spezialisiert hat. Kulzer und Bender steigen beide zum Juli in der Praxis für Anleihen und Strukturierte Finanzierung um die Partner Dr. Helge Kortz und Dr. Kai Birke ein. Kulzer soll dort vor allem seine große Erfahrung mit der Restrukturierung von Portfolien gewerblicher Immobilienkredite (CMBS) einbringen. Für Sidley war er wie Kopp und Rinze seit deren Deutschland-Start tätig, Bender stieß erst Anfang 2013 von der Commerzbank dazu. (René Bender)