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29.10.2015

Sächsisches Partnerkarussell: Tintelnot und Vennemann wechseln zu Gruendel

Die viele Jahre in Leipzig führende Kanzlei Mohns Tintelnot Pruggmayer Vennemann zerbricht. Die Namenspartner Dr. Albrecht Tintelnot (59) und Frank Vennemann (51) schließen sich zusammen mit einem mindestens zweiköpfigen Team zum Jahreswechsel der Kanzlei Gruendel an. Bereits vor zwei Monaten war bekannt geworden, dass der dritte Namensgeber, Steffen Pruggmayer (58), zusammen mit zwei Associates zu Petersen Hardraht gehen wird.

Albrecht Tintelnot

Albrecht Tintelnot

Die Öffentlichrechtlerin Dr. Sophia Pommer (42), seit 2013 Partnerin bei Mohns Tintelnot, zieht es unterdessen zum örtlichen Büro von Redeker.

Hintergrund der Entwicklung ist die schon seit knapp einem Jahr feststehende Auflösung von Mohns Tintelnot. Die Kanzlei war 2001 nach der Zusammenlegung der früheren Leipziger Standorte der Freshfields Bruckhaus Deringer-Vorgängerkanzlei Deringer Tessin Herrman & Sedemund sowie der Linklaters-Vorgängerin Oppenhoff & Rädler entstanden. Mitbegründer Norbert Mohns hatte sich schon vor einigen Jahren zur Ruhe gesetzt.

Die jetzige Aufspaltung in Petersen Hardraht und Gruendel entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Denn auch Dr. Nikolaus Petersen (53) und Dr. Mirko Gründel (47) waren einst Partner in einer Kanzlei – Petersen Gründel zerbrach jedoch 2011. Seitdem liefern sich beide Kanzleien ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Sachen Wachstum: Petersen vermeldete kürzlich nicht nur die Aufnahme des Pruggmayer-Teams, sondern auch die Übernahme von Teams von CMS Hasche Sigle in Leipzig und der Dresdner Kanzlei Cramer von Clausbruch. Zu Gruendel stieß in diesem Jahr ein vierköpfiges Team der MDP-Kanzlei Bren Lange Rosse.

Gruendel, durch den Namenspartner vor allem im Bereich Venture Capital auch überregional bekannt, ist seit einiger Zeit dabei, sich fachlich zu verbreitern. Der Wechsel von Tintelnot und Vennemann passt insofern in diese Strategie. Tintelnot berät private und öffentliche Unternehmen sowie Körperschaften insbesondere im Gesellschafts- und Insolvenzrecht, in der Privatisierung öffentlicher Aufgaben sowie in umwelt- und wasserrechtlichen Fragen. Vennemann ist insbesondere im Immobilien- und Gesellschaftsrecht, bei Unternehmenskäufen und Privatisierungen tätig. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Krankenhausrecht.

Neue Größe in Leipzig

Zusammen mit Tintelnot und Vennemann stößt auch Dr. Peter Krüger als of Counsel zu Gruendel. Der 72-Jährige ist bereits seit Anfang der 1990er-Jahre vor Ort tätig, zunächst bei Gaedertz Vieregge Quack Kreile (die später unter anderem in Mayer Brown und Norton Rose Fulbright aufging), zwischen 2001 und 2010 als Leipziger Standortleiter von KPMG Law. Krügers Vorgänger als Standortleiter bei der WP-Gesellschaft war übrigens Nikolaus Petersen.

Gruendel wächst mit den Zugängen auf acht Partner, acht Associates und einen of Counsel in Leipzig und dürfte damit das zweitgrößte Büro vor Ort nach CMS werden. Zudem unterhält die Kanzlei Büros in Jena und Berlin.

Neben Gruendel und Petersen profitiert auch Redeker von der aktuellen Entwicklung. Das Büro um den im Vergabe- und Öffentlichen Wirtschaftsrecht sehr anerkannten Dr. Thomas Stickler galt angesichts des Potenzials des Beratungsgebietes in Ostdeutschland seit Langem als zu klein. Mit Pommer, die bei Redeker als Counsel einsteigt, verstärkt sie sich nun zielgenau.

Bereits zum September ist auch der langjährige Associate Mirko Sievert bei Mohns Tintelnot ausgeschieden. Der 42-jährige Immobilienrechtler schloss sich der Leipziger Kanzlei Dr. Fingerle als Senior Counsel an. (Jörn Poppelbaum)